Interview
Cheforganisator Rolf Kley über den Marathon und Corona
Herr Kley, wie oft schauen Sie denn momentan aufs Wetter?
Nahezu täglich, denn das ist für eine gelungene Veranstaltung wichtig. Für mich könnte es momentan ein bisschen wärmer sein, aber ich habe mir sagen lassen, dass für die Läufer die etwas kühleren Temperaturen optimal sind.
Viele Veranstaltungen standen wegen der Pandemie lange auf wackeligen Füßen. Auch der Marathon Deutsche Weinstraße. Wann war der Moment, als Sie entschieden haben: Jetzt ziehen wir es durch?
Das war Anfang März. Wir planen die Veranstaltung seit einem Jahr. In die Organisationsgespräche sind wir im Oktober eingestiegen und haben erst einmal die Themen abgestimmt, die eher unproblematisch sind. Wir haben uns auch mit unseren Fachabteilungen abgestimmt, etwa mit dem Gesundheitsamt und der Abteilung Ordnung und Verkehr. Für uns war Anfang März klar: Wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen es zulassen, werden wir die Veranstaltung durchführen.
„Die Gesundheit der teilnehmenden Athleten ist uns sehr wichtig.“ So haben Sie Anfang März begründet, dass die Athleten beim Start eine Maske tragen müssen. Am Montag teilte die Kreisverwaltung mit, auf 2G und Maskenpflicht komplett zu verzichten. Was hat sich seitdem geändert?
Die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich geändert. Nach der 33. Corona-Bekämpfungsverordnung sind grundsätzlich alle Regularien und Schutzmaßnahmen – ausgenommen in ÖPNV, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen – weggefallen. Deshalb wäre es für uns schwierig gewesen, das bei unserer Sportveranstaltung im Freien umzusetzen. Daher haben wir Empfehlungen ausgesprochen.
Könnten Sie nicht von Ihrem Hausrecht Gebrauch machen?
Für unsere Athleten könnten wir das machen. Aber für die Zuschauer, die im Vorbeigehen durchlaufen, habe ich kein Hausrecht. Wir hatten geplant, das ganze Festzelt hermetisch abzuriegeln, es hätte einen Sicherheitsdienst und 2G-Kontrolle mit Armbändchen gegeben. Doch die rechtlichen Rahmenbedingungen sind ja weggefallen. Natürlich können wir auf dem Festplatz weiterhin 2G laufen lassen. Aber dann werden viele auch berechtigt die Frage stellen: Warum, wenn es keinen verpflichtenden Rechtsgrund mehr gibt? Aber uns als Veranstalter ist auch wichtig: Es gibt noch einen Grund. Corona ist nicht von heute auf morgen weg. Deshalb appellieren wir sowohl an die Eigenverantwortlichkeit als auch an die Solidarität der Athleten untereinander. Bei uns werden alle mit den Startunterlagen eine FFP2-Maske bekommen. Unsere Empfehlung lautet weiterhin: Starten Sie mit einer Maske, bis Sie über der Startlinie sind.
Glauben Sie, dass die Athleten das auch machen?
Das weiß ich nicht – bin aber zuversichtlich und hoffe auf die Athleten. Für uns ist aber wichtig, dass wir Vorsorge treffen. Corona ist nicht vorbei. Es wird uns auch am Veranstaltungstag und danach beschäftigen. Deshalb nochmal der Appell, beim Start eine Maske zu tragen. Auch beim Überreichen der Finisher-Medaille gibt es eine Maske für alle Athleten.
Haben Sie nicht ein bisschen Bauchweh bei über 3000 Läufern?
Das ist eine gute Frage. Wir versuchen, den größtmöglichen Schutz unter Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu bieten. Im Festzelt wird es Schilder geben mit der Empfehlung, eine Maske zu tragen. Ebenso werden Hygienemaßnahmen getroffen. Man wird sich auch am Eingang zum Festzelt kostenlos Masken mitnehmen können. Unsere Helfer wollen wir mit einem Spuckschutz schützen, wir haben im Anmeldezelt Einbahnstraßenregelungen. Dort, wo es möglich ist, versuchen wir, organisatorisch einzugreifen. Und ich denke, das ist uns gelungen.
Am 12. März 2020, als der Marathon 2020 abgesagt wurde, lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 4,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, am Dienstag bei 1288. Auch die Krankenhäuser sind heute voller als damals. War es richtig, den Marathon 2020 abzusagen?
Ich glaube, dass es zum damaligen Zeitpunkt absolut richtig war, die Veranstaltung 2020 abzusagen. Wir hatten auch in diese Vorbereitung sehr viel Engagement, Liebe und Herzblut gesteckt. Das war für uns alle sehr schwer zu verstehen und zu verarbeiten. Wir hatten auch nicht nur Befürworter, sondern mussten auch richtig Kritik einstecken. Wenn man sieht, wie sich die Lage danach entwickelt hat, war es richtig, abzusagen. Wir wussten nicht, wer uns gegenübersitzt, weil Corona für alle Neuland war. Heute haben wir Erfahrungen, sind gegen das Virus geimpft und die Experten sind schlauer geworden. Was mich übrigens gefreut hat: Als wir das Startgeld teilweise zurückgezahlt hatten, gab es viele Athleten, die es gespendet haben. Das war für uns ein Ansporn für die Veranstaltung 2022.
Verfolgen Sie den Marathon auch sportlich?
Ich habe keinen Favoriten. Natürlich freut es mich, wenn die Lokalmatadoren erfolgreich sind. Für mich ist es wichtig, dass alle gesund starten und auch wieder gesund ins Ziel kommen. Die Schnellsten mögen gewinnen!
