Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Brauhaus: Was die neuen Pächter vorhaben

Das Brauhaus Grünstadt wird nach viereinhalb Jahren endlich wieder öffnen.
Das Brauhaus Grünstadt wird nach viereinhalb Jahren endlich wieder öffnen.

Viereinhalb Jahre war es verwaist – das ehemalige Brauhaus Grünstadt. Jetzt soll in das Lokal wieder Leben einziehen. Irakischstämmige Eheleute haben die Räume an dem markanten Standort, Ecke Östlicher Graben / Turnstraße, gepachtet. Seit Wochen sind sie dabei, zu renovieren und Großputz zu machen. Was die beiden vorhaben.

Mohammad Ismail und seine Ehefrau Chanar Watman-Ismail wollen sich im ehemaligen Brauhaus Grünstadt ihren Traum von einer eigenen Gastronomie erfüllen. Sie haben ein Dreivierteljahr nach ihrer Bewerbung im September 2023 den Zuschlag als Pächter erhalten, konnten sich gegen die anderen Interessenten aus China, Pakistan und der Türkei durchsetzen, wie sie erzählen.

Dass sie in Grünstadt gelandet sind, war Zufall. „Wir hatten zunächst in Mannheim nach geeigneten Locations gesucht“, erzählt die 31-jährige Pharmazeutisch-Technische Assistentin, die mit ihrem Mann in Ludwigshafen wohnt. Irgendwann seien sie auf den Leerstand am Grünstadter Luitpoldplatz aufmerksam geworden. Die Kleinstadt sei ihnen bis dahin unbekannt gewesen, auch mit dem Leiningerland hatten die beiden gebürtigen Deutschen mit irakischen Wurzeln keine Berührungspunkte.

Bis zur Eröffnung rund 40.000 Euro investiert

Für das Wiederbeleben des Brauhauses hätten Stadt und Wirtschaftsforum ihre Unterstützung zugesichert. Gleich bei der Gewerbeanmeldung traten die Junggastronomen der Werbegemeinschaft bei. Nun sind sie seit zwei Monaten dabei, das Lokal wieder betriebsbereit zu machen.

Nach dem ersten Corona-Shutdown hatte die letzte Pächterin Heidi Altmann im Mai 2020 aufgegeben. Wegen abgesagter Events im Veranstaltungsbereich des Weinstraßencenters (WSC), für die das Brauhaus das Catering übernommen hatte, war sie auf viel verderblicher Ware sitzengeblieben. Zwischenzeitlich war auch die Stadtbücherei in die Räume eingezogen, weil ihr Domizil im Leininger Oberhof saniert wurde.

„Das war hier ganz schön heruntergekommen“, sagt Watman-Ismail. In der Küche hätten viele Geräte nicht funktioniert oder schlicht gefehlt, die Schankanlage sei unvollständig und müsse nun durch einen Techniker wieder gangbar gemacht werden. „Es war schwierig, einen Fachmann dafür zu finden“, ergänzt ihr Gatte. Alles habe äußerst intensiv gereinigt werden müssen. Er stöhnt: „Allein für die Lüftungsanlage habe ich zehn Flaschen Fettlöser verbraucht.“ Bis zur Eröffnung am 1. September werden sie circa 40.000 Euro investiert haben, schätzen die zwei.

Angebot richtet sich auch an Familien

Die in dunklem Holz gehaltenen Gasträume mit rund 170 Sitzplätzen – im Außenbereich stehen weitere 30 bis 40 Stühle – bleiben weitgehend, wie sie sind. Der Vermieter dulde keine großen Umgestaltungen, heißt es. Die roten Vorhänge allerdings möchte Watman-Ismail gegen hellere austauschen. Zudem soll eine Spielecke für Kinder eingerichtet werden und es wurden etwa 600 Bücher gekauft. „Wir wollen vor allem Familien ansprechen“, sagt Ismail.

An dieser Klientel orientiere sich auch die Speisekarte – von Burger über Flammkuchen und Pizza bis hin zu Schnitzel und Vegetarischem. Seine Eltern stünden mit seiner Frau und einem Aushilfskoch in der Küche, erzählt der Bürokaufmann, der neun Jahre lang im Service einer Gastronomie in Ludwigshafen arbeitete und nach eigener Aussage Gefallen daran gefunden hat. Im Brauhaus wird er sich beim Kellnern von drei Angestellten unterstützen lassen.

Die Brauanlage bleibt im Dornröschenschlaf

Die neuen Pächter stehen bei Paulaner unter Vertrag. Eigenes Bier werden sie in der Ende der 90er Jahre in Betrieb genommenen und mittlerweile seit langem stillgelegten Brauanlage nicht machen. „Wir wissen nicht, ob die Vorrichtung noch in Ordnung ist. Außerdem gibt es da wieder andere Bestimmungen, weil es um die Herstellung von Lebensmitteln geht, und wir bräuchten einen Braumeister“, erklärt Ismail.

Für den Bezug von Weinen habe er sich beraten lassen, sagt der 30-Jährige. Daraus habe sich ein buntes Angebot von verschiedenen Winzern ergeben, unter anderem aus Burrweiler, Deidesheim, Walsheim und Zellertal-Niefernheim. Aus der Region sei bislang keiner dabei.

Küche liegt im Obergeschoss

Er und seine Frau hoffen darauf, auch die Verpflegung von vielen Veranstaltungen übernehmen zu können, die im WSC übers Jahr hinweg stattfinden. Der dafür vorgesehene Bereich im vor rund 25 Jahren errichteten Gebäude umfasst einschließlich Foyer circa 875 Quadratmeter. Dazu kommen noch kleinere Räume mit zusammen 220 Quadratmetern.

Die Küche des Brauhauses liegt praktischerweise im Obergeschoss und hat eine direkte Verbindung zu den Sälen, die zu etlichen Anlässe genutzt werden. Allein die Stadt mietet sich laut Karin Beck, die für die Liegenschaften zuständig ist, immer wieder ein: etwa für Sitzungen des Stadtrats und der Ausschüsse, für Meetings in Sachen Wirtschaftsförderung, für Ehrungsabende und für den Neujahrsempfang. Darüber hinaus mieten Parteien und Wählergruppen die Räume für Zusammenkünfte, Firmen für Tagungen und Schulungen sowie Vereine für Generalversammlungen oder auch Prunksitzungen, wie es traditionell die Siedlergemeinschaft tut.

Erster Catering-Auftrag Anfang September

„Unser erster Auftrag in dieser Richtung ist am 8. September. Da hat ein Grünstadter Unternehmen ein Seminar mit rund 150 Teilnehmern im Weinstraßencenter geplant“, berichtet Ismail. Wie Beck erklärt, sind die Organisatoren von Events im WSC allerdings nicht mehr dazu verpflichtet, Speisen und Getränke vom Brauhaus zu beziehen. „Im Gegensatz zu früher ist man frei in der Wahl des Caterers“, sagt sie.

Ändert sich mit den neuen Pächtern denn der Name „Brauhaus in Grünstadt“, der über der Eingangstür steht? Chanar Watman-Ismail schüttelt den Kopf. Die Bezeichnung bleibe erhalten, obwohl sie quasi keine Bedeutung mehr hat. Am Eröffnungstag, dem 1. September parallel zum Deutsch-Französischen Bauernmarkt, wird Bier aus einem Fass ausgeschenkt, das der Bürgermeister ansticht. Dazu soll ein Buffet einen Überblick über das Angebot geben.

Öffnungszeiten

Montag und Mittwoch bis Freitag, ab 17 Uhr geöffnet, an den Wochenenden bereits ab vormittags. Die warme Küche schließt um 22 Uhr. Dienstags Ruhetag.

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