Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Ziegelhof-Projekt: Bürgerinitiative will alle Register ziehen

Mit selbst gebastelten Schildern haben am Samstag etwa 150 Menschen gegen den geplanten Bau von zwei Wohnhäusern protestiert.
Mit selbst gebastelten Schildern haben am Samstag etwa 150 Menschen gegen den geplanten Bau von zwei Wohnhäusern protestiert.

Ein Zeichen gegen eine Bebauung der Wiese im Ziegelhofgebiet im Bereich Ludwigshafener und Mannheimer Straße sowie gegen eine ihrer Meinung nach „kurzsichtige und rückwärtsgewandte Stadtplanung“ haben rund 150 Demonstranten am Samstag gesetzt. Auf der Grünfläche sollen zwei Mehrparteienhäuser mit 28 Wohneinheiten entstehen.

Die Bürgerinitiative (BI) wolle „alle Register ziehen“, um das jetzige Bauprojekt zu verhindern, sagte Vorsitzende Karin Huth bei der Veranstaltung. Überrascht habe sie, dass sich die für das Projekt vorgesehene Fläche deutlich vergrößert habe: von rund 2900 auf 5000 Quadratmeter. Da wegen des Grundwassers keine Tiefgarage gebaut werden könne, sollen um die Gebäude 42 Parkplätze versiegelt werden, so Huth. Weil die Bebauung damit näher an den Bolzplatz heranrücke, seien Konflikte programmiert. Dass für das Projekt die Lärmwerte eines Mischgebiets angewendet werden sollen, fand Huth seltsam. Auf eine Anfrage dazu habe die Stadt bisher nicht geantwortet.

„Schützen, was gut ist“

Während hier eine Grünfläche geopfert werde, bringe die Stadt andernorts auf versiegelten Flächen nichts auf die Reihe. Das nannte Stadtplanerin Petra Oleszewski als eine Rednerin der BI unverständlich. „Wir müssen schützen und bewahren, was gut ist. Dort, wo es Probleme gibt, müssen sie zielorientiert gelöst werden. Wir dürfen nicht hier etwas kaputt machen, damit man sich andernorts besser fühlt“, sagte Oleszewski. Sie forderte eine ganzheitliche Betrachtung der Stadtentwicklung: „Wohnraum zu schaffen, ist dabei nur ein Punkt.“

Insbesondere die Stadtratsfraktion der Grünen wurde angegangen, als unglaubwürdig bezeichnet. Deren Vorsitzender Gerhard Bruder betone immer den Klimaschutz. Nun hätten sich die Grünen – genau wie CDU und SPD – für die Umsetzung des Vorhabens im Ziegelhofgebiet ausgesprochen. Einzig die FWG und die FDP leisteten Widerstand, betonte Karin Huth. Dabei sei die Grünfläche wichtig für das Klima, als Frischluftzug, als Lebensraum, als Spielmöglichkeit für die Kinder, für die Lebensqualität. Der komplette Stadtrat habe 2012 einstimmig beschlossen, dass die restliche Grünfläche verbindlich als Parkanlage ausgewiesen wird, sagte Huth. Natürlich wisse die Initiative, dass dies alles geändert werden könne. Es gebe jedoch einen Beschluss des Stadtrats, dass bei allen Bauprojekten der Klimaschutz im Blick behalten werden müsse.

FDP-Mann Börstler unterstützt BI

Als einziges Stadtratsmitglied stellte sich Thomas Börstler (FDP) ans Mikrofon. Ziel der Liberalen sei es erst einmal, die Priorität des Projekts nach hinten zu verschieben. Für 28 Wohneinheiten eine solche Fläche zu versiegeln, wäre seiner Ansicht nach nicht sinnvoll, meinte Börstler. Beim Bau des neuen Gebäudes der Stadtwerke hätten die Grünen zäh um jeden Baum gerungen. „Hier spielt das wohl keine Rolle mehr“, betonte der FDP-Stadtrat. Er sprach sich ebenfalls dafür aus, sich erst einmal bereits versiegelten Flächen zuzuwenden. Große Hoffnung konnte Börstler den Demonstranten nicht machen: FDP und FWG hätten im Stadtrat zusammen nur sechs Stimmen. Doch 23 würden für eine Mehrheit gebraucht.

Niklas Linder von Fridays for Future will die Bürgerinitiative unterstützen: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter den Forderungen der BI.“

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