Grünstadt Besucher genießen Heimatgefühle
GRÜNSTADT. Eine Schlange von Wartenden stand noch kurz vor Beginn des Konzertes von Adjiri Odametey am Freitagabend vor dem Portal der Friedenskirche. Auch viele Asylbewerber waren dem Angebot des Eisenberger Kleinkunstvereins neuer landweg gefolgt. Flüchtlingen hatte er freien Eintritt zu diesem Musik-Event gewährt, bei dem afrikanische Weltmusik zu Gehör gebracht werden sollte.
Ungewohnt war außerdem das gemischte Alter im Publikum. Kinder belebten die Kirche mit fröhlichem Geplapper, die Augen erwartungsvoll auf den zur Bühne ausgeleuchteten Altarraum mit Mikrofontechnik und Perkussionsinstrumenten gerichtet. Große Begeisterung schlug dem afrikanischen Musiker-Trio gleich zu Beginn vom Publikum entgegen, als es die Treppe von der Empore herunterkam und seine Plätze einnahm. Denn der Auftritt der Männer in folkloristischen Hemden und mit fremdländischen Instrumenten in den Händen versprach eine besondere Darbietung zu werden. Die kurze Anmoderation durch Michael Werner-Scheid von der ehrenamtlich arbeitenden Kulturinitiative neuer landweg und dem protestantischen Pfarrer Andreas Funke war für das internationale Publikum teilweise auf Englisch übersetzt. „Musik kann aufputschen, aufhetzen oder den Frieden fördern“, erinnerte Funke daran, dass Musik nicht immer nur der Unterhaltung dient. Die Botschaft, die der ghanaische Sänger, Songwriter und Multi-Instrumentalist Adjiri Odametey mit seiner Musik transportiert, ist die Menschen in seinen Konzerten zu einen und zusammenzuführen. Seine Zugabe am Ende des Konzerts hatte den Titel „Religion“ und er betonte in der Ansage seines Songs: „Gott ist einer und der ist für uns alle.“ Odametey machte dann auch mal spontan die Zuhörerschaft zu seinem Chor, indem er zweistimmiges Summen anregte, zu dem er die Melodie in afrikanischer Sprache sang. Nach sanften Gesängen zu Beginn, die zum Träumen anregten, lullte er die im Halbdunkel sitzenden Zuhörer mit seiner warmen, erdigen Stimme und seiner Gitarre ein. Durch schnelle afrikanische Trommel-Rhythmen „belebten“ er und seine beiden Mitspieler das Publikum später wieder. „Ebo!“, war eines der Worte, welches die Zuschauer rufen sollten, wozu er augenzwinkernd meinte: „Wenn Sie wüssten, was Sie da singen…“ Dass es „Power“ bedeutet und zum Anfeuern der Musiker dient, erwähnte Odametey schließlich doch noch. Die Rhythmen, die die Konzertbesucher klatschen sollten, gerieten anfangs noch etwas aus dem Takt. Aber unterstützt von besonders begabten Leuten auf den Stehplätzen in der hinteren Reihe klappte es dann letztendlich doch wunderbar. Faszinierend war das Spiel Adjiri Odameteys auf einem Daumenklavier und einer Kora, der afrikanischen Harfe. In seiner Form ähnelt das Instrument, gebaut aus einem mit Kuhleder bezogenen Kürbis und einem langen, hölzernen Hals, über den 21 Saiten aus Angelschnüren gespannt sind, eher einer arabischen Oud. Dennoch steht die Kora dem Klang einer Harfe in nichts nach. Zum Spielen benutzt der Musiker nur die Daumen und Zeigefinger beider Hände. „Wenn es mir langweilig wird, schneide ich einfach eine Saite ab und gehe zum Fischen“, witzelte Odametey auf Englisch und brachte das Publikum in der Friedenskirche wieder einmal zum Lachen. Neben deutschen Musikfreunden genossen auch einige Syrer das Programm. Ein Flüchtlingspaar aus Somalia hat am Ende sein im Tragekorb schlafendes Töchterchen, das im letzten Oktober in Grünstadt geboren wurde, aus der Kirche getragen. „Es war ein bisschen wie Zuhause“, sagte der junge Vater glücklich. INFO Die CD mit der Musik des Abends ist unter dem Titel „Dzen, Adjiri Odametey“, im Handel und im Internet unter www.adjiri.de für 17 Euro erhältlich. Das nächste Konzert Adjiris in der Region findet am 3. Juni im Wespennest in Neustadt statt.