Grünstadt Autos werden immer breiter

Manchmal beginnt der Arbeitstag gleich mit Frust. Für Beschäftigte in der Innenstadt ist es nicht leicht, nah am Arbeitsplatz einen Parkplatz zu finden, wo das Auto den ganzen Tag abgestellt werden darf. Umso ärgerlicher dann, wenn kostbarer Parkraum verschenkt wird, ein Fahrzeug gleich zwei Stellplätze belegt, weil nicht korrekt eingeparkt wurde.
Besonders oft passiere dies auf den Parkplätzen in der Neugasse, klagen Mitarbeiterinnen einer Bäckereifiliale in der Fußgängerzone. Und sie fänden es gut, wenn dieser Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) auch geahndet würde. denn die Vorschriften sind klar: In Paragraf 12 der StVO ist festgeschrieben, dass platzsparend geparkt werden muss. Das bedeutet, dass die Begrenzungslinien der Stellplätze einzuhalten sind, gleich ob sie mit weißen Linien oder mit Steinen markiert sind. Wer sich nicht daran hält, kann mit einem Verwarngeld von zehn Euro belegt werden. Doch „Knöllchen“ wegen dieser Ordnungswidrigkeit werden nur selten erteilt, informierte die Stadtverwaltung auf Nachfrage. In diesem Jahr war es bislang nur einmal der Fall. Die Beweislage sei oft schwierig, wird vom Ordnungsamt argumentiert. Dass es nicht immer einfach ist, korrekt einzuparken, weiß jeder, der den Parkplatz an der Neugasse oder einen anderen Platz nutzt, der vor Jahren angelegt wurde. Die Stellplätze sind mit 2,30 Meter schmal, vor 25 Jahren reichten sie noch aus, um einen Pkw ordentlich abzustellen. Aber mittlerweile sind die Autos „dicker“ geworden: So hatte ein Golf damals eine Nettobreite (ohne Außenspiegel) von 1,61 Meter, während der aktuelle Golf knapp 20 Zentimeter „stattlicher“ ist. Selbst ein Kleinwagen wie der VW-Polo ist nicht mehr so schlank wie der erste Golf, sondern misst schon 1,68 Meter. Und noch breiter sind die Pseudo-Geländewagen, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. So ist ein VW-Touareg 1,94 Meter „dick“ - mit Außenspiegeln misst er sogar knapp 2,22 Meter, und die anderen SUV (Sport Utility Vehicle, zu deutsch etwa: Sport- und Nutzfahrzeug) sind auch in der Regel nicht schlanker. Da ist es schon ein Kunststück, solch ein Gefährt auf einem Stellplatz mit 2,30 Meter Breite korrekt einzuparken. Die Stadt hat dem Breitenwachstum der Autos bei der Umgestaltung des Luitpoldplatzes Rechnung getragen, die Stellplätze sind dort brutto, inklusive der steinernen Markierungen, 2,55 Meter breit. Und auch auf dem neuen Parkplatz östlich der Bahnlinie haben die Stellflächen mit knapp 2,50 Meter (brutto) modernes Format. Sind damit breiter als vorgeschrieben, denn die Landesgaragenverordnung für Parkhäuser, die auch für Parkplätze im Freien angewendet wird, schreibt nur eine Mindestbreite von 2,30 Meter vor. Nur Parkplätze für Behinderte müssen breiter sein. Hier sind 3,50 Meter das Maß. Dass die Stadt aber nun auch bestehende Parkplätze umbaut, um das Parken bequemer zu machen, damit ist nicht zu rechnen. Kostet zu viel, und ist manchmal auch ohne großen Aufwand nicht möglich. Auf der Parkfläche an der Neugasse müssten dafür die dort stehenden Bäume weichen. Ökologisch und ökonomisch nicht vertretbar. Da hilft nur gegenseitige Rücksichtnahme. Und wer sich nicht an die Regeln hält, könnte durch ein Knöllchen dafür sensibilisiert werden, Wem Stressvermeidung bei der Parkplatzsuche etwas wert ist, für den bietet die Stadt Mietparkplätze auf dem Jean-Mann-Gelände, Preis 25 Euro pro Monat. Zurzeit sind noch zwei Stellplätze frei. (us)