Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bundesliga-Gewichtheber starten wieder am 6. Februar

Für die Europameisterschaften der Masters in den Niederlanden hatte sich die 45-jährige Petra Keßler-Löwenstein bereits frühzeit
Für die Europameisterschaften der Masters in den Niederlanden hatte sich die 45-jährige Petra Keßler-Löwenstein bereits frühzeitig qualifiziert.

Kurz bevor es losgehen sollte, war es schon wieder vorbei. Der Start zur aktuellen Bundesliga-Saison soll am 6. Februar 2021 realisiert werden. Auch die rheinland-pfälzische Ranglisten-Liga sowie die erfolgreich angelaufenen Jugend-Fernwettkämpfe hat man vorübergehend auf Eis gelegt.

Wie wirkt sich das auf die Stimmung bei den Grünstadter Heberinnen und Hebern aus?„Es fühlt sich irgendwie nach „Leerlauf“ an oder eine „Fahrt ohne Ziel“, so beschreibt Petra Keßler-Löwenstein die Situation. „Denn normalerweise verläuft das Trainingsjahr sehr getaktet und ist auf die verschiedenen Wettkämpfe und einzelne Saison-Höhepunkte ausgerichtet.“ Ein solcher Höhepunkt wären für sie beispielsweise die Europameisterschaften der Masters in den Niederlanden gewesen, für die sich die 45-Jährige bereits frühzeitig qualifiziert hatte.

Diese wurden erst verschoben und schließlich komplett abgesagt. Nicole Nützel (41) hätte dort ebenfalls an den Start gehen können. Sie findet die Wettkampf-Aussetzungen zwar notwendig, „aber etwas deprimierend“. In den kommenden Wochen wären unter normalen Umständen die drei Deutschen Meisterschaften für Schüler, Jugend und Erwachsene über die Bühne gegangen – ein weiterer Höhepunkt für die Athleten, welches nun entfällt.

Daher taucht das Wort „deprimierend“ in der Stimmungsumfrage gleich mehrmals auf. Einziger Lichtblick in dieser angespannten Lage: Nach der geltenden Corona-Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz dürfen Mannschaften der 1. und 2. Bundesligen aller Sportarten weitertrainieren – sofern die jeweilige Kommune die Nutzung von öffentlichen Sportanlagen erlaubt. „Wir sind froh, dass die Stadt Grünstadt unser Hygienekonzept akzeptiert und der Fortsetzung des Trainingsbetriebes zugestimmt hat“, sagt John Attilo als verantwortlicher KSV-Coach.

Pausen machen Fortschritte zunichte

Allerdings darf diese Sondererlaubnis nur von einer begrenzten Anzahl der Athleten in Anspruch genommen werden – nämlich jenen, die aufgrund ihres Leistungsvermögens dem Zweitliga-Kader angehören. Wie wichtig die regelmäßige Vorbereitung gerade für Gewichtheber ist, bringt Joshua Attilo auf den Punkt: „Sie wird akribisch geplant und die wöchentlichen Einheiten bauen aufeinander auf. Einen Monat zu pausieren, würde alle Fortschritte aus den vorherigen Wochen wieder zunichtemachen.“ Der 24-Jährige muss derzeit längere Anfahrtswege in Kauf nehmen, weil sich an seinem Mannheimer Wohnort keine Trainingsmöglichkeit mehr bietet.

Dies gilt auch für seine Schwester Sophia, die 60 Kilometer von Grünstadt entfernt lebt. Sie bedauert die allgemeine Schließung der Sportstätten. „Viele Vereine und Fitnessstudios haben nach dem ersten Lockdown einiges investiert, damit Hygienebestimmungen umgesetzt und Abstände eingehalten werden können. „Home-Gym“ in der Garage war zwar im Frühjahr eine Option – jetzt ist es dafür aber fast schon zu kalt.“

Wie stark leidet die Motivation unter den gegebenen Verhältnissen? „Gerade die Kinder und Jugendlichen sind mitunter sehr frustriert“, bestätigt John Attilo. „Manche verlieren inzwischen aufgrund der andauernden Ziellosigkeit die Lust. Es bleibt eine große Herausforderung, die Sportler jedes Mal aufs Neue zu motivieren. Ich bin grundsätzlich ein Optimist, vermute jedoch, dass dies nicht bei allen gelingen wird.“

Jugendsprecherin Pia Kessler (16) bestätigt: „Teilweise fehlt der Anreiz, auf etwas Ungewisses hinzutrainieren. Vieles machen wir aber für uns selbst und das hat im Moment Priorität.“ Zuversichtlich blickt auch Simge Tas (16) in die Zukunft, obwohl sie zu denjenigen KSV’lern gehört, die im Training erneut eine Zwangspause einlegen müssen.

„Die Stimmung ist immer noch positiv. Wir werden trotzdem wieder richtig Gas geben.“ Früher oder später – wenn Corona endlich mal die Handbremse löst.

x