Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Darf ein verletzter Spieler die Rote Karte kriegen?

Entscheidend ist die Art der Kommunikation, sagt Landesliga-Schiedsrichter Sebastian Hilsberg.
Entscheidend ist die Art der Kommunikation, sagt Landesliga-Schiedsrichter Sebastian Hilsberg.

Abseits oder kein Abseits? Tor oder kein Tor? Kaum eine andere Sportart bietet so viel Diskussionsbedarf wie Fußball. Landesligaschiedsrichter Sebastian Hilsberg beleuchtet nicht alltägliche Spielsituationen. In Folge fünf geht es um den Platzverweis eines verletzten Spielers.

Kritische Szenen, Platzverweise und Verletzungen gehören zum alltäglichen Fußballgeschäft. Doch was passiert, wenn der Übeltäter, der eigentlich wegen dem Foul mit Rot vom Spielfeld fliegen soll, sich dabei verletzt und ohnehin nicht weiterspielen kann?

Folgende fiktive Spielsituation: Ein mit Gelb vorbelasteter Spieler foult im Verlauf der Partie erneut einen Gegenspieler. Das Foul ist klar gegnerorientiert und rücksichtslos. Für den Schiedsrichter des Spiels eine eindeutige Sache: Gelb-Rot für den foulenden Spieler. Doch der Übeltäter liegt selbst auf dem Boden, hält sich das Knie und kann nicht mehr weiterspielen. Mit einer Trage wird er vom Spielfeld getragen. Wie entscheidet der Schiedsrichter jetzt? Zeigt er überhaupt noch die Gelb-Rote Karte?

Keine Karte, aber trotzdem Platzverweis

„Der Schiedsrichter sollte einem auf der Trage liegenden Spieler keine Karte zeigen“, erklärt Hilsberg. „Da der verletzte Spieler aber ein rücksichtsloses Foulspiel begangen hat und bereits zuvor mit Gelb verwarnt wurde, gibt es für ihn natürlich trotzdem den Platzverweis mittels der Gelb-Roten Karte.“ Rücksichtslos bedeutet nach Regel zwölf „Fouls und unsportliches Betragen“, dass ein Spieler die Gefahr oder die Folgen für einen Gegner außer Acht lässt und ist mit einer Gelben Karte zu sanktionieren.

Die Besonderheit in dieser Spielsituation: Die Kommunikation und somit auch der Platzverweis läuft in diesem Fall über den Kapitän der Mannschaft des verletzten Spielers. „Der Schiedsrichter hält in so einer Situation zunächst die Gelbe und dann die Rote Karte in der Hand und teilt währenddessen dem Spielführer mit, dass diese dem verletzten Spieler gelten“, erklärt Hilsberg.

Eine solche Spielsituation ist zwar eher die Ausnahme, ist Hilsberg am ersten Spieltag der Landesliga West zwischen dem TuS Steinbach und dem VfR Kirn in der Saison 2020/2021 aber selbst passiert. Der verletzte Spieler musste damals, mit Verdacht auf einen Kreuzbandriss, vom Krankenwagen abgeholt werden. „Kommunikation war in dieser Situation sehr wichtig, um über den Spielführer Akzeptanz innerhalb seiner Mannschaft zu schaffen und diese aufrechtzuerhalten“, erzählt Hilsberg. „Meiner Meinung nach müssen Schiedsrichter bei einer klar feldverweiswürdigen Aktion konsequent sein und diesen aussprechen. Als Unparteiische ist es unsere Pflicht, da ansonsten durch eine Auswechslung wieder elf gegen elf gespielt werden könnte. Außerdem ist es natürlich möglich, dass der eigentlich verletzte Spieler nach einer Behandlung doch weiterspielen kann.“

Trotzdem gibt der Landesligaschiedsrichter zu, dass er in Steinbach Mitleid mit dem verletzten Spieler hatte: „Ich hatte eine gute Sicht auf das Foulspiel und konnte direkt erkennen, dass der Spieler sich dabei schwer verletzt haben könnte. Ihn trotz seiner Verletzung mit Gelb-Rot des Feldes zu verweisen, fiel mir nicht leicht, war jedoch aufgrund der Intensität seines Foulspiels unausweichlich.

Entscheidend ist nach Hilsberg hier vor allem eine offene und verständnisvolle, aber dennoch ganz klare Kommunikation. „So können wir den Spielern und Betreuern gerade schwerere Entscheidungen vermitteln. Als Schiedsrichter treffen wir immer eine neutrale Entscheidung für das Spiel und keine persönliche gegen einzelne Personen.“

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