Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Wespen: Tipps für den richtigen Umgang mit den Insekten

Wer im Sommer im Freien etwas isst, bekommt oft Besuch von Wespen.
Wer im Sommer im Freien etwas isst, bekommt oft Besuch von Wespen.

Ein Wespennest im Garten oder am Haus macht vielen Menschen Angst. Wespenberater können helfen. Sie informieren Betroffene über das richtige Verhalten gegenüber den Tieren und entfernen das Nest, falls es nötig sein sollte. Die nützlichen Insekten werden dann umgesiedelt.

Wer im Sommer auf der Terrasse oder dem Balkon am gedeckten Tisch sitzt, bekommt oft ungebetene Gäste: Wespen. Vor allem Grillfleisch, Kuchen und süße Getränke ziehen die gelb-schwarz gestreiften Tierchen magisch an und können einem den Spaß am Essen im Freien verderben. Wenn die Wespen am Haus oder im Garten zudem noch ein Nest gebaut haben, bekommen viele Menschen Angst.

Dabei sind die meisten heimischen Wespen harmlos. „Es gibt nur zwei Arten bei uns, die vom Menschen als störend empfunden werden“, sagt der Studernheimer Hobbyimker Alexander Hüter, der einen Kurs zum Wespen- und Hornissenberater absolviert hat. Dabei handele es sich um die Gemeine und die Deutsche Wespe: „Beide können mit ihrem Gift sowohl bei Menschen mit einer Allergie als auch ohne gesundheitliche Probleme auslösen. Vor allem dann, wenn mehrere Tiere stechen.“

Nester möglichst erhalten

Die meisten Nester könnten aber einfach an Ort und Stelle verbleiben. „Nach einer Saison sterben die Tiere ohnehin“, erklärt Hüter. Deshalb lohne es sich zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht mehr, etwas gegen die Bauten zu unternehmen: „Schon Ende August sind die meisten Nester verlassen.“ Weil Wespen als Blütenbestäuber eine wichtige Rolle in der Natur spielen, sei es wichtig, ihre Nester möglichst zu erhalten. „Da sie Fleischfresser sind, halten sie uns auch lästige Plagegeister vom Hals. Ein Wespenvolk vertilgt pro Saison rund 250.000 andere Insekten wie etwa Schnaken“, betont Hüter.

Alexander Hüter ist Hobbyimker und hat einen Kurs zum Wespen- und Hornissenberater absolviert.
Alexander Hüter ist Hobbyimker und hat einen Kurs zum Wespen- und Hornissenberater absolviert.

In bestimmten Fällen könne es jedoch ratsam sein, die Nester gleich im Frühsommer zu beseitigen, insbesondere, wenn es sich um die Gemeine oder die Deutsche Wespe handele. „Wenn diese Wespen an einem Ort bauen, wo sie Menschen gefährden – etwa dort, wo sich Kinder oder Wespenallergiker aufhalten –, sollte man die Tiere umsiedeln“, sagt Hüter.

Ob man es nun mit einer harmlosen oder eher aggressiven Art zu tun hat, ist für Laien jedoch nur schwer zu unterscheiden. Wer Zweifel hat, kann einen Wespenberater fragen. Die Umsiedlung der Insekten ist ohnehin nur etwas für Experten. Dazu würden die Tiere mit einer Art Staubsauger so abgesaugt, dass ihnen nichts passiert, erläutert Hüter. Der Bau werde dann Wabenschicht für Wabenschicht abgetragen und in einer Holzkiste wieder zusammengefügt. „Danach setzt man Nest und Wespen in freier Wildbahn aus.“

Lebensmittel im Freien abdecken

Kontakte zu Wespen- und Hornissenberatern finde man im Internet oder über die Ortsgruppen des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), berichtet Hüter, für den die Beratertätigkeit ein reines Hobby ist. Auch Schädlingsbekämpfer dürften unter Umständen Nester entfernen. „Da würde ich aber nicht den Erstbesten nehmen“, rät Hüter. „Auf dem Markt gibt es leider viele schwarze Schafe. Und die greifen schnell und unnötig zum Gift.“ Er empfiehlt, genau auf die Qualifikation der Firmen zu achten.

Wespennester können auch an versteckten Orten auftauchen, etwa unter dem Holzbelag eines Balkons.
Wespennester können auch an versteckten Orten auftauchen, etwa unter dem Holzbelag eines Balkons.

„Wespenberater versuchen, Ängste abzubauen und geben Tipps im Umgang mit den Insekten“, sagt Hüter. So ließen sich Wespen ganz einfach vom Esstisch weglocken, indem man ihnen in einiger Entfernung auf einem Teller eine Ablenkfütterung anbiete, etwa halbierte, reife Früchte. Lebensmittel sollten im Freien abgedeckt und nach dem Essen nach drinnen gebracht werden. Und noch ein Tipp: Lieber auf bunte Kleidung und Parfüms verzichten, denn davon fühlen sich die Tiere angezogen. „Auf keinen Fall sollte man nach den Wespen schlagen oder sie anpusten“, betont Hüter. „Das macht sie nur aggressiv.“

Erschütterungen vermeiden

Gleiches gelte im Umgang mit Hornissen, die im Gegensatz zu Wespen jedoch nicht an Süßspeisen fressen. Weil Hornissen in Deutschland streng geschützt sind, dürfen ihre Nester nicht vernichtet werden. Wer ein solches bei sich im Garten entdeckt, sollte aber vorsichtig sein, rät Hüter. Allergische Reaktionen auf Hornissenstiche könnten weitaus heftiger ausfallen als bei Wespen, vor allem wenn die Insekten im Schwarm angreifen, etwa wenn ein Nest versehentlich zerstört wird oder mitsamt einem morschen Ast auf den Boden fällt. Hektische Bewegungen und Erschütterungen wie durch Rasenmähen sollte man deshalb in Nestnähe unbedingt vermeiden.

Die Asiatische Hornisse breitet sich in der Region stark aus. Die Aufnahme entstand in Studernheim.
Die Asiatische Hornisse breitet sich in der Region stark aus. Die Aufnahme entstand in Studernheim.

„Im Gegensatz zur streng geschützten heimischen Hornisse, muss die Asiatische Hornisse bekämpft werden“, erklärt Hüter. Die invasive Art, die sich auch in der Region stark ausbreite, habe keine natürlichen Feinde und sei eine Gefahr für unser Ökosystem. Ihre Lieblingsbeute seien Honigbienen. Auch andere bestäubende Insekten stünden auf ihrem Speiseplan. Weil die Nester entfernt werden müssen, um die Ausbreitung der Art einzudämmen, sollten Sichtungen unbedingt gemeldet werden, so Hüter. Zu erkennen seien die Tiere an ihrem im Unterschied zur heimischen Hornisse dunklen Körper, dem gelben Ring am Hinterleib und an den gelben Beinen.

In einem Carport haben Hornissen mit dem Nestbau angefangen.
In einem Carport haben Hornissen mit dem Nestbau angefangen.

Wenden könne man sich an die Obere Naturschutzbehörde der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd per E-Mail an InvasiveArten@sgdsued.rlp.de. Meldungen seien nach einer kostenlosen Registrierung auch über das Portal www.artenfinder.rlp.de möglich.

Mehr zum Thema
x