Frankenthal / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Theatermacher aus der Pfalz die freie Szene stärken wollen

Jürgen Hellmann und Hedda Brockmeyer haben große Pläne: Vor allem für eine sichere Produktionsförderung wollen sie sich einsetze
Jürgen Hellmann und Hedda Brockmeyer haben große Pläne: Vor allem für eine sichere Produktionsförderung wollen sie sich einsetzen.

Der Frankenthaler Jürgen Hellmann und die Neustädterin Hedda Brockmeyer machen jetzt Lobbyarbeit für freie Theater auf Landesebene: Was können sie dort rocken?

Jürgen Hellmann, Leiter des Frankenthaler Theaters Alte Werkstatt, ist neuer Vorsitzender des Landesverbands professioneller freier Theater. Ihm zur Seite steht Hedda Brockmeyer vom Neustadter Theater in der Kurve als Kassenwartin. Gewählt wurden die beiden in einer Mitgliederversammlung Mitte Juni. Und die beiden Theatermacher aus der Pfalz haben ambitionierte Pläne. „Wir sind für die Visionen da“, sagt Jürgen Hellmann und grinst. Gemeinsam mit Hedda Brockmeyer hat er gerade eine Videokonferenz mit Birgit Walkenhorst, der Geschäftsführerin des Verbandes, zu Ende gebracht. Die studierte Theaterwissenschaftlerin ist im Gegensatz zu den beiden Pfälzern seit zehn Jahren hauptamtlich tätig und profitiert daher von reichlich Erfahrung, wenn es beispielsweise um Förderanträge geht. Die aktuelle Videoschalte diente deshalb vor allem auch der Vorbereitung auf ein Gespräch am nächsten Tag im Mainzer Kultusministerium. Dort wollen sich Hellmann und Brockmeyer nicht nur als neuer Vorstand vorstellen, sondern bei den Entscheidungsträgern auch erste Themen platzieren.

Faire Verteilung der Fördergelder

Denn wichtig ist den beiden Theatermachern vor allem eine faire Verteilung von Fördergeldern. Das sei umso brisanter, da die Produktionsförderung des Landes in diesem Jahr um fast ein Drittel gekürzt worden sei, sagen sie. „Während Corona wurden wir unterstützt, es gab Gelder, aber jetzt wird es für viele Theater schwierig“ meint Hellmann.

Davon betroffen seien besonders Theaterschaffende im ländlichen Raum. Denn die sogenannte Aufführungsförderung des Landes ermöglicht es beispielsweise Schulen, professionelle Theateraufführungen zu buchen und so die Honorardifferenz zu decken. Der Landesverband professioneller freier Theater bietet dazu einen Katalog mit geförderten Produktionen an. Die Förderung macht Theater kostengünstiger und unterstützt damit die freie Szene. „Das bringt aber nur etwas, wenn wir auch mit dem Geld planen können“, sagen Brockmeyer und Hellmann.

Eintrag ins Lobbyregister

In diesem Jahr sei das schwierig gewesen. Erst Mitte Juni seien die Förderbescheide des Landes zugestellt und darin die reduzierte Fördersumme offenbar geworden. „Für einen einzelnen Schauspieler mit Soloprogramm kann das beispielsweise bedeuten, dass ein Auftritt nicht mehr rentabel ist“, meint Hellmann. Auch größere Theater seien teilweise gezwungen, Produktionspläne zu ändern und den Rotstift etwa bei den Gagen, Bühnenbild oder Kostümen anzusetzen. In Mainz wollen sie daher ausloten, welche Möglichkeiten bestehen, die Finanzierung der im Verband organisierten 46 Theatergruppen und Solist*innen planbarer zu machen. Eine Eintragung ins Lobbyregister hat Hellmann dazu bereits veranlasst.

Daneben würden die beiden Pfälzer Theaterleiter gerne die freie Theaterszene noch besser vernetzen und unterstützen. Ihnen schwebt dazu beispielsweise die Organisation eines gemeinsamen Festivals mit Aufführungen und Workshops sowohl für Theaterschaffende als auch interessiertes Publikum vor. „Wir wollen Ideengeber und Inspirator sein“, sagt Hellmann. Daneben steht die Gewinnung neuer Mitglieder auf der To-do-Liste der beiden. Dazu wollen Hellmann und Brockmeyer an Schauspielschulen gezielt Werbung für den Verband machen.

Zur Person

Jürgen Hellmann ist in Ludwigshafen geboren, hat an der Theaterakademie in Mannheim studiert und ist seit 2014 Leiter des Frankenthaler Theaters Alte Werkstatt (TAW). Seine Karriere begann der 51-Jährige als Tänzer am Nationaltheater, bevor er 2010 als Regisseur und Schauspieler zum TAW kam. Hedda Brockmeyer stammt aus Münster und führt seit 16 Jahren das Neustadter Theater in der Kurve. Die 61-Jährige kam 1986 beim „Theaterforum Kreuzberg“ in Berlin auf den Theater-Geschmack, schloss aber zunächst eine kaufmännische Ausbildung im Bereich Weinwirtschaft an. So kam sie 1993 in die Pfalz, wo sie seitdem bei zahlreichen Laientheatergruppen spielte und inszenierte.

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