Grünstadt
Bahnhof macht der Deutschen Bahn viel Arbeit
Ein Sondereinsatz für die Reinigungstrupps der Deutschen Bahn: Im Grünstädter Bahnhofsgebäude entledigt sich eine Person ihres Darminhalts. Da zum Zeitpunkt des Vorfalls aber die Auszubildenden der DB Services, dem Reinigungsdienstleister der Deutschen Bahn zwecks eines RHEINPFALZ-Besuchs vor Ort sind, ist das unschöne Geschäft schnell beseitigt.
Normalerweise dauert das aber etwas länger, da nicht an jeder Haltestelle zu jeder Zeit eine Reinigungskraft vor Ort ist. Sonderfälle, wie eben Kot, aber auch Blut, Erbrochenes oder verschütteter Kaffee können via Whatsapp dem DB-Reinigungsservice gemeldet werden. Geht dann eine solche Meldung in der Zentrale ein, wird überprüft, welche Reinigungskraft in der Nähe ist, um das „Ärgernis“ zu bereinigen. In der Regel geschehe das dann innerhalb weniger Stunden. „So etwas kommt aber nicht täglich vor“, sagt die in Kaiserslautern sitzende Bahnhofsmanagerin der Region Kathrin Behsler.
Immens viele Beschwerden
Die Bahnhöfe der Deutschen Bahn sind, je nach Zugstopps und Reisenden pro Tag, in verschiedene Reinigungskategorien unterteilt. Topbahnhöfe, an denen solche Vorfälle eher üblich seien, befinden sich in Mannheim, München oder Frankfurt am Main. Dort seien aber ständig Reinigungstrupps im Einsatz, die eine derartige Verunreinigung schnell entfernen würden. Beim Bahnhof in Grünstadt handele es sich um einen sogenannten Flächenbahnhof.
Bei manchen dieser kleineren Stationen reiche es, einmal im Quartal grob zu reinigen. In Grünstadt sei das aber zweimal im Monat nötig. „Wir haben hier die vierfache Reinigungsleistung“, sagt Behsler. Die Beschwerden vonseiten der Bürger, aber auch der Stadt selbst, seien „immens“ hoch. Warum sich so schnell so viel Müll ansammelt, sei unklar. Über die Ursache lasse sich nur spekulieren. Möglich wäre es, dass sich viele Jugendliche am Bahnhof aufhalten. Im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen würden die Heranwachsenden die Verpackungen eher mal im Gleisbett statt in den Abfallbehältern entsorgen. „Man kann schon sagen, dass sich das Müllaufkommen erhöht, wenn Schulen in der Nähe sind“, sagt Behsler.
Im Bereich zwischen Zug und Bahnsteigkante finden sich so auch in Grünstadt allerlei Zigarettenstummel und Verpackungsmüll. Das Gleisbett zu reinigen sei enorm aufwendig. Eine Art Staubsauger rolle dafür an. „Das geht nur mit einer Sperrzeit“, erklärt Behsler. „Es dürfen dann keine Züge fahren.“ Da der Personenverkehr aber immer Vorrang habe, seien die Arbeiten nur nachts möglich.
Gleisreinigung ist nicht immer möglich
Doch auch dann sei nicht garantiert, dass tatsächlich wie geplant gearbeitet werden kann. Oftmals werden Personenzüge nachts in den Bahnhöfen geparkt. Eine Gleisreinigung sei dann nicht möglich. „Dann muss ungeplant werden“, berichtet Behsler. Andere Verzögerungen seien der Witterung geschuldet. Wenn es zu kalt ist, kann am Bahnhof nicht gewischt werden, da sich der Boden sonst in eine Eisbahn verwandele.
Nach Angaben von Kathrin Behsler halten in Grünstadt ungefähr 90 Züge täglich an den drei Bahnsteigen. Circa 2500 Reisende steigen an jedem Tag ein und aus. Im Inneren des 1873 eingeweihten Bahnhofsgebäudes befindet sich neben einem Kiosk auch ein Büro der Deutschen Bahn. Die Fenster im ersten Obergeschoss gehören zu einem Pausenbereich der DB-Mitarbeiter. Zugführer oder -begleiter können sich hier bei längeren Aufenthalten ausruhen und gegebenenfalls sogar einen Waschraum nutzen. Ein Stockwerk höher wird es dann historisch.
Sanierung bis 2026 geplant
Dort befindet sich eine heute leerstehende Wohnung. Wer dort aber einmal gewohnt hat, könne nicht mehr nachvollzogen werden. Die altertümlichen kippbaren Lichtschalter lassen zudem darauf schließen, dass das Stockwerk schon länger nicht mehr genutzt wird. Es sei auch möglich, dass die Etage als Büro genutzt wurde. „Es war oft so, dass Gaststätten in Bahnhöfen eine Wohnung für den Pächter anmieteten“, erklärt Behsler. In der heutigen Zeit komme das noch vor, wie etwa in Annweiler.
Zwar soll der Grünstädter Bahnhof bis 2026 saniert werden, aber wann die Arbeiten losgehen, ist laut Behsler und DB-Pressesprecherin Sylvia Wagner weiter offen. Der Flächenbahnhof ist, neben unter anderem Neustadt an der Weinstraße, auf einer entsprechenden 40 Empfangsgebäude umfassenden Liste aufgeführt. In das sogenannte „Bahnhofskonzept Plus“ investiert der Bund 142 Millionen Euro, die Deutsche Bahn 50 Millionen Euro.