Grünstadt „Das müsste funktionieren“

Auf enormes Interesse stieß die Informationsveranstaltung zur eventuellen Einrichtung eines Dorfladens in Wattenheim. Rund 150 Bürger aller Altersstufen waren in die Gemeindefesthalle gekommen, um sich über Möglichkeiten und auch Probleme einer solchen Einrichtung zu informieren.
Ein Drittel der Teilnehmer trug sich nach rund zwei Stunden Information in die Liste derer ein, die an einem Projekt Dorfladen mitarbeiten wollen. Mit dieser Gruppe und einem unabhängigen Moderator aus Wattenheim werde jetzt der nächste Schritt gegangen, informierte der SPD-Vorsitzende Hartmut Armbrust die RHEINPFALZ im Nachgang. In der Versammlung am Freitag hatte Armbrust die Moderation übernommen, aber stets betont, dass die Einrichtung eines Dorfladens keine Sache einer Partei, einer Gruppe oder einzelner Personen sei, sondern vom gesamten Dorf getragen werden müsse. Für die Information der Bürger hatte sich die SPD, die mit ihrer Initiative die Basis für ein Dorfladen-Projekt schaffen will, externe Hilfe geholt. Zum einen hatten Vertreter des Ortsvereins in Morschheim den seit 1996 existierenden Dorfladen besucht, dort den Ortsbürgermeister Joachim Fister für ein Referat gewinnen können. Zum andern hatte sich die SPD an die Initiative „Dorv“ in Jülich-Barmen gewandt. Dort ist es gelungen, mit großem Engagement einen Laden zu gründen. Mittlerweile beraten die Initiatoren europaweit Kommunen bei der Einrichtung solcher Dorfzentren, die auch Kommunikations-Treffpunkt sind. Von Dorv war Christian Klems, der Ortsvorsteher der 1400-Seelen-Gemeinde Barmen angereist, um Lösungsansätze für einen Wattenheimer Dorfladen aufzuzeigen. Nach der Einführung von Armbrust, der die Stärken der Wattenheimer Dorfgemeinschaft beschwor, sprach zunächst Klems über „Dorv“. Er gab die Empfehlung aus, mit Bürgerkapital eine Art Dorfladen-Aktie zu entwickeln, um möglichst viele Menschen einzubinden. Rund ein Drittel ihrer Kaufkraft für Lebensmittel sollten die Menschen bereit sein, im Dorfladen zu lassen. Klems erläuterte, wie Dorfläden aufgebaut, welche Angebote integriert werden sollten, wie Partner gewonnen werden. Joachim Fister hingegen stellte ein ganz anderes Modell vor. In Morschheim kann der Laden nur überleben, weil alle Vereine im Ort über ihn den Einkauf bei Festen erledigen. Außerdem muss jeder, der die neue Halle im Ort mietet, im Dorfladen die alkoholfreien Getränke und das Bier abnehmen, was dem Laden ebenfalls helfe zu überleben. „Machen Sie sich keine Illusionen, der Betrieb funktioniert nur über bezahlte Mitarbeiter, ehrenamtlich geht das nicht“, so Fister. Auch über die recht schnell verfliegende Anfangseuphorie ließ er die Wattenheimer nicht im Unklaren. Während Klems recht euphorisch für Wattenheim die Parole ausgab: „Das müsste funktionieren“, zeigte sich Fister vorsichtiger: „Sie müssen bei der Analyse genau beachten, wie weit die nächsten Discounter entfernt sind, welche sozialen Komponenten sie dem Dorfladen zuschreiben, wissen wie sie im täglichen Überlebenskampf zurecht kommen“, so Fister. Auf die Frage aus dem Auditorium „Würden Sie es wieder machen?“ hatte der Morschheimer eine ganz klare Antwort: „Ja!“. (jös)