Grünstadt und Leiningerland
Bei „Pop macht Schule“ in Grünstadt haben Zehntklässler erstmals ein Oud in der Hand
Gitarrenklänge, Schlagzeug-Rhythmen und Gesang sind schon vor den Türen des Eingangs der Schule zu hören. In der Aula wird bereits fleißig geprobt. Hier haben sich die Schüler, die sich für den Workshop „Band“ entschieden haben, versammelt. In Kleingruppen sitzen sie zusammen und lauschen gespannt den Ausführungen ihrer Coachs.
Student Tim Buskies betreut die Gruppe, die sich für Gitarre entschieden hat. Bevor die Schüler selbst einmal Töne auf diesem Instrument erzeugen dürfen, startet Buskies mit Theoriewissen. Fragen wie „Wann beginnt der Refrain?“, „Wo geht es in die Strophen über?“ oder „Wie spiele ich Akkorde?“ werden dabei beantwortet. Danach wird im Takt geklatscht, während andere Schüler sich an der Gitarre probieren. „Ja, genau so. Das macht ihr gut“, lobt Buskies seine Schützlinge.
Vorkenntnisse sind nicht notwendig
Vorkenntnisse haben die wenigsten Schüler. Das sei auch gar nicht schlimm, sagt Musiklehrer Matthias Sommer, der stolz darauf ist, dass erstmals Studenten der Popakademie zu Gast an der IGS sind. Jährlich besuchen Studenten mit der Fachrichtung Popmusik-Design sechs Schulen und vermitteln ihr Wissen. Bereits seit 15 Jahren gibt es dieses Projekt, das von der BASF gefördert wird. In diesem Jahr sind es rund 25 Studenten, die an zwei Tagen die IGS besuchen.
„Uns geht es darum, dass die Schüler in Kontakt mit Musik und Instrumenten kommen, auch ihre Hemmungen oder Berührungsängste abbauen. Darüber hinaus bietet das Projekt das Erweitern der Sozialkompetenzen wie Team- und Kritikfähigkeit oder auch Durchhaltevermögen“, weiß Sommer. Gerade ein solches Projekt biete die Chance, außerhalb des Musikunterrichtes, der natürlich mit schulischem Leistungsdruck verbunden sei, einen weiteren Zugang zur Musik bekommen. „Hier kann man seinen Gefühlen freien Lauf lassen, den Horizont erweitern. Ich versuche das natürlich auch im Unterricht, aber da bin ich eher gebunden“, so Sommer.
Workshop „Weltmusik“ kommt gut an
Und auch bei der Wahl der Workshops liegt die Entscheidung bei den die Schülern. Angeboten werden „Band“, „Weltmusik“, „Producer“ und „Tonstudio“ sowie „Gesang“ und „Rap“. Großes Interesse besteht am Workshop „Weltmusik“. Sicherlich haben noch nicht viele der Schüler eine Oud, eine arabische Laute, in der Hand gehabt. Damit sie sich mit dem Instrument vertraut machen können, erklärt Studentin Cham Saloum das Instrument und die richtige Haltung. Es werden nun Fingersätze geübt. Begeistert stimmen die Schüler die ersten Töne an. „D, Fis, A“, erklärt die Studentin, die sicherlich noch wesentlich aufgeregt sein dürfte als ihre Schüler. Denn für die Studentin ist es ein wichtiger Tag, sie wird selbst geprüft. Sie muss ihr pädagogisches Wissen, dass sie an der Akademie gelernt hat, sowie die musikalischen Kenntnisse gut einsetzen.
Axel Schwarz, Professor an der Popakademie, der das Projekt „Pop macht Schule“ leitet, erklärt: „Es handelt sich hier um eine Win-Win-Situation.“ Die Studenten könnten ihre Praxis erweitern und geprüft werden, für die Schüler sei es die Gelegenheit, mit Musikern in Kontakt zu treten und viele Fragen zu stellen. Rund 30 Schulen hätten sich dieses Jahr für die Teilnahme an den Workshops beworben. Die Nachfrage sei riesig. „Allerdings können wir nur sechs Einrichtungen nehmen. Wir achten darauf, dass auch Schulen in kleineren Orten drankommen“, so Schwarz. Zudem würden angrenzende Bundesländer miteinbezogen. „Wir sind in Baden- Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen unterwegs“, berichtet Schwarz. Noch den ganzen Vormittag tönt aus vielen Schulräumen Musik. Kurz vor Ende des ersten Tags wollen sich einzelne Gruppen zusammenschließen, um gemeinsam zu musizieren. Unter anderem der Workshop „Band“, dessen Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt sind, um einzelne Musikinstrumente wie Keyboard, Gitarre oder Schlagzeug kennenzulernen. Am heutigen Freitag dürfen dann alle ihr Können nochmals unter Beweis stellen: Das Projekt endet dem einem Abschlusskonzert.