Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Worms: Paul Kother – Ausstellung entdeckt vergessenen Expressionisten neu

„Adam und Eva im Paradies“ heißt dieses Ölgemälde (Ausschnitt) von Paul Kother. Anfang des 20. Jahrhunderts stellte er mit Künst
»Adam und Eva im Paradies« heißt dieses Ölgemälde (Ausschnitt) von Paul Kother. Anfang des 20. Jahrhunderts stellte er mit Künstlerkollegen wie Max Beckmann und Max Pechstein gemeinsam aus.

Einen fast vergessenen und jetzt wiederentdeckten Künstler würdigt die Ausstellung „Paul Kother – Melancholischer Expressionismus“ im Museum Heylshof in Worms. Wer die Schau Mittwochsmittags besucht, kann eine Überraschung erleben.

„Paul Kother hätte ohne Weiteres zu den Protagonisten des frühen 20. Jahrhunderts gehören können, wäre er seinem Schwager Otto Müller in die Dresdner Künstlervereinigung ,Brücke’ gefolgt“, sagt Olaf Mückain, Kurator des Museums Heylshof. Gemeinsam mit Max Pechstein, Cuno Amiet, Max Beckmann und Maria Slavona waren Kothers Werke in zahlreichen Ausstellungen zu sehen.

Ehefrau als beliebtes Motiv

In Worms zeigt man über 40 Gemälde und Grafiken des 1878 in Leipzig geborene und später in Dresden, München und Berlin tätigen Malers, der 1963 starb. Es sind farbige Porträts, Landschaften und Strandbilder, Mutter-mit-Kind-Motive und Kriegsmalereien. Auch Studien kranker und mittelloser Menschen, die der in Leipzig geborene Kother als junger Künstler im dortigen Reiche-Spittel anfertigte, sind darunter. An exotischen Motiven, beispielsweise dem Ölgemälde „Afrikanerin mit Kind“, erkennt man Kothers Faszination für Urvölker, die er mit den „Brücke“-Künstlern gemein hat. Häufig ist Mara Müller, Kothers spätere Ehefrau, sein Motiv. Die jüngere Schwester von Otto Müller entsprach dem selbstbewussten, unkonventionellen Frauentypus der Zeit und inszenierte sich gerne als „Femme Fatale“.

Vorder- und Rückseite der Leinwand bemalt

„Oftmals aus Kostengründen oder Platzmangel wurde auch die Rückseite der Leinwand bemalt – das Phänomen kennt man zum Beispiel von Ernst Ludwig Kirchner“, erläutert der Kunsthistoriker Ralf H. Hartmann, der den künstlerischen Nachlass Kothers erforscht hat. In Worms wird während der Mittagsführung mittwochs um 13 Uhr ein solches „Doppel-Werk“ auch einmal umgedreht.

Die Ausstellung war bereits auf der Zitadelle Spandau in Berlin in einer anderen Werkzusammenstellung zu sehen und wird nach Worms in veränderter Form ins Overbeck-Museum Bremen wandern.

Termin

Ausstellung „Paul Kother (1878–1963) – Melancholischer Expressionismus“ im Museum Heylshof Worms bis 30. Juni. Vernissage ist am Freitag, 3. Mai, 18 Uhr. Weitere Informationen unter www.heylshof.de.

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