Eisenberg
Eisenberg: Adolf Kauth offiziell als Stadtbürgermeister verabschiedet
Rund 300 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wegbegleiter und Freunde haben am Freitag in einer ansprechend gestalteten Feierstunde dem scheidenden Stadtbürgermeister Adolf Kauth (FWG) im Evangelischen Gemeindehaus die Ehre erwiesen.
23 Jahre leitete Kauth die Geschicke der größten Stadt im Donnersbergkreis und wurde von den Bürgern vier Mal wiedergewählt. Aus Altersgründen verzichtete er bei der jüngsten Wahl auf eine weitere Kandidatur und machte den Weg frei für seinen Nachfolger. Seine Arbeit wurde mit lang anhaltendem Applaus gewürdigt. Und trotz des von Kauth in seinem Schlusswort gebrauchten Zitats „Einen richtigen Abschied erkennt man daran, dass er nicht weh tut“, blieben bei den Anwesenden doch Zweifel, ob dies für den Bürgermeister im Ruhestand tatsächlich so zutrifft. Denn Kauth war trotz aller Höhen und Tiefen während seiner Amtszeit immer mit Herzblut bei seiner Aufgabe, entwickelte neue Ideen und setzte diese manchmal gegen große Widerstände durch.
Oft erst im Nachhinein fand sein Durchsetzungsvermögen nicht nur bei seinen politischen Freunden Anerkennung. In Würdigung dieser Verdienste überreichte ihm sein Nachfolger Peter Funck (FWG) die Ehrenurkunde des Gemeinde- und Städtebundes für insgesamt 25 Jahre kommunalpolitisches Engagement als Stadtrat, Bürgermeister und VG-Beigeordneter. Adolf Kauth sei während seiner Amtszeit Wertschätzung und Anerkennung entgegengebracht worden, sagte Funck. Sein Vorgänger sei „mit seiner politischen Erfahrung, seinem Gespür für Entwicklungen, Stimmungen und Meinungen der richtige Mann zu richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen“, lobte Funck. Geradlinigkeit, Ernsthaftigkeit und trockener Humor zeichneten neben einer Portion Schlitzohrigkeit Adolf Kauth aus. Dieser habe sich um die Stadt verdient gemacht, denn „ohne ihn sähe sie nicht so aus“.
Kauth solle sich wie ein Elder Statesman verhalten, riet sein Nachfolger
Funck gab seinem Vorgänger aber auch mit auf den Weg: „Verhalte dich wie ein wirklicher Elder Statesman: Beobachtend, analysierend, ab und zu bei wichtigen Angelegenheiten, weise ratend“. Funck würdigte besonders die Unterstützung durch Kauths Familie, insbesondere Ehefrau Lioba.
In seinem Grußwort, stellvertretend für die Bürgermeister der Region, charakterisierte Grünstadts Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) den scheidenden Kollegen: „Eisenberg war Kauth und Kauth war Eisenberg“. Er solle sich aus der Politik zurückziehen und zurückhaltend darauf schauen, empfahl Wagner. Dass ein Rodenbacher in Eisenberg akzeptiert wurde, „war schon eine Sensation“, stellte der ebenfalls aus Rodenbach stammende CDU-Politiker Norbert Schindler und alter Freund in persönlich gehaltenen Worten fest. Kauth habe „große Schuhe“ für seinen Nachfolger hinterlassen.
Bronzestatue der heiligen Barbara als Geschenk
Hans-Jürgen Brenninger, Vorsitzender der Gienath-Geschäftsleitung, bescheinigte Kauth, er habe „viel für die Firma Gienanth getan“. Insbesondere bei der Umgestaltung des denkmalgeschützten Bereichs in die neue Lehrwerkstatt habe Kauth wertvolle Hilfe geleistet. Als Geschenk überreichte Brenninger eine in der Lehrwerkstatt gegossene Statue der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute.
Adolf Kauth blickte in seinen Dankesworten auf den Beginn seiner Amtszeit 1996 zurück. Damals habe für ihn und seine Familie „ein anderes Leben begonnen“. Eine ganze Reihe von Projekten zählte Kauth auf, von der Infrastruktur über die Gewerbeansiedlung bis zu Stadtsanierung. Als „Krönung“ bezeichnete er den Umbau der Stadtmitte zu einem „Vorzeigestück“. Er dankte allen Mitarbeitern in der Verwaltung, ganz besonders seiner Sekretärin Jutta Knoth, die seit zwölf Jahren für das Funktionieren des Stadtbüros verantwortlich zeichnet.
Humorvolle Einlage zeigt Kauth’sche Visionen
Als Überraschungseinlage zeigten Stadtbürgermeister Peter Funck und der neue Zweite Beigeordnete Erwin Knoth (FWG) die künftigen Visionen des scheidenden Bürgermeisters: Brot und Spiele in einem Eisenberger Kolosseum, ein Freizeitpark in der Erdekaut oder ein Neubaugebiet vom Eiswoog zur Eisbachaue. Wegen des leeren Stadtsäckel wollte dann tatsächlich ein Luxemburger die Visionen retten, der die gesamte Region zu einem „Groß-Eisenberg“ zusammen schließen wollte. Aber: Der Investor solle lieber den FCK retten. Denn „Eisenberg bleibt Eisenberg“.
Das kurzweilige Programm, durch das Manfred Müller humorvoll führte, gestalteten die Vorschulkinder der drei städtischen Kindergärten mit Liedern, Hanna Czarnecka, am Flügel begleitet von Ronja Bernd, mit Operettenmelodien und dem Titel Time To Say Goodbye“, in den das Publikum trotz stellenweiser Textschwäche mit einstimmte. Der 87-jährige frühere Opernsänger Werner Puhlmann sang mit Klavierbegleitung von Reinhold Kerwer das „Eisenberger Lied“. Und die TSG-Showgruppe „Crazy Jumpers“ zeigte turnerisch und akrobatisch exzellente Darbietungen. Den musikalischen Schlusspunkt setzten gemeinsam Blaskapelle und Spielmannszug, deren ersten Beitrag Adolf Kauth fast professionell dirigierte.