Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Breitbandausbau im Landkreis: Es gibt ein Nord-Süd-Gefälle

Bis Ende 2023 soll in der Verbandsgemeinde Leiningerland noch gebaut werden.
Bis Ende 2023 soll in der Verbandsgemeinde Leiningerland noch gebaut werden.

In einem Jahr soll der geförderte Breitbandausbau im Landkreis Bad Dürkheim endlich beendet sein. Nach einem neuen Bauzeitenplan von Inexio gibt es in vielen Gemeinden abermals große Verzögerungen. Bewohner von vier Orten im Leiningerland müssen mit bis zu zehn Monaten mehr Wartezeit rechnen.

Bürger und Politiker im Leiningerland sind Kummer ja mittlerweile gewohnt: Seit dem Beginn des Breitbandausbaus durch die Firmen Deutsche Glasfaser und Inexio im Sommer 2020 ist es in der Verbandsgemeinde immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Teils, weil es mit Bauarbeiten gar nicht erst losging. Teils weil bereits geleistete Arbeiten so schlampig waren, dass nachgebessert oder noch mal von vorn angefangen werden musste. Teils aber auch, weil es Ärger zwischen Deutscher Glasfaser und Inexio sowie den von ihnen beauftragten Bauunternehmen gab.

Im Sommer dieses Jahres hat Inexio – die Firma, die für den geförderten Ausbau bislang unterversorgter Adressen im Landkreis verantwortlich zeichnet – einen neuen Bauzeitenplan vorgelegt, weil der alte nicht eingehalten werden konnte. Dieses Spielchen wiederholt sich nun, was in der Verwaltung – und auch bei den Bürgern zu Hause – kaum noch jemanden ernsthaft verwundern dürfte. Es liegt eine überarbeitete Planung vor, die erkennen lässt: Manche Kommunen müssen 30 bis 40 Wochen länger als zuletzt geplant auf die Fertigstellung des Ausbaus warten.

Nachbesserungen haben für Aufschübe gesorgt

Letzteres gilt für das Schwergewicht Bad Dürkheim, aber auch für kleinere Gemeinden und Ortsteile wie Bockenheim, Boßweiler, Colgenstein und Wattenheim. Vor allem im Norden des Landkreises kommt der Breitbandausbau nicht voran. Dort dürfte die mangelhafte Bauausführung des ehemals von der Inexio beauftragten Generalunternehmers Deutsche Netz und damit die Vielzahl an Nachbesserungsarbeiten ein wesentlicher Grund sein, so die Einschätzung der Kreisverwaltung.

Diese Einschätzung teilt der Norden des Landkreises und hat auch eine klare Meinung zu dem Bauzeitenplan, der vergangene Woche kassiert wurde. Der wäre „aus unserer Sicht lediglich für den reinen Ausbau realistisch umsetzbar gewesen“, teilt Dennis Zimmermann, Leiter des Bauamts der Verbandsgemeinde Leiningerland, mit. „Es gab und gibt aber in vielen Gemeinden erhebliche bauliche Mängel, die beseitigt werden müssen, bevor weiter gebaut werden kann.“

Der Plan aus dem Sommer war unrealistisch

Vor dem Hintergrund sei der Plan aus dem Sommer unrealistisch gewesen, während der neue durchaus realistisch sei, da er die Mängelbeseitigung berücksichtige. Nach wie vor gebe es aber Fallstricke, die den Zeitplan nochmals durcheinander bringen könnten. So bezögen sich die Mängellisten nur auf Probleme an der Oberfläche. „Falls bautechnische Mängel in der bereits verlegten Infrastruktur auftreten, werden die erst bei dem ,Einblasen‘ der Glasfaser sichtbar“, erklärt Zimmermann. Das würde dann wieder zu Verzögerungen führen.

Davon gab es bislang schon reichlich: Bedenkt man, dass Inexio ursprünglich Ende 2020 mit dem Ausbau in allen Gemeinden des Leiningerlands fertig sein wollte, erscheinen die bis zu zehn Monate, die nun noch einmal draufgeschlagen werden, auch in einem anderen Licht. Besonders hart hat es Bockenheim getroffen, wo die vom ersten Generalunternehmer Deutsche Netz verlegten Leitungen laut Zimmermann technisch ungenügend waren und nun in weiten Teilen eine komplett neue Verlegung ansteht.

Firmenwechsel in Bockenheim

Mit Blick auf das ausführende Unternehmen, das nicht nur in Bockenheim, sondern auch in Carlsberg tätig gewesen ist, meint der Bauamtsleiter: „Es war offensichtlich nicht imstande, die Arbeiten sowohl von der tiefbautechnischen als auch von der zeitlichen Komponente korrekt auszuführen.“ Die gute Nachricht: In beiden Gemeinden hat es einen Firmenwechsel gegeben. Statt Deutsche Netz kümmern sich die Firmen Mawa und Demi Bau um die Reparaturen. Beide bezeichnet Zimmermann als „kompetent“ und ist zuversichtlich, dass es nach den bisherigen Verzögerungen dort jetzt ordnungsgemäß weitergeht.

Auch bei den anderen besonders betroffenen Orten – sprich: Boßweiler, Colgenstein und Wattenheim mit je 30 bis 40 Wochen Verzögerung sowie Kleinkarlbach, Hettenleidelheim, Quirnheim und Neuleiningen mit 20 bis 29 Wochen – ist der Bauamtschef optimistisch. Dort hätten in der Vergangenheit diverse Wechsel der Bauleitung zu „Verzögerungen im Ausbau und Problemen bei der Kommunikation mit Behörden“ geführt. Die neue Leitung scheine die „etwas chaotische Lage“ aber in den Griff bekommen zu haben, sodass die Zusammenarbeit „in Ordnung“ sei und zuletzt „tiefbautechnisch zufriedenstellende Ergebnisse“ erzielt wurden.

Wenn in der VG fortan alles so läuft, wie es der aktuelle Bauzeitenplan vorsieht, werden die Arbeiten von Inexio in den „roten“ Orten wie folgt fertiggestellt: in Bockenheim Ende November statt Ende März 2023, in Boßweiler Ende Oktober statt Ende Januar, in Colgenstein Ende Oktober statt Mitte Februar, in Quirnheim Ende Oktober statt Ende Mai, in Wattenheim Ende November statt Ende Februar, in Kleinkarlbach Ende Juni 2023 statt Ende Dezember 2022, in Hettenleidelheim Ende November statt Ende Mai und in Neuleiningen Ende April 2023 statt Ende September 2022. Und so ist es für die östlich gelegenen Dörfern geplant: In Dirmstein ist Bauende nicht im Januar, sondern erst im Juni, in Gerolsheim im Juli statt im Januar und in Großkarlbach im Juni statt im Februar. In Laumersheim, wo alles Ende dieses Dezembers hätte beendet werden sollen, wurde die Fertigstellung auf die letzte Märzwoche verschoben.

In Grünstadt geht es im Januar erst los

In Grünstadt stellt sich die Situation anders dar: Dort ist mit den Bauarbeiten noch gar nicht begonnen worden – was aber erst mal nicht an Verzögerungen liegt, sondern daran, dass der Startschuss hier ohnehin später fallen sollte als in der VG. Allerdings teilt auch die Stadtverwaltung mit: „Die im Sommer 2022 von Inexio vorgelegte Überarbeitung des Bauzeitenplans war damals bereits für unsere Gemarkungen überholt.“ Es hätten für Grünstadt noch keine kompletten und prüffähigen Planungen vorgelegen, trotzdem sei im Bauzeitenplan bereits der Baubeginn angegeben gewesen. Schon zuvor, aber auch seither gebe es zähe Abstimmungsgespräche und es hätten Ortstermine mit wiederholt wechselnden Ansprechpartnern stattgefunden.

Aufgrund negativer Erfahrungen der übrigen Kommunen im Landkreis sei verstärkt auf die Sicherheit der Bestandsleitungen – insbesondere Gas, Strom und Wasser – geachtet worden, teilt die Verwaltung mit. Offenbar gab es ein zähes Ringen, bis Inexio und das ausführende Unternehmen Con-E die Bedingungen akzeptierten, die Stadtverwaltung, Stadtwerke und Entsorgungs- und Servicebetrieb Grünstadt stellten. Dabei ging es unter anderem darum, in welcher Tiefe die Leerrohre verlegt werden.

350 Adressen müssen angeschlossen werden

„Der laut aktuellster Fassung des Bauzeitenplans für Dezember genannte Baubeginn ist mittlerweile ebenfalls überholt“, heißt es aus dem Grünstadter Rathaus. Statt im Dezember soll es Mitte Januar 2023 losgehen, und zwar zunächst mit zwei Trupps in der Carl-Zeiss-Straße und In der Haarschnur. Je nach Ablauf und Qualität der Arbeiten könnten auch weitere Kolonnen parallel zum Einsatz kommen. Das will die Verwaltung aber erst einmal abwarten. Deshalb stehen Reihenfolge und Zeitenplanung für die übrigen Bereiche, zu denen auch Asselheim und Sausenheim gehören, bislang noch nicht fest.

Im Stadtgebiet sollen gemäß der sogenannten Next-Generation-Access-Richtlinie rund 350 Adressen angeschlossen werden, die bisher mit weniger als 50 Megabit pro Sekunde versorgt sind. Die Fertigstellung der Bauarbeiten in Grünstadt sei der Verwaltung kürzlich erst wieder bis spätestens Ende 2023 zugesagt worden.

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