Mannheim:
Wie eine Plauderei am Herd: Ingo Zamperoni und Ehefrau Jiffer Bourguignon beim Podcast-Festival
Ingo Zamperoni ist Millionen von Fernsehzuschauern bekannt. Am Sonntag nun war der Moderator der ARD-„Tagesthemen“ an der Seite seiner Frau Jiffer Bourguignon in Mannheims Alter Feuerwache einmal leibhaftig zu erleben. Anlass war das SWR-Podcast-Festival und eine Aufzeichnung mit dem Ehepaar. Titel ihres Podcasts: „Amerika, wir müssen reden!“
Geredet wird eigentlich gerade genug. Da sind nicht nur die Fernseh-Talk-Shows, die sich seit Jahrzehnten bereits eines zahlreichen Fernsehpublikums erfreuen. Seit einiger Zeit liegen nun auch Podcasts im Trend, im Internet abrufbare und durch den Siegeszug des Smartphones weit verbreitete Audio-Dateien. Aufgrund der Beliebtheit des Mediums hat der Südwestrundfunk (SWR) in Mannheim nun schon zum vierten Mal ein Podcast-Festival veranstaltet. An drei Tagen konnten Hörer von Freitag bis Sonntag den Sprechern näher kommen. Wissenschaft, True Crime, Comedy oder „Tigerenten Club“ für Kinder – die ganze Bandbreite der Podcast-Themen war vertreten. Dass ein starkes Bedürfnis besteht, die Entrücktheit von Fernseh-, Radio- und eben Podcast-Sprechern zu überwinden, lässt das recht große Interesse an der Veranstaltung mit Jiffer Bourguignon und Ingo Zamperoni jedenfalls vermuten. Sicherlich aber trug zu dem gut gefüllten Kleinen Saal der Alten Feuerwache auch das Thema bei. Denn seitdem Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten und das Verhältnis zwischen Europa und den USA sehr angespannt ist, vergeht kaum ein Tag, an dem der Mann in Amerika keine Schlagzeilen macht.
„Vor zwei Jahren haben wir unseren Podcast ,Amerika, wir müssen reden!’ von einem Zwei- auf einen Ein-Wochen-Rhythmus umgestellt. Wir könnten auch auf einen Tagesrhythmus gehen“, machte Ingo Zamperoni eingangs diese von dem Mann im Weißen Haus ausgehende Nachrichtendichte deutlich. Über 80 Podcast-Folgen mit dem Ehepaar hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) schon produziert mit Titeln wie „No Kings – No Wars“ oder zuletzt „Zwischen Steinzeit und Mondmission“. Die ARD, für die Zamperoni die Spätnachrichtensendung „Tagesthemen“ moderiert, hat von ihm auch schon Reisereportagen und Dokumentationen aus den USA im ersten Fernsehprogramm gesendet, so etwa im Herbst 2022 „Trump, Biden, meine US-Familie und ich“. Seine Frau, die Journalistin und Übersetzerin Jiffer Bourguignon, ist nämlich Amerikanerin. Die beiden haben sich während Ingo Zamperonis Zeit als ARD-Korrespondent in den USA kennengelernt, sind seit 2013 verheiratet und haben drei Kinder. Für gewöhnlich hält der bekannte Fernsehjournalist seine Familie aber aus der Öffentlichkeit heraus. Deswegen war ihr gemeinsamer Auftritt in Mannheim außergewöhnlich.
Ein Selfie als „Beweis für die Kinder“
Selten produzierten sie ihre Podcasts vor Publikum, meistens im Pyjama am Küchentisch, scherzte Zamperoni denn auch, bevor er ein Selfie mit seiner Frau vor den Zuhörern machte und dazu erklärte: „Als Beweis für die Kinder.“ In der Tat wirkte der Auftritt der beiden wie eine Plauderei am heimischen Herd. Wer aufmerksam die Tagesnachrichten verfolgt, dem dürfte ihr Gespräch kaum Neues vermittelt haben. Auch ist von einem tiefen Einvernehmen zwischen den Eheleuten auszugehen. Denn unterschiedlicher Meinung waren die beiden nie. Jiffer Bourguignon spricht Deutsch mit einem leichten amerikanischen Akzent, durchsetzt ihre Rede aber häufig mit englischen Brocken, was ihr Ehemann ihr bald nachtat. Auch daheim sprächen sie meist Englisch miteinander, verriet die Journalistin. Deutsch habe sie erst fünf Jahre, nachdem sie ihren Mann kennengelernt habe, gelernt.
Die taufrische Meldung von den gescheiterten Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien Iran und USA überraschte Ingo Zamperoni am Sonntag nicht. Denn beide seien mit Maximalforderungen an den Verhandlungstisch gegangen. „Was hat der Krieg gebracht?“, fragte Jiffer Bourguignon und ließ die Antwort unausgesprochen im Raum stehen: nichts. Trump habe der Nation den Kriegsgrund auch nicht eindeutig erklären können, und nicht erst seit seiner unsäglichen Drohung, eine ganze Zivilisation auszulöschen, habe er viele Sympathien eingebüßt, auch unter seinen engsten Gefolgsleuten. Sogar von Impeachment, also einem Amtsenthebungsverfahren sei schon die Rede. Seine daraufhin ausgestoßenen Beleidigungen erinnern sie „an einen verletzten Tiger, der weiß: Das Ende ist nah“. Das Ehepaar geht davon aus, dass Trump die Zwischenwahlen im Herbst verlieren wird und nur noch als „Lame Duck“, als lahme Ente ohne Mehrheit seiner republikanischen Partei im Kongress, weiterregieren kann. Zu befürchten sei nur, dass er die Wahlen mit allen Mitteln manipulieren werde.
Ingo Zamperoni ließ Eindrücke von einer kürzlich beendeten Reise in die USA für eine weitere Fernsehdokumentation in das Gespräch einfließen, die von Trumps Großmannssucht zeugen: etwa vom Ballsaal am Weißen Haus und von dem 76 Meter hohen „Arc de Trump“, der zu den 250-Jahr-Feiern der US-Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli enthüllt werden soll. Der Journalist verabschiedete sich von seinem Mannheimer Publikum wenigstens nicht mit der Standardformel, mit der er stets die „Tagesthemen“ beschließt: „Und bleiben Sie zuversichtlich.“