Grünstadt Das etwas andere Date: Friederike und ich

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«» «Westerland/Grünstadt.» „Kannst Du am Sonntag bei uns arbeiten?“ Der Anruf aus der Lokalredaktion erreicht mich auf Sylt, wo wir für ein paar Tage eine Auszeit genommen haben. Jetzt, wo sich die Schicki-Micki-Gesellschaft auf der Insel rar macht, entfaltet Sylt einen besonderen Charme. Gut für Körper, Geist und Seele, die sich im winterlichen Reizklima der Nordsee rundum erholen können. Am Sonntag arbeiten? Kein Problem. Die Rückfahrt ist eh für Donnerstag gebucht. Mit dem IC „Nordfriesland“, von Westerland nach Stuttgart, soll es entspannt durch die halbe Republik gehen: elf Stunden bis Grünstadt, nur zweimal umsteigen, ein kleines Abenteuer. Dafür soll die Fahrt am Rhein entlang entschädigen: von Köln bis Mainz, wo der Fluss und die Landschaft am reizvollsten sind. Doch die Rechnung ist ohne „Friederike“ gemacht worden, das Sturmtief, das vor allem in der Mitte Deutschlands gewütet hat. Kaum haben wir den Hindenburgdamm verlassen, empfängt uns das Festland mit leichtem Schneetreiben, das dichter wird, je näher wir gen Hamburg kommen. Und dann, irgendwo kurz vor Heide, informiert der Zugchef, dass die Bahn wegen des Orkans den Fernverkehr eingestellt hat. „Unser Zug endet heute in Altona!“ Dort sollen sich die Fahrgäste sammeln und auf weitere Informationen warten. Mehr wisse auch er noch nicht. Die Nacht im Hotelzug verbringen? Nein, danke. Ich steige in Itzehoe aus und nehme die nächstmögliche Bahn zurück nach Westerland. Mit mir im Abteil sitzt ein Ehepaar aus der Nähe von Husum. Sie führen eine kleine Montagefirma für Fenster und Türen. Ihr Hersteller hatte sie zu einer eintägigen Tagung nach Mainz eingeladen. Daraus wird nun nichts. Das Paar nimmt’s gelassen. Höhere Gewalt. „Kann man halt nix machen.“ Doch auch die Rückfahrt hat ihre Tücken. „Bitte, wundern Sie sich nicht, dass wir öfter unsere Geschwindigkeit verringern müssen“, informiert der Zugchef. Denn überall dort, wo Bahnübergänge nur Halbschranken aufweisen, müsse das Personal die Durchfahrt extra sichern. Der Wind peitsche den nassen Schnee so heftig gegen die Blinklichter, dass er daran kleben bleibe, klärt ein Mann in blauer Uniform auf. Autofahrer könnten einen herannahenden Zug eventuell nicht rechtzeitig erkennen. Denn geschlossene Halbschranken würden ohne rotes Blinklicht gern ignoriert … Nach sechs Stunden hat mich die Insel wieder. Den Syltern und ihren Gästen müssen die Fernsehbilder der Verwüstungen, die Friederike angerichtet hat, wie aus einer anderen Welt erscheinen. Denn selbst noch am Nachmittag taucht die Sonne Westerland in ein weiches Licht, auch wenn sich ein paar Schleierwolken vor sie geschoben haben. Und das bisschen Schnee kann nur in Furchen und anderen Vertiefungen ihren wärmenden Strahlen entgehen. Freitag, 9.10 Uhr, zweiter Versuch, nach Hause zu kommen. Dieses Mal mit dem ICE, damit soll es zwei Stunden schneller gehen. Die Regionalbahn bringt mich pünktlich nach Altona. Doch der ICE, den ich ausgesucht habe, fällt aus, obwohl er in den Bahn-Infos bis kurz zuvor als vergleichsweise sichere Verbindung angezeigt wurde – Friederike lässt grüßen. Der nachfolgende Intercity-Express wird erst 70 Minuten nach seiner planmäßigen Abfahrt bereitgestellt – aber er fährt. Nach zwölf Stunden bin ich Grünstadt. Abenteuerlich, aber leider ohne Sightseeing am Rhein.

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