Carlsberg / Altleiningen RHEINPFALZ Plus Artikel Biohof mit behinderten Beschäftigten: Liebe am besonderen Arbeitsplatz

„Es macht mir mehr Spaß, im Laden zu schaffen“: Anja Wroblewski arbeitet auf dem Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe, verkauft wer
»Es macht mir mehr Spaß, im Laden zu schaffen«: Anja Wroblewski arbeitet auf dem Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe, verkauft werden dort Kartoffeln, Fleisch, Nudeln, Brot, Eier und Milchprodukte,

Anja Wroblewski arbeitet seit mehr als zwölf Jahren auf dem Kleinsägmühlerhof. Die Carlsbergerin mit Down-Syndrom ist eine von 37 Beschäftigten mit Behinderung. In den Bio-Betrieb geht sie gerne – weil sie ihre Aufgaben dort mag. Und weil sie jeden Tag „Schmetterlinge im Bauch“ hat.

Von Simone Daiker

Morgens um 8.30 Uhr geht es für Anja los. Meistens mache sie die Bäckerei sauber, nachdem dort die ganze Nacht über gebacken wurde, erklärt sie. Ihre Handgriffe sind geübt. Alles hat ein System. Die Carlsbergerin mit Down-Syndrom erklärt, dass die Geschirrspülmaschine etwas Zeit brauche, bis sie bereit sei. Und einstweilen befreit sie den Boden von Dreck. Gegen Ende kommt eine Freundin dazu und hilft ihr beim Bodenwischen. Lachend stehen sie gemeinsam am Spülbecken: „Wir ärgern uns auch mal gegenseitig“, sagt Anja. Manchmal verstecke Anja beispielsweise die Mütze ihrer Freundin.

Seit 1985 gibt es den Lebenshilfe-Biohof mit etwa 115 Hektar Nutzfläche zwischen Altleiningen und Höningen. An der Weihnachtsfeier seien sie mehr als 60 Menschen, erzählt Susanne Neziri, Hauswirtschaftskraft. Die Grünstadterin ist schon seit 1996 dabei und kennt Anja von Anfang an. Anja habe nach den Schulpraktika beschlossen, sie wolle nicht mehr zur Schule gehen, sondern auf dem Bauernhof arbeiten, sagt Neziri.

Anja fühlt sich bei der Arbeit wohl

Anjas Mutter Elke Wroblewski berichtet: Ihre Tochter ging in die Hans-Zulliger-Schule in Grünstadt, bis sie 20 Jahre alt war. Während ihrer Schulzeit absolvierte sie dann mehrere Praktika in Altleiningen. „Sie war sofort davon überzeugt, dass sie dort arbeiten will.“ Im Gespräch war auch die Lebenshilfe in Bad Dürkheim, doch das wollte Anja nicht. „Es ist mir wichtig, weil sie dadurch ein Stückchen Normalität hat“, sagt Wroblewski zu der Arbeit ihrer Tochter. Die Arbeit auf dem Kleinsägmühlerhof sei abwechslungsreich und habe Sinn, findet die 65-Jährige. Außerdem fühle Anja sich dort wohl.

Laut der Werkstättenverordnung muss der Lohn der Angestellten mit Behinderung im Umfang von mindestens 70 Prozent des gesamten Arbeitsergebnisses aus dem vergangenen Jahr sein. Die restlichen 30 Prozent werden für Renovierungsarbeiten oder Neuanschaffungen zurückgelegt. Hauswirtschaftskraft Neziri erklärt, dass nicht jeder den gleichen Lohn erhält. Man müsse schon unterscheiden. Sonst wäre es unfair, wenn einer mehr als ein anderer in der gleichen Zeit macht und beide gleich entlohnt werden, sagt die 53-Jährige. Es gebe verschiedene Kriterien, anhand derer man unterscheidet, wer viel bekommt, erläutert sie.

In den vergangenen zwölf Jahren hat Anja schon viele verschiedene Tätigkeiten auf dem Bauernhof übernommen, wie Etiketten oder Deckel in der Glaserei anzubringen und in der Küche oder im Hofladen auszuhelfen. „Es macht mir mehr Spaß, im Laden zu schaffen“, berichtet sie. Früher habe sie auch bei den Tieren geholfen. Die 32-Jährige erzählt auch von ihren Kollegen, mit wem sie sich mehr oder weniger versteht.

Um zwölf Uhr ist Mittagspause, dann essen alle zusammen im Speisesaal, wie eine große Familie. Danach sitzt Anja draußen zusammen mit ihren Freunden und genießt ihre Pause. Nach der Pause räumt sie die Regale im Hofladen ein und erklärt, wo alles hingehört. Im Hofladen gibt es Kartoffeln, Fleisch, Nudeln, Brot, Eier und Milchprodukte vom Hof. Der Rest wird zugeliefert. Auch Limonade, Süßigkeiten und Konserven findet man dort.

Auch der Freund arbeitet auf dem Kleinsägmühlerhof

Nach dem Regaleinräumen ist Anja mit ihren Aufgaben schon fertig und hilft ihren Freunden. Um 15.45 Uhr hat sie Feierabend und fährt mit dem Bus nach Hause. Dort malt sie gerne mit Finelinern: „Beim Malen komme ich runter.“ In ihrer Freizeit fährt sie auch Fahrrad und ist bei den „Royal Rangern“, einer Pfadfindergruppe in Hertlingshausen. „Ich gehe manchmal auch schwimmen in Bad Dürkheim“, sagt sie.

Mit ihrem Beruf ist sie glücklich, sie sagt: „Ich will hier bleiben, hier habe ich meine Freunde und meinen Freund.“ Denn er arbeitet ebenfalls im Kleinsägmühlerhof. „Wir lieben uns einfach, jeden Tag habe ich Schmetterlinge im Bauch, wenn ich ihn sehe“, erzählt Anja. Die beiden sind sogar schon verlobt. Irgendwann wollen sie auch heiraten: „Wir lassen uns Zeit.“

Ihr Wunsch ist es, später einmal mit ihrem Freund zusammenzuziehen. Nur ihre Mutter ist, was das betrifft, noch nicht ganz so weit. „Da glucke ich noch zu sehr“, sagt sie lachend.

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