EISENBERG RHEINPFALZ Plus Artikel 30 Jahre Reaktivierung Eistalbahn: So lief das Dampflok-Spektakel zum Jubiläum

Die Feuerwehr legte eine Schlauchleitung, um die Dampflok mit rund 20 Kubikmetern Wasser zu befüllen.
Die Feuerwehr legte eine Schlauchleitung, um die Dampflok mit rund 20 Kubikmetern Wasser zu befüllen.

Vor rund 30 Jahren ist die Eistalbahn zwischen Grünstadt und Eisenberg reaktiviert worden. Zur Feier des Tages fuhr am Sonntag eine historische Dampflok den ganzen Tag über auf der Strecke hin und her. Ein besonderes Spektakel.

Voller Vorfreude warteten am Sonntagmorgen am Bahnhof Eisenberg die ersten Gäste. Hier, an jenem Ort, an dem damals die erste Reaktivierungsstrecke der Deutschen Bahn besiegelt wurde, wurde ein bisschen Verkehrsgeschichte geatmet. Die Passagiere stiegen in den besonderen Zug, der sich sogleich zischend und hupend auf den Weg machte. Mitnehmen konnte man unterwegs niemanden, der Zug war rappelvoll, darunter viele geladene Gäste in drei historischen Eisenbahnwagen.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) zog es derweil in den Führerstand. „Ich habe großen Respekt vor all den Menschen, die diesen harten Job über Generationen hinweg gemacht haben, um Menschen und Güter zu transportieren“, sagte sie. Man kann im Führerhaus die kleinste Erschütterung der Dampfmaschine spüren. Dazu der seltsame Geruch und die Hitze aus dem Kessel, das hinterließ Eindruck. Am Bahnhof in Eisenberg machte Eder deutlich, dass die Visionäre von vor 30 Jahren die richtigen Weichen gestellt haben. Die Stärkung des Personenverkehrs sei ein ganz wichtiges Element im Klimaschutz. In Zukunft sollen Akku-Hybrid-Züge auf den dann elektrifizierten Strecken unterwegs sein.

Attraktive Anschlussverbindungen

Für Eisenbergs Stadtbürgermeister Peter Funck (FWG) ist die Eistalbahn nicht mehr wegzudenken. Sehr viele Pendler und Schüler nutzen sie täglich. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur. Landrat Rainer Guth (parteilos) betonte, dass die Visionen von damals sehr gut umgesetzt wurden. Vor allem die attraktiven Anschlussverbindungen haben die Menschen im Visier und werden sich auch danach orientieren. Natürlich habe auch der Tourismus inzwischen einen großen Schritt machen können, bei dem die Eistalbahn eine wichtige Rolle spiele. Er hoffe darauf, dass im kommenden Jahr auch die Zellertalbahn endlich wieder zu neuem Leben erweckt wird. Die Weichen hierfür habe man gestellt.

Michael Heilmann, Verbandsvorsteher des Zweckverbandes des ÖPNV, erinnerte an die Bedenken, die man vor der Reaktivierung hatte. Dennoch haben die Verantwortlichen den Mut gehabt, wieder Personenzüge auf die Strecke zu bringen. Dies habe eine gewisse Eigendynamik angenommen und man gehe technisch immer neue Wege, die Antriebe der Personenzüge umweltgerecht zu gestalten. Als Beispiel nannte er, dass ab Dezember 2025 auf der Strecke Neustadt – Karlsruhe Züge mit Akkuantrieben eingesetzt werden sollen. Speziell für die Eistalstrecke taufte Heilmann einen Triebwagen, auf dem der Streckenverlauf groß und bunt gedruckt zu sehen ist.

Silke Janser von der Regionalleitung der DB Regio Mitte betonte, dass die Regionalstrecke, die bis nach Ramsen führt, jährlich rund 270.000 Fahrgäste befördert. Insgesamt kommen hierbei rund 850.000 gefahrene Kilometer zusammen.

Wobei die Feuerwehr half

Während die Gäste sich unterhielten, wurde im Hintergrund gearbeitet. Die Lokomotive brauchte nämlich 20 Kubikmeter Wasser, um überhaupt Dampf für die nächsten Kilometer zu erzeugen. Obwohl die Wasserstellen am Bahnhof längst angerissen waren, half die Eisenberger Feuerwehr aus. Sie legte eine 300 Meter lange Schlauchleitung von einem Industriegelände aus und das Problem war gelöst.

Mittlerweile waren nicht nur im Bahnhofsbereich viele Menschen versammelt, sondern auch an den Gleisen nach Ramsen. Die Ordner hatten alle Hände voll zu tun, die begeisterten Fotografen von den Schienen fern zu halten. Mit knapp zehnminütiger Verspätung ging es dann endlich weiter. Der Heizer legte ordentlich Kohle auf und aus dem Schornstein stieg schwarzer Qualm. Wenige Minuten später ertönte lautstark ein Signal der Dampflokomotive und nun zischte sie aus allen Ecken und Ritzen. Unter Volldampf startete die 133 Tonnen schwere Lok samt Wagen und angehängter Diesellok Richtung Ramsen.

Zeittafel

1864: Gründung eines Komitees zum Bau der Eistalbahn.
24. Juni 1876: Eröffnung der Strecke Grünstadt – Eisenberg.
29. Mai 1976: Letzte planmäßige Personenzugfahrt von Grünstadt – nach Enkenbach und zurück.
31.12.1988: Einstellung des Gesamtverkehrs – letzte Fahrt mit einem historischen Schienenbus.
26. Mai 1994: Der Vertrag zur Reaktivierung der Strecke Grünstadt – Eisenberg wird im Bahnhof Eisenberg feierlich unterschrieben.
28. Mai 1995: Reaktivierung der Weiterführung bis Ramsen.
2001: Wiederinbetriebnahme des Abschnitts bis zum Eiswoog.

Als wäre der Hogwarts Express aus „Harry Potter“ unterwegs hier bei Ebertsheim.
Als wäre der Hogwarts Express aus »Harry Potter« unterwegs hier bei Ebertsheim.
Unter Volldampf geht es weiter nach Ramsen.
Unter Volldampf geht es weiter nach Ramsen.
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