Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel 50 Nester entdeckt: So kämpft dieser Fachmann gegen die Gift-Raupen

Gerald Kunkel im Einsatz auf dem Sportplatz der Kerzenheimer Grundschule.
Gerald Kunkel im Einsatz auf dem Sportplatz der Kerzenheimer Grundschule.

Für manche Menschen sind die Haare der Eichen-Prozessionsspinner lebensgefährlich. In Eisenberg geht ein Forstwirt gegen die Larven vor: mit Maske, Sauger und Feuer.

Alle Jahre wieder sorgen kleine, fast unscheinbare Tierchen für Ärger und Sperrungen: die Eichen-Prozessionsspinner. Derzeit treiben die gefährlichen Raupen an verschiedenen Stellen in Eisenberg ihr Unwesen: auf der Burg und dem Waldspielplatz in Stauf, am Planschbecken im Waldschwimmbad, im Waldstadion und in Teilen der Erdekaut. Rund 50 Nester wurden bislang entdeckt, die meisten davon im Stadion.

Ihren umständlichen Namen verdanken die Raupen, aus denen später Nachtfalter werden, ihrer Vorliebe für Eichen. Und ihrer markanten Art, sich fortzubewegen: Sie kriechen in einer oder mehreren dicht geschlossenen Reihen über die Baumrinde – wie in einer kirchlichen Prozession.

Gefährlich sind die winzigen Brennhaare der Raupen, die bei Hautkontakt allergische Reaktionen auslösen können. Für Asthmatiker können diese Brennhaare unter Umständen sogar lebensgefährlich sein. Auch Tiere sind gefährdet: Schnüffelt etwa ein Hund an einem befallenen Baumstamm, kann er durch die Brennhaare schwere, mitunter tödliche Verletzungen davontragen. Deshalb werden die Bereiche um befallene Bäume stets weiträumig abgesperrt.

Sprühen, saugen, verbrennen

Die Stadt und die Verbandsgemeinde Eisenberg haben den Forstwirt Gerald Kunkel mit der Entfernung der Nester beauftragt. Kunkel bringt die nötige Qualifikation mit: Er verfügt über den Sachkundenachweis und einen Schein für den chemischen Pflanzenschutz. Die RHEINPFALZ ist dabei, als der Experte die Nester des Eichen-Prozessionsspinners an einem Baum auf dem Sportplatz der Kerzenheimer Grundschule unschädlich macht.

Am Stamm einer noch jungen Eiche entdeckt der Fachmann sofort ein altes sowie ein junges Nest. Ein Laie wäre möglicherweise daran vorbeigelaufen. Am gefährlichsten sei das alte offene Nest, erklärt Kunkel. Denn die Brennhaare der abgestorbenen Raupen sind immer noch da und werden vom Wind verteilt. Vom neuen Nest hingegen gehe weniger Gefahr aus, da es noch geschlossen ist.

Sie sehen unscheinbar aus, doch Eichen-Prozessionsspinner sind gefährlich.
Sie sehen unscheinbar aus, doch Eichen-Prozessionsspinner sind gefährlich.

Kunkel steckt mittlerweile in einem blauen, schweißtreibenden Schutzanzug und atmet durch eine spezielle Schutzmaske. Zunächst sprüht er mit einer Handpumpe ein Bindemittel auf die beiden Nester, damit die Brennhaare nicht mehr so einfach in die Luft gelangen. Die Substanz sei für Menschen völlig ungefährlich, versichert er. Kunkel besprüht auch den Bereich um den Baum herum, denn obwohl die Tiere meistens am Hauptstamm nisten, kriechen sie von Zeit zu Zeit auch mal über den Boden. Nicht entdeckte Nester können locker noch fünf Jahre lang gefährlich bleiben, erzählt Kunkel.

Als Nächstes saugt er die kleinen Nester mit dem Industriestaubsauger ein. Bei größeren Nestern bringe der aber nichts, sagt Kunkel. Diese tütet er deshalb ein und verbrennt sie später zusammen mit den Staubsaugerbeuteln. Nachdem er die Nester alle entfernt hat, saugt Kunkel noch den Stamm und den Boden ab. Zum Schluss flammt er mit dem Gasbrenner die befallenen Stellen ab, aber nur so kurz, dass die Rinde nicht beschädigt wird.

Kunkel muss klettern

Der Experte ist zufrieden. Die Beseitigung der Nester auf dem Grundschul-Sportplatz sei relativ problemlos abgelaufen, weil der Befall in Augenhöhe gut zu erreichen war. Sein Einsatz dort ist beendet. Als Nächstes kommt der Schulhausmeister zum Zuge: Er spritzt die Sportwiese sicherheitshalber mit Wasser ab. Die Nässe bindet übrig gebliebene Brennhaare und nimmt ihnen die Flugfähigkeit.

Nach diesem Einsatz ist für Kunkel noch nicht Feierabend. Er fährt zum Waldstadion, das stark betroffen ist. Hier sind die Bedingungen besonders heikel: Wegen der Hanglage kann Kunkel keinen Hubsteiger nutzen. Er muss klettern. In den Anzug zwängen, Gurt anlegen, Ausrüstung sichern, Baum für Baum prüfen und die Nester beseitigen: So stellt Kunkel in 14 Metern Höhe Schritt für Schritt die Sicherheit für Spaziergänger und Sportler rund um das Waldstadion wieder her.

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