Leiningerland / Eisenberg
Briefwahlergebnis weicht deutlich vom Urnenwahlergebnis ab
In einem Facebook-Video der AfD heißt es: „Stimmzettel gehören in die Wahlurne, nicht den Briefkasten.“ Dahinter steckt offenbar eine Angst vor einer angeblichen Wahlfälschung, die in der rechten Szene weit verbreitet ist. Auch bei den Trump-Anhängern in den USA ist dieses Phänomen zu beobachten. Noch heute behauptet der ehemalige US-Präsident, er habe aufgrund von gefälschten Wahlbriefen die Präsidentschaftswahl verloren. Bereits vor der Wahl hatte der Bundeswahlleiter deshalb extra eine Webseite eingerichtet, auf der falsche Behauptungen über die Bundestagswahl berichtigt werden. Bundeswahlleiter Georg Thiel sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Die Briefwahl gibt es seit 1957, und wir haben bis heute keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten in einem Ausmaß, dass sie das Wahlergebnis beeinflussen könnten.“
Das hinderte viele AfD-Wahlkämpfer nicht daran, trotzdem dazu aufzurufen, auf eine Briefwahl zu verzichten. Auch auf lokaler Ebene kann man bei der Bundestagswahl dieses Phänomen beobachten. In der Stadt Grünstadt erreichte die AfD bei der Urnenwahl 16 Prozent der gültigen Stimmen, bei der Briefwahl kam die Partei nur auf rund sechs Prozent. In der Verbandsgemeinde Leiningerland sieht es ähnlich aus: 15 Prozent erreichte die AfD hier an den Urnen, acht Prozent bei der Briefwahl. In der Verbandsgemeinde Eisenberg kommen die Rechtspopulisten auf 17 Prozent an der Urne, aber erreichen bei der Briefwahl nur rund acht Prozent.
SPD und CDU werden eher daheim gewählt
Bei anderen Parteien ist das Verhältnis umgekehrt: SPD und CDU werden eher daheim per Brief gewählt. So bekommt etwa die CDU in Grünstadt 20 Prozent an der Urne, aber 26 Prozent bei den Briefwählern, die SPD im Leiningerland beispielsweise wurde von 28 Prozent der Urnenwähler gewählt und von 31 Prozent der Briefwähler.
Etwas anders sieht es in der Verbandsgemeinde Eisenberg aus. Hier ist bei der CDU kein deutlicher Unterschied zwischen Urnen- und Briefwählern zu erkennen. Bei beiden Gruppen erreichten die Christdemokraten rund 19 Prozent. Bei den Anhängern der Eisenberger SPD ist die Präferenz Briefwahl sehr deutlich zu erkennen: 41 Prozent der Briefwähler wählten SPD, aber nur 31 Prozent der Urnenwähler. Woher dieser große Anteil kommt, kann sich auch SPD-Landtagsabgeordnete Jaqueline Rauschkolb nicht erklären. Beim Haustürwahlkampf ist ihr jedoch bereits vor Wochen aufgefallen, dass viele Menschen bereits per Brief gewählt haben, sagte sie. „Möglicherweise lag es am Infostand, den wir schon viel früher als andere Parteien in Eisenberg aufgestellt hatten“, fügte sie augenzwinkernd hinzu.
Der Anteil der Briefwähler insgesamt ist im Gebiet der Unterhaardter Rundschau im bundesweiten Vergleich besonders hoch. In Deutschland geht der Bundeswahlleiter von etwa 40 Prozent Briefwählern aus. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es noch 28 Prozent. In Grünstadt und der VG Leiningerland liegt der Anteil der Briefwähler 2021 jeweils bei 63 Prozent, in der VG Eisenberg sogar bei 65 Prozent.