Grünstadt Brauchtumspflege als besonderer Hingucker

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„Is der schää gemacht“, gab es nicht wenige bewundernde Äußerungen von Zuschauern beim Winzerfestumzug am Sonntag im bestens besuchten nördlichsten Weinstraßendorf. Gemeint waren originelle und teils in liebevoller Kleinarbeit gestaltete Motivwagen, die der goldigen Pfalz huldigten.

Nicht minder erfreuten Fußgruppen, fünf Musikzüge, etwa dreimal so viele Abordnungen von Vereinen und über ein Dutzend Wein- und Traubensaftmajestäten, die aus Cabrios oder Kutschen grüßten. Bereits zum 31. Mal in Bockenheim dabei war der 73-jährige Europa-Friedensradler Hans Herbrand mit seinem mit Fähnchen und Kunstblumen geschmückten Fahrrad. Wohl der Höhepunkt des Umzugs: der Wagen des Hambacher Pfälzerwald-Vereins mit dem Hambacher Schloss und der Burg Spangenberg, der auch den ersten Preis gewann. „Wer die Vergangenheit versteht, wird die Zukunft meistern“, führte die Historische Landtechnik Rheinhessen eindrucksvoll anhand von teils museumsreifen Gerätschaften von anno dazumal vor. Strohhäcksler, Stäubegerät, Kartoffelroder und Getreideputzmaschine waren einige der Vorläufer heutiger Technik. An den Baumstammtransport aus dem Wald erinnerten mit Kutscher-Gespann, vier Süddeutschen Kaltblütern und Langholzwagen die Fuhr- und Holzknechte aus dem Nordpfälzer Bergland. Dass einst die Skier aus Holz waren, zeigte der SSC Trappenberg (Worms-Leiselheim) vor einem weißen Bergmassiv mit Gipfelkreuz. Knatternde Oldtimer-Raritäten auf vier und zwei Rädern, darunter ein gelbes Post-Moped mit gelbem Klein-Anhänger, schickte das Motorrad- und Technikmuseum Quirnheim auf Tour. „Wenn ich groß bin, fahr ich auch Rad“, ließ ein im kleinen Bollerwagen gezogener Nachwuchsspross des mit starker Truppe vertretenen Radfahrervereins Einigkeit Rodenbach wissen. Auch weitere Sportvereine aus Bockenheim und der nahen Umgebung präsentierten ihre vielfältigen Abteilungen. Brauchtumspflege ist stets ein besonderer Hingucker, wie die Altriper Trachtengruppe mit Fischerkönigin, die Bergsträßer in Sonntagskluft der Trachten- und Volkstanzgruppe Starkenburg oder die Burschenschaft 1813 Bockenheim mit dem an der Kerwe im August auserwählten Bezirksbrautpaar Joachim Neumann und Nathalie Schäfer. Hexenblut kredenzten die Bockrumer Wingertshexe, die örtlichen Landfrauen verteilten Häppchen. Der überdimensionale Saumagen, der die Länge des Schleppers einnimmt, konnte nur aus Kallstadt stammen. Rührig in Bezug auf touristische Magneten zeigte sich die Stadt Freinsheim mit einem bereits von der Kreisverwaltung beim Winzerfestumzug in Neustadt ausgezeichneten Motivwagen unter dem Motto „Freinsheim, zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis“. Die „Hepprumer Wissegockel“ (Heppenheim an der Wies) kündigten mit einer Federvieh-Nachbildung ihre 1250-Jahr-Feier im „negschde Johr“ an. Mit von der Partie waren auch Isetta-Stammtisch, Kerwekomitees und einige Geschäftsbetriebe. (gsp)

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