Grünstadt Das Zwei-Mann-Großorchester

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Ein Konzert der besonderen Art bescherte das Modern Folk-Duo Cassard am Samstag rund 40 Besuchern im Alten Weingut Großkarlbach. Mit europäischer Weihnachtsmusik auf historischen Instrumenten stimmten Christoph Pelgen und Johannes Mayr auf die Adventszeit ein.

Zum zweiten Mal gastierte das Duo Cassard auf Einladung des Kulturvereins Sieben Mühlen im urigen Sandsteingewölbe des Alten Weinguts in Großkarlbach. Vier Dudelsäcke, zwei Gitarren, ein Dutzend Flöten und Tröten, Harmonium, Nyckelharpa und zwei Triangeln – das ansehnliche Instrumentenarsenal auf der Bühne versprach außerordentliche Klangerlebnisse, und die Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Unter dem Titel „Pastorale“ begaben sich Christoph Pelgen und Johannes Mayr auf einen zweistündigen Streifzug durch die Weihnachtslied-Traditionen Europas. Dabei machten sie ihrem Bandnamen – er erinnert an Jacques Cassard, einen französischen Freibeuter unter Ludwig XIV – alle Ehre und kreuzten als Zwei-Mann-Großorchester quer durch die Epochen europäischer Folk-Musik. Keltische Weisen, sehnsuchtsvoll und melancholisch, mischten sich mit mediterraner Fröhlichkeit in überbordender Fülle. Der feierlichen Beschaulichkeit des Nordens standen lebenslustige Polka und Sirtakiklänge gegenüber: „In Südeuropa fliegt die Kuh“, so Christoph Pelgen flapsig und ließ die Finger im Wechsel über die Pfeifen seines Dudelsacks und diverser Hirtenflöten tanzen und sich von Triangel spielenden Zuhörern begleiten. Und bei einem französischen Hirtenlied stimmte das Publikum als Chor ein. Nebenbei erfuhren die Besucher einiges über adventliche Gepflogenheiten. So beschenkt in Griechenland der Heilige Vasilis die Kinder, wenn sie, fröhliche Kalandas (Neujahrslieder) singend, bis zum Dreikönigstag von Haus zu Haus ziehen, während in Schweden besinnliche „Trettandagsvisam“, Dreikönigsweisen, auf Harmonium und Gitarre erklingen. Ins Programm knüpfte das schwäbisch-bayerische Duo eigene Kompositionen im alten Stil: zeitgemäße Folkmusik auf dem Boden der Tradition. Die Titel haben meist familiär-biografische Bezügen wie „Obersteigerstochter/Frühlingssonne“ und „Magdalena/Die Nussschwemme“. Mit Pelgen und Mayr haben sich zwei Erzmusikanten gefunden, die hochvirtuos und spielfreudig ihr Publikum zu begeistern wissen. Dabei graben sie historische Instrumente wie die in der Renaissance beliebte Tröte namens Krummhorn oder die seit dem Barock in Mitteleuropa fast ausgestorbene Schlüsselfiedel (Nyckelharpa) aus und überraschen mit Bordunklängen und chromatischen Harmonien. Das Spielen auf den alten Instrumenten haben sich die beiden größtenteils selbst beigebracht. Nach Anfängen als Straßenmusikanten sind Pelgen und Mayr in der Folk- und Weltmusikszene heute renommierte Virtuosen und gefragte Dozenten, und als Profimusiker seit 20 Jahren mit diversen Projekten unterwegs. Weihnachtsklassiker fehlten nicht. So gab es mit „Kommet ihr Hirten“, „Adeste Fideles“ und dem englischen Christmas-Carol „God Rest You Merry Gentleman“ Weihnachtliches ohne Kitsch und wohldosiert. Besonders ergreifend war die spanische Version von „Maria durch den Dornwald ging“: darin gehen Mutter und Kind durch einen Orangenhain, und der blinde Orangenbauer erhält sein Augenlicht wieder.

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