FRANKENTHAL Wendt Noise Control schreibt wieder schwarze Zahlen

 Zujversichtlich: die Geschäftsführer Leonhard Sonntag (links) und Mohammad Soueidan.
Zujversichtlich: die Geschäftsführer Leonhard Sonntag (links) und Mohammad Soueidan.

Das Frankenthaler Unternehmen Wendt Noise Control, Spezialist für technischen Schallschutz und akustische Messräume, hat die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. 2020 konnte es den Umsatz nach Angaben der Geschäftsführung um mehr als 20 Prozent steigern.

„Die Stahlkonstruktion wiegt 96 Tonnen.“ Es ist ein Kraftwerk in Oman, dessen Größe Wendt-Geschäftsführer Leonhard Sonntag (51) im RHEINPFALZ-Gespräch mit dieser Information deutlich macht. Die Ausmaße der Bauten, an deren Konstruktion und Aufbau die Experten aus Frankenthal maßgeblich mitwirken, sind oft enorm. Und dabei, so unterstreichen es Sonntag und sein Geschäftsführer-Kollege Mohammad Soueidan (40), komme es auf Präzision bis ins Detail an, wenn vorgefertigte Teile, die etwa den von Turbinen ausgehenden Schall dämpfen sollen, dann vor Ort zusammengebaut werden – von Wendt-Fachkräften oder unter Aufsicht eines sogenannten Supervisors, den das Frankenthaler Unternehmen stellt.

„Für Kraftwerke bauen wir auch Gebäude“, erklärt Sonntag. Auch das sei ein anspruchsvolles Geschäft, denn „jedes Land hat da seine eigenen Vorschriften.“ Kleinere Stahlbauelemente fertige man selbst. „Größere Positionen kaufen wir zu, hauptsächlich in Osteuropa und China.“ Neben der sogenannten Schallhaube liefert Wendt bei Kraftwerken, die einen wesentlichen Teil des Geschäfts ausmachen, auch das zugehörige Filterhaus: Die Luft, die zugeführt wird, muss extrem sauber sein, sonst könnten Schäden entstehen. „Wir liefen viele Anlagen für die Industrie“, berichtet der 51-Jährige. Industriekunden brauchten „hauptsächlich Dampf für die Produktion. Dass dabei auch Energie erzeugt wird, ist ein Nebeneffekt.“

Boeing als Kunde

Wie wichtig eine durchdachte Konstruktion für den reibungslosen Betrieb ist, erklärt Sonntag am Beispiel eines flexiblen Panel-Systems, das zum Schallschutz eingesetzt werden kann. An Stellen, an denen mutmaßlich ein Zugang gebraucht wird, wenn zum Beispiel Service- oder Reparaturarbeiten anstehen, können diese Wandelemente nach außen geklappt werden. Das heißt, die Servicekräfte haben, wenn’s darauf ankommt, unverzüglich Zutritt. Und das sei auch aus wirtschaftlichen Gründen wichtig, unterstreicht der Geschäftsführer: Bei einem Kraftwerk könne „jeder Tag Stillstand 100.000 Euro kosten“.

Ein neues Geschäftsfeld hat sich Wendt seit 2016 mit der Konzeption von akustischen Messräumen erschlossen. Kunden kämen aus der Automobil- und der Luftfahrtindustrie, berichtet Sonntag. Unter anderem gehe es darum, dass Autohersteller das „Sounddesign“ ihrer Modelle je nach Typ individuell festlegten – beim eher sportlichen Modell anders als beim typischen Familienfahrzeug. Ein Kombination aus Windkanal und akustischen Messeinrichtungen werde dazu genutzt.

Um welche Größenordnungen es gehen kann, zeigt die Beteiligung des Frankenthaler Unternehmens am Bau einer solchen Messanlage für den Flugzeughersteller Boeing in Seattle (USA): Rund 100 Millionen Euro koste diese Investition, erklärt Sonntag. „Unser Anteil liegt bei vier bis fünf Millionen Euro.“

Stolz ist das Frankenthaler Unternehmen darauf, dass es modernste Technologie mit langer Tradition verbinden kann. 1874 eröffnete Gründer Hermann Wendt ein „Fachgeschäft für Gummiererzeugnisse“ in Berlin; 1926 entwickelten seine Enkel daraus das neue Geschäftsfeld Isolier- und Dämmtechnik. Ab 1960 arbeitete das Fachunternehmen mit einer Zweigniederlassung für die BASF in Ludwigshafen. 2001 bezog die Firma Wendt Sound Insulation Technology (abgekürzt Wendt SIT) ihre neue Zentrale im Frankenthaler Gewerbegebiet Nord.

Wende 2018/19

Leonhard Sonntag, Wirtschaftsingenieur und Spezialist für Leichtbau, übernahm 2016 die Geschäftsführerposition in Frankenthal. Sein Kollege Mohammad Soueidan arbeitet seit 2004 im Unternehmen: Er fing als Elektroinstallateur an, qualifizierte sich weiter und wurde vor gut einem Jahr Geschäftsführer. Dass solche Karrieren möglich seien, „darauf sind wir alle stolz“, sagt Sonntag.

Dass keine einfachen Zeiten hinter dem Unternehmen mit seinen 55 Beschäftigten liegen, verhehlen die beiden führenden Mitarbeiter nicht. In zurückliegenden Jahren habe man „finanziell schlecht“ dagestanden, sagt Sonntag. Die Wende sei 2018/19 eingeleitet worden. Der bisherige Eigentümer, die Kapitalanlagegesellschaft Pinova aus München, verkaufte die Firma. Das chinesische Unternehmen Landtop Technical Acoustic & Engineering, in seinem Heimatland „Marktführer“ (Sonntag), übernahm 70 Prozent des Stammkapitals. Die restlichen 30 Prozent der Anteile liegen nun beim deutschen Management.

„Im vorderen Feld“

Diese Neuaufstellung und die zuletzt positive Marktentwicklung schlägt sich in erfreulichen Zahlen nieder. „Wir sind wieder im schwarzen Bereich“, sagt Mohammad Soueidan; das zurückliegende Geschäftsjahr 2020 sei sogar „das beste der letzten drei Jahre“ gewesen. 2019 erzielte die Wendt Noise Control GmbH nach Angaben ihrer Geschäftsführer einen Umsatz von 10 Millionen Euro. 2020 sei der geplante Umsatz von 12,5 bis 13 Millionen Euro „nahezu erreicht“ worden, erklärt Leonhard Sonntag. „Das heißt, trotz Corona konnten wir die Umsatzziele realisieren und den Umsatz im Vergleich zu 2019 sogar um mehr als 20 Prozent steigern.“

In Europa sieht sich Wendt Noise Control „im vorderen Feld“, wenn es um die Stellung im Markt geht. „Wir haben da drei bis vier Mitbewerber, alles mittelständische Unternehmen“, sagt Sonntag. Man sei aber weltweit aktiv. Wichtige Aufträge kamen zuletzt auch aus dem asiatischen und arabischen Raum.

Eine 60-Prozent-Beteiligung hält Wendt Noise Control nach Angaben der Geschäftsführer an der IBS Ingenieurbüro für Schall- und Schwingungstechnik GmbH in Frankenthal, mit der man auch zusammenarbeitet. Neue Eigentümer hat mittlerweile die frühere Schwestergesellschaft Wendt Automotive, die als Zulieferer für die Kfz-Industrie tätig ist.

Bekenntnis zum Standort

Den Standort Frankenthal schätzen die Geschäftsführer schon wegen der „hervorragenden Verkehrsanbindung“ (Sonntag). Zusammenarbeit gebe es auch mit örtlichen Firmen wie KSB und Howden Turbo. Nicht zuletzt als Bekenntnis zum Standort wollen die Verantwortlichen ihre Entscheidung verstanden sehen, nach langjähriger Pause wieder Ausbildungsplätze anzubieten. Drei Azubis beschäftige man zurzeit. Auch bei dualen Studiengängen, einer Mischung aus Studium und praktischer Berufstätigkeit, wolle man sich engagieren.

Wie sich das Geschäftsjahr 2021 angesichts der weltweiten Corona-Pandemie entwickeln wird, „das weiß niemand“, sagt Leonhard Sonntag. Im Anlagenbau seien Veränderungen beim Investitionsverhalten immer erst mit einer gewissen Verzögerung erkennbar. Gleichwohl gelte: Schon der Blick auf den Kraftwerksmarkt zeige, dass die Nachfrage weltweit noch lange steigen werde – und das sei auch mit entsprechenden Chancen für auf diesen Bereich spezialisierte Zulieferer verbunden.

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