Frankenthal
Wie Pfälzer Bauern ihre Frühkartoffeln vor der Kälte retten
Markus Frank sieht die Sonnenaufgänge schon lange nicht mehr. Wenn der Tag beginnt, ist er oft schon auf den Beinen. Der Frankenthaler beregnet seine Frühkartoffeln zwar automatisch, dennoch dreht er in der Nacht lieber seine Runden. Der Frost der letzten Tage hat den Landwirten schlaflose Nächte beschert. Wer seine Ernte retten will, der beregnet. Markus Frank greift dabei auf zwei Quellen zurück, seine eigenen Brunnen und das Wasser, das ihm vom Beregnungsverband zugeteilt wird. Einfach mal aufdrehen und laufen lassen, ist nicht. Der Landwirt wässert alle 15 Minuten im Intervall. „So kann ich die Fläche, die ich frostberegnen will, verdoppeln“, erklärt der 48-Jährige. Die Planung richtet er an der zur Verfügung stehenden Wassermenge aus. Sorgen um die Wasservorräte macht er sich auch nach drei heißen Sommern in Folge nicht: „Die Neubildungsrate vom Wasser ist bei uns immer noch positiv. Es regnet genug im Pfälzerwald.“
Die Wärme im Wasser
Wie das mit den tollen Knollen und den knackigen Nächten ist, erzählt er am Rande eines Feldes morgens bei einem Grad minus. Auf vier Hektar hat er hier die Sorte Berber angepflanzt. Insgesamt baut er in einer Betriebsgemeinschaft mit einem Kollegen auf rund 75 Hektar Kartoffeln an: Berber, Colomba, Musica, La Vie, Corinna und Annabelle, die er für die beste der festkochenden Sorten hält. Die Mutterknolle liegt 15 bis 18 Zentimeter tief im Damm. Zwischen den Reihen von Dämmen, die flacher sind als beim Spargel, sind 75 Zentimeter Abstand. Anfang März wurde gepflanzt. Die kalten Tage „haben sie im Wuchs um eine Woche zurückgeworfen. Davon müssen sie sich erst einmal erholen. Normalerweise holen die Kartoffeln das aber wieder auf“, erzählt der Landwirt. Ende April erst sind die Pflanzen so groß, dass der Reihenschluss erreicht wird: man also den Boden zwischen den Pflanzen nicht mehr sieht.
Und wie funktioniert die Frostberegnung? Markus Frank erklärt: „Die im Wasser gespeicherte Wärme wird beim Gefrieren freigesetzt. Und diese Wärme schützt die Kartoffeln. Das funktioniert zumindest bis zu einer Temperatur von minus fünf Grad.“ Was es dieses Jahr besonders unangenehm macht: in der vergangenen Woche kam auch noch Wind dazu. Dann wird es noch fieser durch die Verdunstungskälte.
Vor der Kälte schützen die Anfang März gepflanzten Kartoffeln eigentlich ein Vlies und eine Folie (Treibhauseffekt), wobei letztere, wenn es wärmer wird, wieder eingerollt wird. Zwei-, dreimal lassen sich die riesigen Schutzfolien verwenden.
Die Pfälzer sind die schnellsten
Und warum macht man sich den Stress mit Frühkartoffeln? „Weil sie es einem danken. Wir haben im Schnitt der Jahre gute bis sehr gute Erlöse am freien Markt“, sagt Markus Frank.
Die Erzeuger in der Pfalz sind klimatisch bedingt die frühsten in Deutschland und mit schalenfester Ware ab Mitte Juni am Markt. Früher werden schon Hofläden und Wochenmärkte beliefert, erklärt der Frankenthaler, dessen Ware an zwei Kartoffelhändler geht, einen in Worms und an die Vereinigte VR Bank Agrarservice in Beindersheim (Rhein-Pfalz-Kreis). Bis es so weit ist, liegen hinter dem 48-Jährigen und seinen vielen Kollegen in der Region, er gehört dem Vorstand der „Pfälzer Grumbeere“ mit knapp 200 Erzeugern an, mit den Frühkartoffeln 80 bis 100 spannende Tage und noch aufregendere Nächte.
Zur Sache: Die Knolle und der Markt