Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Was im Maschinenraum der Stadt passiert

Eins von 70 Fahrzeugen, mit denen der Eigen- und Wirtschaftsbetrieb in Frankenthal unterwegs ist: der Rotopress-Müllwagen.
Eins von 70 Fahrzeugen, mit denen der Eigen- und Wirtschaftsbetrieb in Frankenthal unterwegs ist: der Rotopress-Müllwagen.

Wie lang ist das Frankenthaler Kanalnetz? Wie viel Kraftstoff braucht der städtische Fuhrpark pro Jahr? Mitglieder kommunaler Gremien sollten wissen, worüber sie entscheiden. Der für den Eigen- und Wirtschaftsbetrieb (EWF) zuständige Ausschuss hat am Samstag viel erfahren – und einiges dazugelernt.

Mit 210 Beschäftigen und einem 70 Fahrzeuge großen Fuhrpark hat der EWF die Dimension eines mittelständischen Unternehmens. „Wir sind ausschließlich Dienstleister und müssen pro Jahr rund 22 Millionen Euro erwirtschaften“, erklärt Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU). Der Standort in der Ackerstraße sei historisch gewachsen, man habe im Laufe der Jahre Wohnhäuser zu Büroräumen umgebaut, ergänzt Betriebsleiterin Astrid Anders. Dass es dort einen Schwarz-Weiß-Bereich gebe, führt zur ersten Nachfrage. Der spezielle Raum werde in Straßenkleidern betreten und in der Arbeitskluft verlassen – oder umgekehrt. Dadurch könne die Übertragung von Schadstoffen vermieden werden, so die EWF-Chefin.

Zapfsäulen ohne Preise

An der Tankstelle fällt auf, dass die Zapfsäulen keine Preise anzeigen. Warum? Sie sind nur für den internen Gebrauch. 190.000 Liter Diesel und 10.000 Liter Super würden jährlich von städtischen Fahrzeugen abgezapft, informiert Abteilungsleiter Juan Carlos König. Die Anlage könne im Katastrophenfall – etwa von der Feuerwehr – mit Notstrom genutzt werden. Und wie schaut's mit Elektromobilität aus? Hybridfahrzeuge seien im Einsatz. „Wir wollen aber keinen Strom aus Atomkraftwerken“, formuliert Astrid Anders die EWF-Philosophie. Wasserstoff-Technologie sei schön und gut, die nächste Tankstelle aber von Frankenthal noch viel zu weit entfernt.

Dass Sicherheit in den Arbeitsabläufen oberste Priorität hat, veranschaulicht Betriebsmeister Harald Schill in der Reifenmontage. Zum Aufpumpen müsse der Pneu in einen Metallkäfig verfrachtet werden. Den Wechsel von Sommer- auf Winterreifen spart man sich inzwischen per Allwetterbereifung. Dass in der Kfz-Werkstatt so gut wie alle Reparaturen an den rund 200 städtischen Fahrzeugen durchgeführt würden, versetzt einige Ausschussmitglieder in Staunen. Sogar einen eigenen Bremsprüfstand gibt es.

Arsenal für Winterdienst

Der Blick in die Schreinerei und Schlosserei macht deutlich, dass an modernem Gerät kein Mangel besteht. Holzarbeiten fallen auf Kinderspielplätzen oder bei Büroregalen an. Die Schlosser kümmern sich um Brunnenanlagen im Stadtgebiet oder helfen beim Beseitigen von Vandalismusschäden, wie zuletzt an den Toiletten des Hauptfriedhofs. Der EWF unterhält darüber hinaus auch eine kleine Malerabteilung, deren Dienste aktuell in der Feuerwache gefragt sind.

Abteilungsleiter Stephan Nießner lenkt den Blick auf das Arsenal von Umbauteilen, die kurzfristig für den Winterdienst flottgemacht werden können. In die Jahre gekommen ist das Salzsilo, das laut Nießner etwa 100 Kubikmeter fasst und zur Hälfte gefüllt ist. Warum es aus Holz ist, liegt auf der Hand: Das Naturmaterial atmet und beugt Verklumpungen vor. Allerdings steht die Instandsetzung des Dachs an.

Szenenwechsel zur Betriebsstätte im Nachtweideweg, wo die Verantwortlichen für Abwasserbeseitigung und Grünunterhalt arbeiten. Das Gewächshaus – Relikt aus Zeiten der Stadtgärtnerei – sei nicht mehr im Betrieb und werde als Lager genutzt, erzählt Meike Kaever-Müller. Sie zeigt eine Grünfläche, die nicht mehr gemäht werde und sich zur Blumenwiese verwandelt habe. Das Areal gleich nebenan betreuen die Auszubildenden – derzeit zwei, ab August vier. Laut Kaever-Müller werden die Azubis auch fürs Herrichten der Boulebahn in Flomersheim, für eine Urnenanlage auf dem Hauptfriedhof und für Bänke im Ostpark eingesetzt. Außerdem haben sie sich beim Restaurieren der Mauer des alten jüdischen Friedhofs nützlich gemacht.

Der Blick in die Röhre

Jens Becke, beim EWF für abwassertechnische Einrichtungen zuständig, nennt zwei eindrucksvolle Zahlen: Das Frankenthaler Kanalnetz ist 160 Kilometer lang, im Abstand von 50 Metern befinden sich Schächte. Mit dem modernen Kamerafahrzeug könne man auch den letzten Winkel des Kanals erreichen und aufnehmen. Die Spülfahrzeuge seien mit einer Rückgewinnung ausgestattet, sodass das Wasser wieder verwendet werden könne.

Bei der Frage, wie die Ratten im Kanal bekämpft würden, weist Becke darauf hin, dass Gift mit dem Schmutzwasser nicht in Berührung kommen dürfe. Inzwischen habe man eine relativ preiswerte Lösung gefunden. Eine Falle koste rund 50 Euro. Die Köder würden nach zwei Wochen kontrolliert und dann wieder entfernt. Er stellt klar, dass der EWF nur für Kanalisation und öffentliche Flächen zuständig sei, auf Privatgrundstücken stehen die Eigentümer in der Pflicht.

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