Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Battenbergern wird Seminar „Grundlagen der Ratsarbeit“ angeboten

Ortsgemeinderat Battenberg, von links: Bernhard Lauermann, Beatrice Harten, Ortsbürgermeister Peter Schmidt, Peter Dehio, Julian
Ortsgemeinderat Battenberg, von links: Bernhard Lauermann, Beatrice Harten, Ortsbürgermeister Peter Schmidt, Peter Dehio, Julian Schraut, Dieter Michel, Christian Denig und Beigeordneter Marko Flörchinger. Kym Schober fehlt.

Der neue Beigeordnete der Ortsgemeinde Battenberg heißt Marko Flörchinger. Der bisher gehandelte Kandidat, Ratsneuling Christian Denig, hat letztlich abgelehnt, weil er noch über keinerlei kommunalpolitische Erfahrung verfügt. Der von Beatrice Harten vorgeschlagene Flörchinger, der bereits seit zehn Jahren im Dorfparlament sitzt, wurde am Montagabend bei der konstituierenden Sitzung des Rats mit sieben Ja-Stimmen und einer Enthaltung gewählt.

Er vertritt fortan Bürgermeister Peter Schmidt, der von Noch-Ortschef Wolfgang Pahlke ins Amt eingeführt wurde. Nachdem der bisherige Bürgermeister aus beruflichen und privaten Gründen nicht für eine weitere Legislaturperiode angetreten war, bewarb sich die bisherige Beigeordnete Kym Schober bei der Kommunalwahl um seine Nachfolge. Schmidt trat als Gegenkandidat an und gewann. Der 72-Jährige hatte die Geschicke des Burgdorfs ab 2014 schon einmal geleitet, warf aber wegen permanenter Differenzen mit einigen Mitgliedern des Gremiums nach etwas mehr als einem Jahr das Handtuch.

„Zusammen mit dem Rat möchte ich gute Arbeit leisten zum Wohl der Gemeinde“, erklärte Schmidt nach seiner Vereidigung am Montag. Er bedankte sich – ebenso wie Bernd Findt (FWG), Beigeordneter der Verbandsgemeinde Leiningerland – bei seinem Vorgänger für dessen ehrenamtliche Leistungen. Pahlke erinnerte daran, dass während der knapp vier Jahre unter seiner Ägide Ruhe in das Dorfparlament eingekehrt sei. „Mit dieser Stimmung sollte nun offen in die Zukunft gegangen werden“, fand der Altbürgermeister.

Mahnende Worte von VG-Bürgermeister Rüttger

Schmidt kann sich bei seinem zweiten Anlauf der besonderen Unterstützung der VG sicher sein. Findt sagte zu ihm: „Die Türen der Verwaltung stehen Ihnen immer offen, auch die der politischen Leitung.“ Von der VG ist den Ratsmitgliedern darüber hinaus das Seminar „Grundlagen der Ratsarbeit“ angeboten worden. Bislang gab es dazu aber erst zwei Rückmeldungen aus dem Gremium, wie Schmidt berichtete. Er bat um weitere Mitteilungen, wer teilnehmen will, und verlas einen Brief von VG-Bürgermeister Frank Rüttger (CDU).

Darin betont der Verwaltungschef, dass in der Auseinandersetzung mit verschiedenen Meinungen Chancen und Potenzial lägen. Rüttger wirbt in seinem Schreiben um „einen von Wertschätzung und gegenseitigem Respekt geprägten Umgang“, Offenheit und Sachorientierung sowie ein konstruktives Miteinander. Rüttger rät dazu, „das eigene Verhalten immer wieder zu überprüfen und auf die Außenwahrnehmung zu achten“.

Unter Anfragen und Mitteilungen sagte Kym Schober an Schmidt gewandt: „Sie haben da so Karten von Eh-da-Flächen rumgeschickt. Ich stelle den Antrag, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung einen Punkt zu Natur- und Umweltprojekten aufzunehmen, damit wir Beschlüsse fassen können.“ Zum Appell des Ortschefs an die Bürger, ihm mögliche Standorte für zusätzliche Altglascontainer zu nennen, da ab Januar keine Wertstofftüten mit Glas mehr abgeholt werden, warf sie ein: „Welches Volumen kriegen wir?“ Das konnte Schmidt nicht beantworten. Auch erinnerte sie ihn daran, dass er Einzelgespräche mit Ratsmitgliedern angeboten hätte. „Ich fände es aber besser, wenn wir uns als Gremium gemeinsam unterhalten“, sagte sie.

Moderierter Austausch für den Rat angeboten

Stephan Forster, einer der anwesenden Battenberger Bürger, stellte einen von ihm unentgeltlich moderierten Austausch als „Pilotprojekt“ in Aussicht, das als Vorbild für andere Gemeinderäte dienen könnte. Der Unternehmensberater schlug ein nichtöffentliches Treffen vor. „Das neue Ratsteam könnte persönliche Erwartungen diskutieren, um daraus eine Offenheit zu entwickeln und Regeln für eine erfolgreiche Zusammenarbeit aufzustellen“, so Forster. Zu Schober sagte er: „Da würden wir uns gemeinsam austauschen, so wie Sie es angesprochen haben.“

Ob es dann kein Gespräch ohne Moderation im Dorfparlament mehr geben werde, wollte Schober daraufhin wissen. Schmidt meinte, dass man sich nach einer Sitzung zusammensetzen könne, wenn das gewünscht sei. „Haben denn Einzelgespräche stattgefunden?“, hakte sie nach. Der Bürgermeister sagte: „Ja, es hat Einzelgespräche gegeben. Sie hatten es ja abgelehnt.“ Schober entgegnete: „Das hab’ ich aber begründet. Lassen Sie uns nicht wieder wie 2014 anfangen.“

Dorfmoderation

Auftaktveranstaltung zur Dorfmoderation, heute, Mittwoch, 19 Uhr, Bürgerhaus.

KOMMENTAR: Kein harmonischer Start

Ein harmonischer Start sieht anders aus. Kym Schober, die sich als Bürgermeisterkandidatin nicht durchsetzen konnte und als Beigeordnete nicht wieder vorgeschlagen wurde, hat bei der konstituierenden Sitzung des Battenberger Ortsgemeinderats klar erkennen lassen, wie sie sich – aller Bemühungen um ein gedeihliches Miteinander zum Trotz – die künftige Arbeit vorstellt. Indem sie Handlungen und Aussagen des Bürgermeisters kommentierte und rhetorische Fragen stellte, sorgte sie für angespannte Stimmung.Auf eine E-Mail von Peter Schmidt mit Hinweisen zu Eh-da-Flächen im Ort hätte sie auch anders reagieren können, als mit einem Antrag, der den Anschein erweckt, sie wolle sich die Initiative für Umweltprojekte selbst auf die Fahnen schreiben. Weshalb die Idee eines moderierten Austauschs im neuen Ratsteam bei Schober nicht gut ankommt, obwohl sie doch für ein gemeinsames Gespräch aller Ratsmitglieder plädiert, bleibt ihr Geheimnis.

Auch unverständlich: Wenn sie es abgelehnt hat, eine Unterredung allein mit dem Ortsbürgermeister zu führen, kann es ihr doch egal sein, ob andere Ratsmitglieder Schmidts Angebot angenommen haben oder nicht. Schober verweist darauf, dass sie ihr Nein zum Einzelgespräch begründet habe und sagt zum neuen Ortschef: „Lassen Sie uns nicht wieder wie 2014 anfangen.“ Warum tut sie es dann? abf

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