Grünstadt Ärzte befürchten weitere Wege für Patienten

Die ärztlichen Bereitschaftsdienstregionen Bad Dürkheim und Grünstadt werden ab Freitag, 1. Juli, organisatorisch zusammengelegt (wir berichteten). Gegen die Neuregelung hätten viele niedergelassene Ärzte Widerspruch eingelegt, so der Leiter der Grünstadter BDZ, Dr. Michael Thomas, auf Anfrage. Die Einwände blieben aber ohne Erfolg. Für den stellvertretenden Leiter, Dr. Emil Völker aus Bockenheim, ein „Diktat von oben“.
In der Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) in Grünstadt werden die Öffnungszeiten auf sieben Tage die Woche ausgeweitet, in Bad Dürkheim eingeschränkt. Der Beschluss der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV) sei ohne Rücksprache mit der Ärzteschaft gefallen, kritisiert auch Thomas. Ohne Not würden Strukturen aufgebrochen, die gut funktioniert hätten. Die Dürkheimer BDZ, die Grünstadt organisatorisch angegliedert wird, hat künftig immer ab Mitternacht geschlossen, danach ist Grünstadt für die Versorgung zuständig: Ein Arzt müsse dann ein Gebiet mit etwa 130.000 Einwohnern und 40 Gemeinden abdecken, so Thomas. Bisher war Grünstadt für das Leiningerland und die VG Eisenberg zuständig, nun kommt noch das Einzugsgebiet der BDZ Dürkheim dazu. Thomas: „Man muss sich fragen, ob das verantwortungsvoll geht.“ Wenn der diensthabende Arzt von Grünstadt aus abends zum Beispiel zu einem Hausbesuch nach Forst müsse, sei in der BDZ nur eine Arzthelferin da. Hier müsse noch ein Modell entwickelt werden, eventuell in Kooperation mit dem Krankenhaus. „Das wird wohl noch für lebhafte Diskussionen sorgen“, meint Thomas. Er befürchtet zudem, dass Patienten aus dem Süden des Gebiets nachts nicht nach Grünstadt fahren, sondern auch mit Bagatellerkrankungen direkt das nächstgelegene Krankenhaus ansteuern und dadurch die Ambulanzen belastet werden. Für seinen Kollegen Emil Völker steht fest: „Die Bevölkerung muss weiter fahren.“ Die bisherige Regelung habe problemlos geklappt, die ärztliche Versorgung sei sichergestellt gewesen, sagt der Leiter der BDZ Bad Dürkheim, der Allgemeinmediziner Volker Gaus (Freinsheim). Er sieht die neue Organisation des Bereitschaftsdienstes als problematisch an und glaubt nicht, dass sie kostenneutral zu verwirklichen ist. „Es gibt viele Schwachstellen, die noch der Feinarbeit bedürfen“, so der Leiter des künftigen „Juniorpartners“. Dass die BDZ in der Kreisstadt Bad Dürkheim Grünstadt zugeordnet ist und nicht umgekehrt, hält er ebenfalls für diskussionswürdig Ihre Entscheidung, landesweit BDZ zusammenzulegen, hatte die KV damit begründet, die ambulante ärztliche Versorgung auch zu praxisfreien Zeiten durch einen flächendeckenden Bereitschaftsdienst zu gewährleisten. Zudem sollten alle niedergelassenen Ärzte – also Haus- und Fachärzte – von der Pflicht entlastet werden, „die Erreichbarkeit für die Patienten 365 Tage im Jahr auch nachts und am Wochenende selbst zu organisieren“, so die KV in einer Pressemitteilung. Sie erhofft sich davon, dass mehr junge Ärzte bereit sind, Praxen auf dem Land zu übernehmen. Die Überlegung sei prinzipiell nicht falsch, meint Michael Thomas: 60 Prozent der jungen Ärzte seien Frauen, aber auch die Männer hätten heute ein anderes Familienverständnis als ihre älteren Kollegen. Allerdings seien die Ärzte verpflichtet, Dienste in den BDZ zu übernehmen. „Und wenn kein Vertreter gefunden wird, muss man das selbst machen.“ |cn