Höningen
21-Jähriger startet trotz Krise in Busbranche durch
Aktuell ist Max Meister zu seiner ersten Tour unterwegs. Rund 20 Gäste sind gestern mit dem Höninger Busunternehmen nach Südbayern gestartet, um dort Weihnachten und Sylvester zu verbringen. Gestern um 13 Uhr: „Max schwebt im siebten Himmel“, berichtet sein Vater Hans-Jürgen stolz. Der 21-Jährige ist gerade in München angekommen. Auf dem Ring ist wegen eines Unfalls Stau, es geht durch die Stadt, jetzt ist der Papa erst einmal als Lotse gefragt.
Nachwuchs fehlt
„Seit vier Jahren bin ich der erste Fahrer, der überhaupt im Kreis Bad Dürkheim seinen Busführerschein erworben hat“, erzählt Max Meister, der im Unternehmen seines Vaters Hans-Jürgen seit Dezember 2019 tätig ist. Hier hat er auch seine umfangreiche zweite Ausbildung absolviert und die verschiedenen Führerscheine als Kraftfahrer erworben. Zunächst absolvierte er in Frankenthal bei einem Nutzfahrzeug-Service eine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker. Mit dem Einstieg ins elterliche Unternehmen, in dem auch die große Schwester Sabrina und Mama Petra als Fahrerinnen mitarbeiten, begann für den damals 19-Jährige die zweite Ausbildung zum Berufskraftfahrer im Personenverkehr. Viele Fahrstunden mit Papa Hans-Jürgen, der als Fahrlehrer aktiv ist, standen auf dem Programm.
„Das hat knapp zwei Jahre gedauert und am Ende standen vier unterschiedliche Prüfungen an“, erzählt der frisch gebackene Fahrer. Vier Stunden Theorieprüfung und drei Stunden Praxis hinterm Steuer waren vor den Prüfern der IHK nötig, um als Berufskraftfahrer mit bereits 21 Jahren zugelassen zu werden.
„Es ist derzeit in der Branche ein großes Problem, überhaupt Nachwuchs zu bekommen. Fahrer fehlen nicht nur bei den Busunternehmen, auch bei den Speditionen oder überhaupt hinter dem Steuer der LKW sieht es schlecht aus“, weiß Hans-Jürgen Meister, der als einziger Fahrlehrer im weiten Umkreis überhaupt Berufskraftfahrer ausbilden darf.
Max Meister ist jetzt in der Lage, selbstständig Busse zu fahren und Reisegruppen zu befördern. „Selbst und ständig“, schiebt beim Termin mit der RHEINPFALZ Vater Hans-Jürgen nach. Die Branche kämpft aktuell wieder mit den Unwägbarkeiten der Corona-Krise, wobei die Unklarheiten in den verschiedenen Bundes- und Nachbarländern die meisten Probleme machen. „Aktuell mussten Ausflüge nach Österreich im Weihnachtsgeschäft umgeplant werden“, sagt Sabrina Meister. „Unsere Saisonabschlussfahrt haben wir nach Hessen in den Odenwald verlegt, dort gilt 2G, während in Rheinland-Pfalz in der Gastronomie 2G-Plus gilt“, ergänzt die 25-Jährige, die selbst bereits mit 23 Jahren den Busführerschein erworben hat, zudem den überwiegenden Teil der administrativen Tätigkeiten im Unternehmen übernimmt.
„Wir sind trotz Corona als eines der wenigen Busunternehmen permanent unterwegs und hatten bislang noch keine Erkrankungen nach unseren Ausflügen oder bei unseren Reisen“, betont Hans-Jürgen Meister. Trotzdem habe er alleine im Dezember durch Corona im Unternehmen, das in normalen Jahren einen Umsatz von rund einer halben Million Euro generiert, 15.000 Euro Einnahmen verloren. „Bislang hat uns die Corona-Krise sicher die Summe von 350.000 Euro gekostet.
Das Corona-Virus habe das Busgewerbe weiter fest im Griff, schreibt dazu der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) in einer Pressemitteilung. Schließungen und Kontaktbeschränkungen durch die Politik hätten Stornierungen zur Folge. Negativ wirke, dass Mitglieder der neuen Bundesregierung zum Reiseverzicht über Weihnachten raten. Gleichzeitig seien die aufgelegten Hilfsprogramme nicht dazu geeignet, die Kosten und Umsatzeinbrüche der Busunternehmen abzufangen, betroffen seien vor allem mittelständische Unternehmen. Dies sei eine fatale Situation für die betroffenen Unternehmen und habe weitere Insolvenzen und Betriebsaufgaben zur Folge, so der Verband.
1000 Stunden in Bus gesteckt
Für den neuen Fahrer im Meister-Team gibt es einen komplett neu gestalteten Bus. „Den 50-Sitzer, den mein Vater 2012 neu gekauft hat, habe ich in rund 1000 Arbeitsstunden in den vergangenen beiden Jahren komplett neu aufbereitet, das Innenleben saniert, die Beschriftung mit meinem eigenen Max-Design versehen, denn es hat Tradition bei uns, dass jeder seinen eigenen Bus hat“, erzählt Max Meister, der sich auf die erste Tour freut hat. Schwester Sabrina wird auf dem Weg zur „Saftschubse“ für den Bordservice abgestellt, ans Steuer lässt er erst einmal niemanden. „Bis Bayern, die Strecke fahr’ ich selbst, vor allem weil wir meinen Bus nehmen“, sagt Max voller Stolz. Wenn er selbst nicht am Steuer sitzt, kümmert sich der 21-Jährige um die sieben Busse des Unternehmens, das seinen Betriebshof in Carlsberg hat. Aktuell angemeldet sind wegen der Coronakrise allerdings nur drei Fahrzeuge.
2022 hoffen die Meisters, wieder durchstarten zu können, um dann auch den festangestellten Fahrer, der in Kurzarbeit ist, und einige Aushilfen wieder beschäftigen zu können. „2022 ist unser erstes Jahr mit einem eigenen Reisekatalog“, sagt Sabrina Meister. „Wir haben unsere Lieblingsziele und die favorisierten Urlaubsorte unserer Gäste im Katalog berücksichtigt.“ Die große Schwester ist froh, mit Max jetzt einen Fahrer im Team zu haben, der hilft, das Unternehmen in die Zukunft zu führen.