Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Dekan-Ernst-Schule: Rektorin verabschiedet sich in den Ruhestand

Die Rektorin Nicole Kaufmann verlässt die Dekan-Ernst-Schule in Grünstadt, wo ein Riesenprojekt die Gestaltung des Pausenhofes m
Die Rektorin Nicole Kaufmann verlässt die Dekan-Ernst-Schule in Grünstadt, wo ein Riesenprojekt die Gestaltung des Pausenhofes mit dem Verein Naturspur war.

50 Jahre ist es nun her, dass Kinder und Lehrkräfte in die neu gebaute Dekan-Ernst-Grundschule in Grünstadt eingezogen sind. Fast ein Drittel dieser langen Zeit wurde das Haus von Nicole Kaufmann geleitet. Jetzt geht die Rektorin in den Ruhestand und blickt auf jede Menge Herausforderungen und auch unvergessliche Erlebnisse zurück.

Ursprünglich wollte sie Tänzerin werden, verrät Nicole Kaufmann. Das ist aber schon sehr lange her. Stattdessen wurde sie Pädagogin. Der Faible für Kunst, eine ansprechende Umgebung, fröhliche Feste mit Musik ist geblieben. Und diesen Vorlieben konnte die 62-Jährige in ihrem Beruf durchaus nachgehen. „Ich hab es nie bereut, aus finanziellen Gründen keinen Tanzunterricht erhalten zu haben“, gesteht die Rektorin der Grünstadter Dekan-Ernst-Schule (DES) lachend. Am Freitag wird sie in die passive Phase der Altersteilzeit verabschiedet.

Auf dem Ludwig-Frank-Gymnasium in ihrer Geburtsstadt Mannheim habe sie „tolle Lehrer“ gehabt, die ihr ein großes Vorbild waren und ihren weiteren Lebensweg beeinflussten. „Auch weil ich Kinder sehr gern mag und es total spannend finde, sie ein Stück weit auf ihrem Weg zu begleiten und zu sehen, wie sie sich entwickeln“, erzählt die vierfache Mama und neunfache Großmutter. Drei kleine Töchter hatte Kaufmann bereits, als sie im Oktober 1989 das Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschule an der Uni Koblenz-Landau aufnahm. Das vierte Kind kam im fünften Semester. Wie schafft man das? Da ist es wieder, dieses herzerfrischende Lachen: „Mein Mann Gerhard und ich sind ein tolles Team.“

Schülerrat initiiert

Das gute Miteinander auf Augenhöhe ist Kaufmann extrem wichtig – privat und beruflich. So initiierte sie die Bildung eines Schülerrats, um den Kindern die Mitbestimmung zu ermöglichen. „In dem Gremium, in dem aus jeder Klasse zwei Schüler sowie eine Kollegin und ich sitzen, sind schon Super-Ideen entstanden“, berichtet sie. Ein „wunderbares Projekt“ in dieser Hinsicht war die Neugestaltung des Pausenhofs der DES. Das geschah in drei Phasen 2012, 2014 und 2018 mit fachlicher Unterstützung des Vereins Naturspur.

Als die Umsetzung startete, saß Kaufmann nach 18 Monaten als Konrektorin gerade erst seit ein paar Monaten auf dem Chefsessel. „Ich wollte keine klassischen Spielgeräte im Außengelände, sondern hatte nach Alternativen gesucht“, erzählt sie. Über einen Spendenlauf wurden Finanzmittel generiert. Dann halfen alle tatkräftig mit: Lehrkräfte, Eltern, Omas, Opas und die Erst- bis Viertklässler. Dieses Hand-in-Hand-Arbeiten sei ein ganz besonderes Erlebnis gewesen, schwärmt die Schulleiterin. „Das Schöne war, dass jedes Kind eine Aufgabe hatte, die es gut meistern konnte“, erklärt sie. Viele Schüler hätten Seiten an sich gezeigt, die die Pädagogen im Unterricht nie wahrnehmen konnten.

Wohlfühlschule im Fokus

„Mir liegt sehr am Herzen, dass alle sich wohlfühlen“, sagt Kaufmann, die gern gestaltet. Während der Pandemie wurden unter dem Motto „Häkeln und Stricken gegen das Virus“ Pfosten, Baumstämme und andere geeignete Gegenstände mit wolligen bunten Werken eingekleidet. Mit Kulturschaffenden über das Landesprogramm „Jedem Kind seine Kunst“ erhielt die Mensa ein anderes Gesicht. Auch das Lehrerzimmer wurde unter ihrer Ägide erneuert. Die Klassensäle der Ganztagseinrichtung wurden modernisiert und sämtlich mit Smartboards ausgestattet.

Vor zehn Jahren begann das Team sich mit der Idee anzufreunden, Schwerpunktschule zu werden. Seit 2016 ist das umgesetzt. Kaufmann hält es für ein gutes Modell. „So kann man dem einzelnen Kind gerechter werden“, findet sie und blickt auf das breite Spektrum an Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf, Teilleistungsstörungen, Migrationshintergrund, Hochbegabung, Autismus, körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen oder erhöhtem Zuwendungsbedarf.

Herausforderungen wachsen

Die aktuell 372 Jungen und Mädchen – im kommenden Jahr sind es circa 20 mehr – werden von 32 Lehrkräften begleitet. Für jedes Kind, das in irgendeiner Form Unterstützung benötigt, ist ein Förderpädagoge für 2,5 Wochenstunden da. „Der Blick von zwei Lehrern auf den Schüler ist hilfreich, aber es ist natürlich nicht vergleichbar mit dem, was eine reine Förderschule leisten kann“, erzählt Kaufmann, die festgestellt hat, dass die Herausforderungen für die Lehrkräfte stetig wachsen.

„Zum Beispiel kommt es immer öfter vor, dass ein Kind kein Deutsch kann“, sgt sie. Zudem wirke Corona, „das uns um Jahre zurückgeworfen hat“, weiter nach und die Eltern seien ängstlicher geworden. Drei Abc-Schützen müssten die erste Klasse wiederholen, „weil sie einfach noch zu verspielt sind“. Ihnen hätte eine längere Zeit in der Kita gut getan, allerdings sei das bei „Muss-Kindern“, die bei der Einschulung bereits sechs Jahre alt sind, nur in wenigen Ausnahmefällen möglich.

Förderung über das Startchancen-Programm

Die DES gehört auch zu den landesweit 200 Schulen mit einem hohen Anteil an benachteiligten Kindern und Jugendlichen, die einen Zuschuss über das auf zehn Jahre angelegte Startchancen-Programm erhalten. Um wie viel Geld es sich dabei handelt und wofür es verwendet werden soll, kann die Rektorin noch nicht sagen. „Bis jetzt gab es lediglich eine allgemeine Info-Veranstaltung dazu.“

Für sie persönlich sei es die acht Jahre besonders anstrengend gewesen, die sie allein die Leitung der größten Grünstadter Grundschule innegehabt habe. „Seit 2020 ist Marina Röhrenbeck an meiner Seite und wir sind ein hervorragendes Team“, sagt die 62-Jährige, die sich sehr darauf freut, im Ruhestand „einfach nur zu sein und soziale Kontakte wieder aufzufrischen“.

Termine

Nicole Kaufmann wird verabschiedet am Freitag, 5. Juli, ab 9 Uhr auf dem Schulgelände. Am Samstag, 6. Juli, 11 bis 16 Uhr, wird das 50. Jubiläum der DES gefeiert.

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