Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Zeitenwende im Elferrat des Frankenthaler Carneval Vereins

Kesse Biene: Claudia Belsanti schwirrt seit neun Jahren beim FCV mit.
Kesse Biene: Claudia Belsanti schwirrt seit neun Jahren beim FCV mit.

Claudia Belsanti hat eine Männerbastion in der Fasnacht geschleift. Dass sie als erste Frau in den FCV-Elferrat aufgerückt ist, ist auch eine Anerkennung ihrer Basisarbeit.

Elf Männer im Elferrat: So ist die Führungsriege der Fasnacht üblicherweise besetzt. Bis sie Platz genommen hat: Claudia Belsanti. Selbstbewusst, facettenreich, lebendig und engagiert. Als erste Frau im Elferrat des Frankenthaler Carneval Vereins (FCV) gibt sie in diesem Jahr ihr Debüt in diesem Spitzenamt – und sie fühlt sich wohl: „Ich habe das Gefühl, ich kann hier sein, wer ich bin und muss mich nicht verstellen.“ „Natürlich kenne ich noch nicht alle Abläufe“, räumt sie ein. „Aber ich kann anpacken, und mit den Jahren kommt dann ja auch in die Routine.“

In der Welt der Fasnacht hat Belsanti die schon lange: Mit zehn Jahren hält sie zusammen mit einer Freundin ihre erste Büttenrede und tanzt in der Minigarde ihres Vereins im Dorf. Im Umgang mit dem männlichen Geschlecht ist sie geübt: „Ich hatte immer auch Jungs als Freunde, war auch im Handball und im Fechten meist das einzige Mädchen.“ Der Umzug ihrer Familie hat eine längere Pause zur Folge, doch den Bezug zur Fasnacht verliert sie nie. 2017 steigt sie in den FCV ein, der in der laufenden Kampagne bekanntermaßen der Frankenthaler Stadtschlüsselverein ist. Sie tanzt in der Showtanzgruppe und der Tanzgarde. Seit zwei Jahren ist sie auch als Büttenrednerin im Einsatz.

Die Retterin des Cafés Strohhut

Vorm Bühnenlicht hat sie keine Scheu, obwohl sie eigentlich nicht so gern im Mittelpunkt steht: „Ich trage einfach gern meinen Teil dazu bei. Ich habe Freude daran, etwas in der Gemeinschaft zu kreieren, woran andere eine Freude haben können.“ Ihre Freude am Tun mündet auch schnell in ihr erstes großes Projekt im FCV. Als das Café Strohhut auf dem Strohhutfest beendet werden sollte, geht Belsanti kurzerhand mit einer, wie sie sie augenzwinkernd nennt, „Schorle-Idee“ zum FCV: „Wir haben gedacht, das kann nicht passieren. Es ist der Treffpunkt zum Kaffeetrinken, zum Erzählen.“ Also hat ein motiviertes Team mit dem Verein über eine Übernahme des Cafés gesprochen. „Seitdem organisieren das nur wir Frauen“ – unter Belsantis Regie.

Im vollen Ornat: Belsanti mit den Elferrats-Insignien.
Im vollen Ornat: Belsanti mit den Elferrats-Insignien.

Der Schritt in den Elferrat ist auch daraus erwachsen, erzählt die Fasnachterin: „In diesem Zusammenhang kam recht schnell die Frage auf: Sag mal, was ist denn mit Frauen im Elferrat?“ Es gebe so viele Frauen und Mädchen, die übers Jahr hinweg so viel für die Fasnacht stemmten: Kostüme, Tanztraining, Organisatorisches. „Ohne sie könnten wir keine Fasnacht feiern. Ich finde, das muss man anerkennen, und deswegen ist es selbstverständlich, dass Frauen dann auch in Führungsgremien aufrücken.“

Ein cooles Kompliment

Mit dieser Motivation wurde sie in der letzten Kampagne offiziell vom FCV-Vorsitzenden Nico Hahl als Elferratsanwärterin vorgeschlagen und schließlich ernannt. Sie erinnert sich noch an die Reaktionen: „Für den ein oder anderen war es im ersten Moment noch eher ungewöhnlich, was auch vollkommen okay ist. Es löst Strukturen auf. Trotzdem waren sich alle einig: Ja, es ist an der Zeit für Veränderung.“ Der Schritt zeigt auch sofort Wirkung. Belsanti erinnert sich an einen ganz besonderen Moment: „Nachdem ich ernannt wurde, kam ein Mädchen aus der Garde auf mich zu und hat gefragt: ,Bist du jetzt die erste Frau im Elferrat?’“ Als Belsanti bejahte, „hat sie mich nur angeschaut und gesagt: cool! Das finde ich schön, weil der Verein damit auch ein Vorbild ist.“

Dass der FCV und die Fasnacht im Vordergrund stehen bleiben, ist Belsanti wichtig: „Fasnacht ist eine Zeit, die die Menschen zusammenbringt. Der Alltag spielt dann mal keine Rolle mehr, jetzt ist einfach Narrenzeit. Man ist Teil einer Gemeinschaft und das ist auch das, was Vereine ausmacht. Das mag ich einfach unheimlich gern.“

Viel Zeit ist es bis zur großen Prunksitzung des FCV am ersten Februarwochenende nicht mehr. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange für den 7. Februar. Beginn ist um 19.11 Uhr in der Eichwiesenhalle in Studernheim. Online sind keine Tickets mehr verfügbar, telefonisch können sie beim FCV unter 06233 41512 angefragt werden. Auch Belsanti freut sich schon auf den nächsten närrischen Höhepunkt. „Wir investieren alle viel Zeit, aber wir freuen uns natürlich auch sehr auf die Prunksitzung und den Fasnachtsumzug.“ Und auf die nächste Elferratssitzung am Dienstag, beim FCV neuerdings mit einer weiblichen Stimme.

Die Serie

Ohne Ehrenamt und ohne Engagement geht nichts in der Fasnacht in Frankenthal. Wer sind die Menschen, die der Fasnacht ihren Stempel aufdrücken? Wir stellen einige von ihnen vor. rhp

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