Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Kinder im Ort gerne Flöte spielen

„Die Kinder müssen freiwillig kommen“, sagt Elfi Guth. Ihre Flötenkreise in Bobenheim-Roxheim haben keine Nachwuchssorgen.
»Die Kinder müssen freiwillig kommen«, sagt Elfi Guth. Ihre Flötenkreise in Bobenheim-Roxheim haben keine Nachwuchssorgen.

Flöte spielen: Das wollen trotz Ganztagsschule und den Verlockungen der Playstation in Bobenheim-Roxheim immer noch erstaunlich viele Kinder. Das könnte auch an Elfi Guth liegen. Seit vier Jahrzehnten leitet die 69-Jährige den Flötenkreis der protestantischen Kirchengemeinde. Eine einstige Schülerin ist dabei besonders treu.

Drei Gruppen betreut Elfi Guth. Die Erwachsenen treffen sich jeden zweiten Dienstag im Martin-Luther-Gemeindehaus, die beiden Kindergruppen kommen montags. Normalerweise. Seit März haben die drei Flötenkreise wegen der Corona-Pandemie nicht mehr geprobt – und auch keines der vielen sonst üblichen Konzerte absolviert.

Den ersten öffentlichen Auftritt hatten Guth und ihre Flöten an Heiligabend 1979. Was danach folgte, darf man eine kontinuierliche Erfolgsgeschichte nennen. Die Initiative zur Fortführung der Flötengruppe ging 1980 vom damaligen Pfarrer Joachim Geiling aus. „Er hat mich gefragt, ob ich das machen will“, sagt Guth. Dabei hatte man zunächst die musikalische Aufwertung der Gottesdienste im Blick. Doch recht schnell entwickelte sich der Flötenkreis zu einer echten Größe im örtlichen Kulturleben. Die Zahl der musizierenden Kinder- und Jugendlichen nahm beständig zu. Das Gleiche galt für die Zahl der öffentlichen Auftritte. Vor allem bei den Adventsfeiern der örtlichen und auswärtigen Vereine war die Gruppe schon immer gern gesehen. Aber auch bei Senioren- und Festveranstaltungen der Gemeindeverwaltung und der Kirchengemeinden sorgte sie für einen feierlichen Rahmen.

Hunderte Kinder unterrichtet

Fast alle Kinder und Jugendlichen hatten bei ihrem Einstieg keine instrumentalen Kenntnisse. „Es geht also immer erst mal um die Grundausbildung“, erklärt Elfi Guth. Hunderte von Kindern haben in den letzten 40 Jahren das Flötenspiel bei ihr gelernt. Es sei vor allem das gute zwischenmenschliche Miteinander, das die Gruppen beflügelt und für einen derart langen Weg gesorgt hat, sagt die Leiterin. In der Erwachsenengruppe hat sie heute noch Mitglieder, die seit über 30 Jahren zusammen musizieren. Nicht zu toppen ist die Aktivenzeit von Claudia Beth, die vor 40 Jahren mit der Leiterin Elfi Guth begonnen hat – und noch immer dabei ist.

Von einigen Kindern haben bereits die Eltern – meist die Mütter – bei Elfi Guth im Flötenkreis gespielt. Großen Wert legt sie immer auf die freie Entscheidung der Kinder. „Es soll ja Spaß machen.“ Bei der Ausbildung werde kein Druck aufgebaut. Machen Kinder schnell Fortschritte, rücken sie zu den Fortgeschrittenen auf. Wer es nicht so eilig hat oder wem die Zeit zum Üben fehlt, der geht auf dem gleichen Weg halt kleinere Schritte. Elfi Guth hat dafür ein Gespür entwickelt.

Auch nach 40 Jahren keine Lust aufzuhören

Sie selbst hat kein Musikstudium absolviert, sondern ihre Liebe zum Flötenspiel in der sechsten oder siebten Klasse entdeckt. Vieles hat sie sich selbst beigebracht. Gerade bei der Erwachsenengruppe legt sie großen Wert auf Teamwork. Bei der Auswahl der Stücke aus Klassik und Moderne spreche man sich ab.

Die Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche seien heute viel größer, und auch der Medienkonsum sei gestiegen, die Freizeit werde zudem durch die Ganztagsschule knapper, beobachtet Guth. Ihren Gruppen ist es trotzdem gelungen, attraktiv zu bleiben. Auch nach 40 Jahren hat der Flötenkreis keine Nachwuchssorgen. Und Elfi Guth selbst denkt mit 69 noch lange nicht ans Aufhören. „Weil es uns halt immer noch viel Freude macht.“

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