Grünstadt „Das Ehrenamt macht mir einfach Freude“
«Rockenhausen.» Etwa ein Jahr ist es her, dass Tristan Werner das Amt des Sportkreisvorsitzenden von Günter Paulus übernommen hat. Nach gut 25 Jahren hatte Paulus sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Er war es gewesen, der Werner einst für die Arbeit im Sportkreis begeistert hatte. Nun ist der frühere Stellvertreter selbst Chef des 129 Vereine umfassenden Sportkreises – ein Schritt, den er nie bereut hat: „Es ist eine interessante Aufgabe. Man kann viel bewegen.“
„Wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt Werner, sei er zum Vorstandsamt im Sportkreis gekommen – auch wenn er sich schon immer für Sport und Ehrenamt interessiert habe und Mitglied beim SV Kirchheimbolanden und im RV Bolanden sei. Auf jahrelange Vorstandsarbeit in einem Verein oder eine längere Sportlerlaufbahn kann Werner allerdings nicht verweisen. „Das ist aber gar nicht schlimm“, findet der 32-Jährige. „Auch eine große Sportlerkarriere schützt nicht vor Fehlern – das hat man ja zum Beispiel bei Michel Platini gesehen.“ Vielmehr zähle es, gut zuzuhören, ein offenes Ohr für die Vereine zu haben und sich für deren Belange einzusetzen. Bleiben dann doch ab und zu mal Fragen offen, helfen die Sportbund-Kollegen in Kaiserslautern und sein Vorgänger Günter Paulus mit Rat weiter. Wie viele Stunden er seit seinem Amtsantritt in den Sportbund investiert, kann der Vorsitzende nicht genau sagen: „Viele. Ich zähle es nicht, es macht mir ja Spaß.“ Werner lebt fürs Ehrenamt, ist mittlerweile auch Präsidiumsmitglied des Sportbundes Pfalz, zudem SPD-Unterbezirksvorsitzender und Mitglied im Kirchheimbolandener Stadtrat. Bedeutet das nicht viel Stress? Werner schüttelt den Kopf. „Das Ehrenamt macht mir einfach Freude. Da habe ich meinen Ausgleich“, sagt der 32-Jährige, der „super dankbar“ ist, dass seine Ehefrau ihn hier unterstütze. „Wenn mich meine Frau nicht verstehen würde, hätte ich große Probleme.“ Seine Ehefrau („Sie kommt aus Köln und ist großer Hockeyfan.“) ist übrigens der Grund dafür, weshalb Tristan Werner ab und an ein Heimspiel der Kölner Haie verfolgt. Sein Herz schlägt aber für einen anderen Verein – den dritten, in dem er Mitglied ist: den SC Freiburg. „Als klar war, dass sie in der Ersten Liga bleiben, habe ich schon ein Fläschchen aufgemacht“, erzählt er lachend. Als Sportkreisvorsitzender kann Werner dagegen keinen einzelnen Verein bevorzugen – auch wenn er sich im Sportstättenbeirat natürlich für die Vereine aus dem Donnersbergkreis einsetze. Mit den hauptamtlich Tätigen des Sportkreises wird hier Jahr für Jahr überprüft, welche Projekte als nächstes gefördert werden und „wo die Not am dringlichsten ist“. Positive Bescheide zu überbringen, ist eine der angenehmen Aufgaben seines Amtes – wie auch die vielen Ehrungen, die Werner gerne übernimmt, um den Ehrenamtlichen Danke zu sagen. Manchmal muss er aber Vereine auch enttäuschen, etwa wenn es um einen vorzeitigen Baubeginn geht. „Das muss man dann eben entsprechend kommunizieren. Da habe ich aber auch noch nie persönliche Vorwürfe erlebt“, sagt Werner. Ob Sanierungen von Sportanlagen, neue Zäune, Ballfangnetze oder auch Anschaffungen zur Rasenpflege – der Sportbund fördert einiges. Von 2014 bis 2018 bewilligte der Verband Fördermittel in Höhe von insgesamt knapp 300.000 Euro für Vereine aus dem Donnersbergkreis. Dass das Geld des Sportbundes nur einen Teil der oft immensen Gesamtkosten abdeckt, weiß Werner. „Ich verstehe auch, wenn die Vereine vor so großen Investitionen zurückschrecken, aber ich bin mir sicher: Es lohnt sich.“ Der Sportbund lasse die Vereine hier nicht alleine. „Klar, darf man keine Luftschlösser bauen. Aber die Leute im Ort haben meist ein gutes Gefühl dafür, was zum Verein passt.“ Natürlich gebe es auch Vereine mit Nachholbedarf bei den Sportstätten. In Kirchheimbolanden und Rockenhausen sollen etwa die Hartplätze umgewandelt werden. In Sachen Sportstätten aber habe sich einiges getan im Donnersbergkreis. „Wir haben viele Sportstätten, die in gutem Zustand sind“, sagt Werner. Aber „Vereine, die lange nichts gemacht haben, spüren das auch“. Und umgekehrt: Immer wieder zeige sich, dass Vereine mit guten Sportanlagen größeren Zulauf im Jugendbereich erlebten („Die Eltern registrieren das.“) – und damit ihre eigene Zukunft sichern. Ein guter Platz könne so auch zum Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb mit anderen Vereinen werden. Letztlich sei das auch sein Ziel, so Werner: „Der Sportverein als Keimzelle des Sports muss zukunftsfähig bleiben.“ Gar nicht so einfach in Zeiten, in denen Sportvereine mit Fitnessstudios konkurrieren müssen, die rund um die Uhr geöffnet sind. Letztlich helfe da nur eins: „Es muss im Verein stimmen und ein motivierendes Umfeld geben“, sagt Werner. Das sei oft, aber nicht immer so. Manche Vereine verschliefen Trends regelrecht, aus ganz unterschiedlichen Gründen. „Wir brauchen Zugpferde mit einem breiten, tollen Angebot, die fest im Ort verankert sind und diesen mitprägen. Ich denke da etwa an den TuS Steinbach. Der Verein ist Ortsgespräch.“ Auch Vereine wie SV oder TV Kirchheimbolanden, FV Rockenhausen oder TSG Eisenberg kommen ihm in den Sinn. Letztere sei mit ihrer Schach-Abteilung ein gutes Beispiel dafür, wie eine sonst eher kleinere Sportart dank außergewöhnlichen Engagements großen Zulauf erfahre. „Gerade die Sportarten, die nicht im Fokus stehen, können nur bestehen, wenn sich Leute für sie einsetzen.“ Eben solchen Menschen ist auch die riesige Bandbreite der Sportarten zu verdanken, die im Donnersbergkreis angeboten werden. „Wir müssen uns da nicht vor Metropolregionen verstecken“, sagt Werner stolz und lobt die gute Zusammenarbeit mit den Vereinen. Das passt, sieht sich Werner doch als Teamplayer, der stets auf die Unterstützung seiner Vorstands- und Sportbundkollegen bauen könne: „Es macht mir nichts aus, vorweg zu gehen. Aber ich will es nicht alleine machen.“