Frankenthal
Wie Wendt Kraftwerke in aller Welt leiser macht
Wie packe ich eine Turbine oder Transformator ein, sodass diese ungehindert rotieren können und dennoch keinen ohrenbetäubenden Lärm produzieren? Und wie mache ich das im großen Maßstab, etwa in einem Kraftwerk? Solchen maßgeschneiderten Lösungen für technischen Schallschutz widmet sich Wendt Noise Control. Die Gesellschaft hat ihren Sitz im Gewerbegebiet in der Beindersheimer Straße. In den Norden Frankenthals hat sie ihren Stammsitz vor 23 Jahren von der Ludwigshafener Notwende aus verlegt, gegründet worden ist Wendt vor 150 Jahren in Berlin als Gummi- und Asbestwarenfabrik.
Dass die heute 73 Mitarbeiter zählende Belegschaft dieses Jubiläum würde feiern können, war nicht ausgemacht. Eine Aufspaltung der Geschäftsbereiche in Isolierung und Schallschutz sowie Veränderungen in der Gesellschafterstruktur kamen einer Zäsur gleich. Eine neue Geschäftsführung konzentrierte sich vor acht Jahren in Frankenthal auf Letzteres. Der mittlerweile pensionierte Geschäftsführer Wilhelm Braun und sein nach wie vor aktiver Kollege Leonhard Sonntag übernahmen nach der Zeitenwende bei Wendt in Frankenthal 48 der ursprünglich 120 Mitarbeiter. „Heute stehen wir bei 73, 15 davon sind Auszubildende“, berichtet Sonntag im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Stahlhaube für Kraftwerkhirn
Der 55-Jährige pendelt zwischen dem bayrischen Schwabenland und der Vorderpfalz. Den Wendt-Slogan „Cool und leise – mir Pälzer hänns druff“ beherrscht er bereits nahezu im Dialekt. Das Management teilt Sonntag sich mit Mohammad Soueidan. Der 44-Jährige ist ein Eigengewächs, hat nach seiner Übersiedlung aus dem Libanon vor 20 Jahren als Elektroinstallateur in der Werkstatt begonnen. 2009 ist er von Altrip nach Frankenthal umgezogen, hat sich in die oberste Leitungsebene von Wendt hochgearbeitet. Soueidan steht exemplarisch für die Internationalität in seinem Unternehmen: Unter den Schlossern, Metallbauern, technischen Zeichnern, Produktdesignern, Elektrikern, Lageristen und Verwaltungsangestellten finden sich zehn Nationen wieder, etwa Indien, Bangladesch, Ägypten oder Syrien.
Sie alle entwickeln und vermarkten Elemente aus Stahl und Mineralfasern, um die Lärmemission bei der Stromerzeugung in Großanlagen zu reduzieren. Sie setzen den Hirnen der Kraftwerke gewissermaßen eine stählerne Haube auf. Zu den Großkunden zählen Siemens, General Electric oder Air Liquide, zu den Einsatzorten die arabische Halbinsel oder Südamerika. Individuelle Konstruktionen bei Stahlbauern in Vietnam, der Türkei oder in Mexiko zu bestellen, bildet den Abschluss der Auftragsbearbeitung. Davor werden in Frankenthal die akustischen Paneele für die Kabinen entworfen, die Statik berechnet, Filterhäuser entwickelt, die Verkabelung durchdacht. „Solch eine Einhausung ist ein komplexes Projekt“, erläutert Sonntag. Um überdimensionale Transformatoren oder Spulen abzudichten, ist es nicht mit einer Außenhaut getan, zuvor muss etwa die tragende Stahlkonstruktion samt Stützen berechnet und entworfen werden.
„Wir bleiben in Frankenthal“
Dieses Gesamtpaket bietet Wendt für Großbaustellen an. Mit wachsendem Erfolg: In seinem ersten Jahr als Geschäftsführer konnte Sonntag einen Umsatz von rund zwölf Millionen Euro vermelden, in seinem siebten waren es 18 Millionen. Nach einer Delle im laufenden Geschäftsjahr prognostiziert er für 2025 rund 20 Millionen Euro. „Die Auftragsbücher sind jetzt schon zu über 70 Prozent gefüllt, aus einem Sanierungsfall ist ein prosperierendes Unternehmen geworden.“ Der Bedarf an Mitarbeitern wachse, „mit einem Arbeitsplatz in Frankenthal“, stellt der Chef klar. „Wir haben gerade 200.000 Euro in die Entwicklung des Stammsitzes investiert, wir bleiben hier.“