Frankenthal „Wir müssen alle Betriebe mitnehmen“
«Ludwigshafen.»Ein Besuch in der Ludwigshafener Böcklinstraße im Stadtteil Süd. Hier hat die Ziegle-Dienstleistungsgruppe ihren Sitz. Hans Ziegle hat sie 1976 gegründet. Etwa 1200 Mitarbeiter gehören inzwischen dazu, und neben dem ursprünglichen Kernbereich, der Gebäudereinigung, bietet die Gruppe inzwischen einiges mehr: Sicherheit und Bewachung von Immobilien, Außenreinigung und Hausmeisterdienste gehören dazu. Nebenan wird gebaut. Ab Juni 2018 soll die Lutex GmbH aus Lambsheim nach Ludwigshafen ziehen. Das Handelsunternehmen für Reinigungsprodukte gehört ebenfalls zur Ziegle-Gruppe. In der Ludwigshafener Firma ist also schon seit Jahren einiges in Bewegung. Doch Hans Ziegle war das nicht genug. 22 Jahre lang engagierte er sich außerdem als Kreishandwerksmeister in der Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz. Als er das Amt 1995 übernahm, sei die Handwerkerschaft „kaufmännisch schlecht organisiert“ gewesen, sagt er. Nun „übergeben wir an die Nachfolger ein absolut geordnetes Haus“, ergänzt der Speyerer. Mit „wir“ meint er neben sich auch den Hauptgeschäftsführer Rainer Lunk. Dieser kam mit ihm zur Kreishandwerkerschaft – und verlässt sie wenige Monate nach Ziegle ebenfalls, altersbedingt. In die Zeit von Ziegle und Lunk fällt unter anderem die Gründung des Dienstleistungszentrums Handwerk (DLZ) im Jahr 1997. Die GmbH bietet Handwerkern zusätzliche Unterstützung, zum Beispiel mit dem Projekt „Handnetzwerk“ zu Fragen der Digitalisierung (wir berichteten). 2013 startete die „Zukunftsoption Fachkraft“, um den Nachwuchs im Handwerk zu sichern. Das DLZ bietet ebenfalls juristische Beratung für die Betriebe. „Wir waren auch politisch aktiv“, nennt Ziegle eine für ihn wichtige Aufgabe. Denn Handwerk müsse „als wichtiger Wirtschaftsfaktor“ erkannt werden. Den Höhepunkt für junge Handwerker, die jährliche Freisprechungsfeier, haben er und seine Kollegen „völlig neu organisiert und modernisiert“, sagt Ziegle. Es ist nun eine unterhaltsame Feier statt vieler langweiliger Reden. Doch trotz all dieser Erfolge gibt es einige Probleme, die das Handwerk deutschlandweit und damit auch Hans Ziegle umtreiben. Die Stichwörter dazu sind oft gehört: Fachkräftemangel, Unternehmensnachfolge, Digitalisierung und Zukunft des Einzelhandels. Auf Letzteren angesprochen, blickt Hans Ziegle vor allem auf „das klassische Nahrungsmittelhandwerk“. „Unsere Metzgereien schließen“, nennt er ein Beispiel. Seine Hoffnung: Dass kreative Unternehmensnachfolger oder -gründer ihre Nischen finden und dort Erfolg haben. Als Beispiel nennt er eine noch relativ junge Bäckerei in Speyer, die viermal die Woche nur nachmittags geöffnet hat und dann frische Ware verkauft. Oder eine neu eröffnete Metzgerei in Iggelheim, deren Inhaber mit originellen Facebook-Videos auf sich aufmerksam macht. Im Nahrungsmittelhandwerk gibt es aber noch ein ganz anderes Problem. Der nahezu überall durchschlagende Fachkräftemangel macht sich hier besonders bemerkbar. Während Auto, Elektro, Heizung und Sanitär noch einigermaßen beliebte Ausbildungsberufe seien, sagt Ziegle, sehe es bei Bäcker und Metzger schlecht aus. Auch in seinem Beruf, dem des Gebäudereinigers, sei es schwierig. Ein Grund: das schlechte Image des Berufsbilds. Wer wolle schon anderer Leute Dreck wegmachen – soweit das Vorurteil. Dass es ein anspruchsvoller Beruf mit guten Aufstiegsmöglichkeiten ist, sehen die Wenigsten. „Viele Eltern meinen, Handwerk ist nur was für Hauptschüler“, sagt Ziegle. „Dabei haben wir kein Problem damit, Abiturienten einzustellen.“ Es gebe auch die Möglichkeit, nach der Ausbildung ein Studium dranzuhängen und später Betriebsnachfolger zu werden. Solche zu finden ist eine weitere große Herausforderung des Handwerks, ebenso wie die Digitalisierung. „Wir müssen alle Handwerksbetriebe mitnehmen vom Analogen ins Digitale. Da kommt keiner dran vorbei“, sagt Hans Ziegle. Auch wenn er sein Amt als Kreishandwerksmeister an Heinz-Werner Süss weitergegeben hat, bleibt er Ehrenamt und Handwerk treu. So ist er weiterhin stellvertretender Präsident beim Bundesvorstand des Gebäudereiniger-Handwerks und Präsident beim europäischen Verband der Gebäudereiniger. Und sein Unternehmen hat der 64-Jährige auch noch. Für die Ziegle-Dienstleistungsgruppe bereite er derzeit die Unternehmensnachfolge vor. Und es sieht – in diesem Fall – tatsächlich gut aus, verrät Hans Ziegle.