Grünstadt Angst vor der Krankheit nehmen
Immer mehr Menschen erkranken an Demenz, doch die Krankheit bleibt ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Um das zu ändern, organisiert das Mehrgenerationenhaus (MGH) Bad Dürkheim zusammen mit mehreren Institutionen aus dem Stadtgebiet vom 6. bis 12. November eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Vergessenes Leben“. Interessierte sollen die Krankheit besser verstehen und die verschiedenen Betreuungsangebote in der Stadt kennenlernen.
Über Demenz rede man nicht gerne, weil die Krankheit schambesetzt sei. Das sagten die Projektbeteiligten bei der Vorstellung der Veranstaltungsreihe vergangene Woche im Rathaus. Neben dem MGH sind das die Stadt und der Kreis Bad Dürkheim, die Christliche Sozialstation Bad Dürkheim/VG Freinsheim, der Landesverein für Innere Mission in der Pfalz (LVIM), der Pflegestützpunkt, das Maternus Seniorenheim und der SKFM Betreuungsverein. Das Netzwerk, die sogenannte „Lokale Allianz für Demenz“, wird vom Bundesfamilienministerium auf drei Jahre mit insgesamt 10.000 Euro gefördert. Träger der lokalen Allianz sind das MGH und die Protestantische Kirchengemeinde Bad Dürkheim. Jutta Schlotthauer, Leiterin des MGH, kennt den schwierigen Umgang mit der Nervenkrankheit aus ihrer täglichen Arbeit: „Wir haben viele Ehrenamtliche, die alles machen wollen, nur nichts mit Demenz“, erzählte sie. Oft berichteten ihr Angehörige von Demenzkranken von Situationen, in denen sie nicht wussten, wie sie sich richtig verhalten sollten. „Wie gehe ich mit meinem demenzkranken Partner essen?“, nannte Schlotthauer ein Beispiel. Hier sei die Angst der Angehörigen, in eine peinliche Situation zu geraten, meist so groß, dass sie lieber gleich zu Hause blieben. Genau hier möchte das Netzwerk ansetzen: Angehörigen und Menschen, die bisher noch nichts mit Demenz zu tun hatten, die Angst vor der Krankheit nehmen und ihnen die Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen. Eine davon ist die Validation, das heißt der wertschätzende Umgang mit desorientierten Menschen, wie Bernd Brosig, Einrichtungsleiter des Bürgerspitals Wachenheim des LVIM, erläutert. Herausgekommen ist ein buntes Programm, das sich über eine Woche verteilt in verschiedenen Einrichtungen auf ganz unterschiedliche Weise mit dem sensiblen Thema auseinandersetzt (siehe Kasten). Am Ende der Aktionswoche stellen sich die Teilnehmer der lokalen Allianz und weitere Ansprechpartner in einem „Markt der Möglichkeiten“ im MGH vor. Die Projektbeteiligten glauben, durch das lokale Netzwerk mehr erreichen zu können als bisher. „Wir brauchen uns alle gegenseitig, allein kann keiner von uns viel ausrichten“, sagte Doris Wiegner, Pflegedirektorin im Evangelischen Krankenhaus. Und Bernd Brosig fügte hinzu: „Die Möglichkeiten sind da.“ Man müsse nur wissen, wo es Hilfe gibt und diese auch in Anspruch nehmen. Dazu appellierte auch Dürkheims Bürgermeister Christoph Glogger (SPD): „Es ist wichtig, sich frühzeitig zu informieren und Hilfe zu holen.“ Ziel der Partnerinstitutionen ist es, die Aktionswoche auch nach Auslauf des Förderprogramms, das bis 2018 läuft, in der Stadt zu etablieren. Die Verantwortlichen hoffen, in kleinen Schritten der Krankheit ihren Schrecken nehmen zu können. Wiegner: „Uns ist bewusst, wir brauchen einen langen Atem, aber so lange sich keiner damit beschäftigt, wird nichts passieren.“ TERMIN Die „Grünen Damen“, die Demenzpatienten im Evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim beschäftigen, suchen Verstärkung. Infos und Anmeldung bei Andrea Seither unter Telefon 06322/607-241 oder per E-Mail a.seither@lvim-pfalz.de.