Grünstadt Der Frühling kann kommen!

Der riesige Schneemann, der auf einer Rolle von einem Traktor transportiert wurde, führte in Bissersheim die Fußgruppe an. Auf den Straßen warteten Anwohner, die den Kindern Süßigkeiten überreichten. „Das ist bei uns so Tradition“, sagte Bürgermeister Heinrich Krauß (parteilos). Im Anschluss sangen Schulkinder der Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach Lieder vor der Sängerhalle. Um sich von dem Winter nun endlich zu verabschieden, ging der Schneemann aus Stroh schließlich in Flammen auf. „Das ist ein schönes Ritual und das sollte man beibehalten. Meine Schwiegereltern kommen aus Bissersheim“, sagte Diana Haag aus Rüsselsheim, die mit ihrer Tochter Hannah (vier Jahre) jedes Jahr zur Winterverbrennung in die Pfalz kommt. In ihrer Heimat gebe es so eine traditionelle Verabschiedung des Winters nicht. Und auch ihre Tochter hatte sichtlich Spaß und hielt stolz den Stabausstecken, den ihre Oma gebastelt hatte, in die Luft. Mit bunten Stabausstecken: In der Hoffnung auf einen baldigen Frühlingsbeginn zog am Sonntagvormittag auch in Battenberg Groß und Klein mit bunt geschmückten Stabausstecken vom Dorfgemeinschaftshaus zum Bolzplatz. Unter Gesang und Gitarrenbegleitung trotzten rund 70 Stabaus-Gänger dem nass-trüben Wetter. Den Höhepunkt bildete die eigentliche „Winterverbrennung“ in Form eines lodernden Strohmannes, den die örtliche Freiwillige Feuerwehr bindet und aufstellt. Dem Feuer zum Opfer fiel aber auch der eine oder andere Stabausstecken, der – mal bewusst, mal unfreiwillig – in den Flammen landete. Als Trostpflaster halfen Stabausbrezeln über den Kummer hinweg, die Feuerwehr organisierte einen Ausschank. Zehn Zugnummern: Der Unterhaltungsverein (UVW) in Wattenheim stellt jedes Jahr einen sehenswerten Umzug zusammen. Dieses Mal waren es zehn Zugnummern der örtlichen Vereine, allesamt Hingucker. Los ging es an der ehemaligen Autobahnmeisterei. Ziel des bunten Zuges war der Platz vor der Gemeindefesthalle, wo der Winter verbrannt wurde. Der Verschönerungsverein hatte den Transport des Schneemanns übernommen, während der UVW mit einem bunten Blumenwagen glänzte. Die Männer der SPD führten auf der Straße einen Bändertanz auf. Die Frauen und der Nachwuchs des ATSV kamen als kleine Osterhasen daher, oder warben im sportlichen Outfit für die Frühlingsolympiade. Bereichert wurde der Zug auch von Guido Schwalb, der mit seinem selbstgestalteten Handwagen bei keinem Umzug im Ort fehlen darf. Sehenswert: der Wagen des Gesangsvereins, auf dem eine Windmühle aufgestellt war. Abgerundet wurde der Zug von den Beiträgen der Waldhexen und des Wattenheimer Kerwekomitees, das schon mal für das Fest am ersten Juliwochenende warb. Die Blumen, mit denen die Vereine ihre Gespanne dekotiert hatten, wurden verkauft, oder auch unter den Zuschauern verlost. Losglück hatte auch Frank Pings, der die große Brezel gewann, die vorher auf einem der Wagen durch den Ort gefahren worden war. Für die kleinen Besucher gab es kostenlose Stabausbrezeln. Am Platz vor der Gemeindehalle sagen die Kinder aus der Grundschule und Kita gemeinsam „Komm doch schöner Frühling“, bevor der Winter in Flammen aufging. Mehr als 30 Ballen Stroh: Mit großer Begeisterung haben zahlreiche Besucher gestern Nachmittag in Neuleiningen das Binden des fünf Meter hohen Strohmanns für die anschließende Winterverbrennung verfolgt. 20 fleißige Stabausburschen verwendeten dafür mehr als 30 Ballen Stroh, Weinreben und Draht. Auf Balken gestützt und mit viel Muskelkraft wurde der Strohmann durch die engen Gassen gezogen, um später in der Sandkaut verbrannt zu werden. Die neunjährige Emilie durfte als Gäsbock verkleidet, dem Wahrzeichen der Neuleininger, in diesem Jahr beim Umzug auf dem Strohwisch sitzen. „Bereits zum 493. Mal wird der Winter bei uns im Dorf verbrannt. Die Tradition geht auf die Zeit des Bauernkriegs 1525 zurück. Der Graf ließ damals das alte Stroh aus den Scheuen verbrennen, um Platz für seinen neuen Zehnt zu schaffen. Als Erinnerung daran, entstand dieser Brauch“, erklärte Thomas Zelinski vom Heimat- und Kulturverein. Im Anschluss wurde die Riesenbretzel versteigert. Der Erlös soll laut Zelinski in ein Projekt der Dorferneuerung fließen. Die örtliche Blaskapelle sowie Kinder der Kita und der Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach umrahmten die Veranstaltung musikalisch. Schneemann geht in Flammen auf: Einige hundert Kinder der Eisenberger Kindertagesstätten und Grundschule begleiteten den Schneemann vom Marktplatz bis auf den Mehrgenerationenplatz. Dort entfachten Bürgermeister Adolf Kauth und Beigeordneter Peter Funck den Strohmann. Jugendliche des CVJM Eisenberg hatten unter der Leitung von Pfarrer Hauth auch in diesem Jahr den Bau des übergroßen Strohmannes übernommen. Auf dem Marktplatz trafen sich die Kinder mit ihren bunten Stabausstecken. Sie wurden alle mit einer Stabausbrezel belohnt. Die Eisenberger Blaskapelle begleitete den Zug. Nachdem die Kinder der Kindertagesstätte aus Steinborn den Winter mit ihren musikalischen Beiträgen verabschiedet hatten, wurde die Figur in Brand gesetzt. Die Jugendfeuerwehr Eisenberg übernahm es, den Zug und die Winterverbrennung abzusichern. Der Förderverein St. Elisabeth bewirtete die Gäste mit Kaffee und Kuchen, und die Bäckerei Brand aus Kirchheimbolanden sorgte für die Stabaus Brezeln.