Frankenthal
Zwei bis drei Jahre Wartezeit für Schwimmkurs
Viele Kinder können heute nicht schwimmen. Jetzt sind auch noch seit über einem Jahr die Schwimmbäder nur sehr begrenzt offen. Wächst hier gerade eine Generation Nichtschwimmer heran?
Die Kinder sind ganz klar in der Pandemie auf der Strecke geblieben. Im Anfängerschwimmbereich lief die letzten Monate fast gar nichts. Wenn wir überhaupt ins Hallenbad konnten, dann nur nach Badeschluss. Das ist für die Vorschüler und Grundschüler viel zu spät.
Und wie sieht es jetzt mit dem Freibad aus?
Tatsächlich arbeiten wir gerade mit den Stadtwerken an einem Konzept für diesen Sommer. Wenn das klappt, könnte es auch recht schnell gehen, dass wir Schwimmkurse anbieten.
Wie kann man sich dann dafür anmelden?
Kurzfristig gibt es da keine Chance. Wir haben einige hundert Kinder auf der Warteliste – und täglich kommen neue dazu. Aktuell sprechen wir von einer Wartezeit von zwei bis drei Jahren.
Zwei bis drei Jahre?
Ja. Das ist für uns selbst extrem unbefriedigend, weil wir ja immer betonen: Kinder müssen schwimmen lernen. Aber uns fehlen neben den Schwimmbadzeiten schlicht die Leute, um die riesige Warteliste abzuarbeiten. Unsere Aktiven machen das ja alles ehrenamtlich, neben Ihrem eigentlichen Beruf in der Freizeit. Wir machen das sehr, sehr gerne. Aber die Organisation ist gerade in der Pandemie sehr zeitaufwendig.
Vielen Eltern werden sich sicher wünschen, dass ihr Kind noch vor dem Sommerurlaub schwimmen lernt.
So schnell geht das sowieso nicht. Auch mit dem Seepferdchen kann ein Kind sich höchstens einigermaßen im Wasser bewegen. Mal alleine in einem bewachten Schwimmbad ans Wasser: Das geht frühestens mit dem Abzeichen in Bronze. Man muss auch klar sagen: Viele Fünf- bis Achtjährige brauchen heute mindestens zwei Einsteigerkurse, weil sie sich erstmal überhaupt ans Wasser gewöhnen müssen.
Vergangenen Sommer sind Badelustige an den Rhein ausgewichen, als die Freibäder zu waren oder die Termine dort rar. Wird das dieses Jahr wieder so sein?
Mit Sicherheit. Wir hatten ja schon bundes- und landesweit die ersten tödlichen Unfälle. Viele unterschätzen die Gefahren durch Strömung und Schiffsverkehr. Selbst für einen erfahrenen Schwimmer ist es nicht einfach im Rhein. Ein Kind oder ein ungeübter Schwimmer begibt sich in dem Fluss in Lebensgefahr. Übrigens ist es für uns auch an Seen nicht einfach, eine Gefahrensituation immer gleich zu erkennen.
Wieso?
Man stellt sich vor, dass ein Mensch schreit und um Hilfe ruft, wenn er im Wasser in Gefahr ist. Aber Ertrinken geht meist sehr still ab. Der Körper braucht alle Energie, um sich am Leben zu halten. Da bleibt keine Kraft mehr, andere auf sich aufmerksam zu machen.
Wenn die Schwimmbäder zu sind, fällt auch die Ausbildung flach. Wie stark macht sich das bei Ihnen bemerkbar?
Die extrem eingeschränkten Trainings- und Ausbildungszeiten sind ein riesiges Problem für die Wasserrettung. Nicht nur für unsere eigenen Leute, sondern auch für die Lehrer, Polizisten und Feuerwehrleute, die wir zu Rettungsschwimmern ausbilden. Interview: Sonja Weiher
Zur Person
Winfried König (68) ist Vorstandsmitglied und Ausbilder bei der Ortsgruppe Frankenthal der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die Gruppe hat etwa 360 Mitglieder, davon 50 Aktive in der Ausbildung und in der Wasserrettung. Sie überwachen den Badebetrieb im Strandbad Frankenthal und am Silbersee in Bobenheim-Roxheim. Außerdem sind die DLRG-Kräfte aus Frankenthal in Kooperation mit benachbarten DLRG-Ortsgruppen gemeinsam mit den Feuerwehren an Notfalleinsätzen in der Region beteiligt.