Frankenthal
Warum Johanna Regenauer ein Buch über die Angst geschrieben hat
Zurzeit steht die Schauspielerin in dem musikalischen Schauspiel „Wie im Himmel“ auf der Bühne des TAW. Ihr Lampenfieber managt sie mit Atemübungen. Doch das war nicht ihre einzige Angst: die Angst als Kind allein im Dunkeln, die Brust wie zugeschnürt, Monster unterm Bett. Später dann Versagensängste vor Auftritten. Und schließlich Panikattacken, plötzlich angeflogen. Ein Gefühl von Enge, Dunkelheit, Lähmung: „Irgendwann konnte ich kein Auto mehr fahren“, erinnert sich die Neuhofenerin.
Die verschiedensten Ängste und Panikattacken begleiten Johanna Regenauer schon seit ihrer Kindheit. „Angst ist ein Thema, das viele von uns betrifft, umso wichtiger ist es, darüber zu sprechen“, sagt sie. Angststörungen und Panikattacken sind hierzulande weit verbreitet. Die meisten Therapieansätze dagegen zielten auf Widerstand, auf das Bekämpfen der Angst. Doch die Schauspielerin entdeckte einen anderen Weg. „Die Angst aushalten, sie einladen, anhören, was mir die Angst zu sagen hat“, nennt sie ihn.
Unsicherheit in der Pandemie
Wovon hält mich die Angst ab? Wovor beschützt sie mich? Diesen Fragen stellte sich Regenauer während der Corona-Krise. Als eine existenzielle Unsicherheit besonders die Kulturschaffenden betraf, lernte sie den transformationstherapeutischen Ansatz von Robert Betz kennen und weiß seither: „Wir kreieren unsere Ängste selbst.“ Nach einer Transformationswoche bei dem bekannten Therapeuten machte Johanna Regenauer eine zweijährige Ausbildung zur Transformationstherapeutin und bietet an ihrem Wohnort Neuhofen nun selbst therapeutische Sitzungen und individuelles Life-Coaching an.
Nach einem Vorgespräch werde das Angstgefühl analysiert. Dann gehe es auf Spurensuche: In einer „Wach-Trance-Sitzung“ werde das Unterbewusstsein befragt und in die eigene Vergangenheit meist bis in die Kindheit zurück geblickt. Es gehe darum, die Eigenverantwortung der Klienten zu stärken, erklärt Regenauer.
Ein gewisser Herr Schröder
Ihre Angst hat Regenauer visualisiert und personalisiert: Sie heißt, im Leben wie in dem im Selbstverlag erschienenen Buch, „Herr Schröder“. Ihn hat sie in Fotos, Bildern, Texten und Szenen künstlerisch bearbeitet und dabei viel über den Körper gefühlt. Entstanden ist daraus ein Buch, das sich vor allem an Kinder und junge Menschen richtet. Es gelte, Verständnis zu entwickeln mit den diversen Arten des Umgangs mit Angst: „Manche ziehen sich zurück, andere werden starr, wieder andere aggressiv“, hat Regenauer beobachtet.
Erstmals mit ihrem Thema in die Öffentlichkeit geht Regenauer am 24. März bei der szenischen Lesung aus dem Buch „Ich bin’s, deine Angst“. Dabei werden sie und TAW-Leiter Jürgen Hellmann Passagen aus dem Buch vortragen, es gibt Akustik-Effekte und interaktive Übungen mit dem Publikum. Bei aller Schwere des Themas soll der Spaß nicht zu kurz kommen: „Herr Schröder, der Leiter der Angst-Agentur, hat auch eine gesunde Portion Humor“, lässt Hellmann durchblicken. „Und Katharina, die Protagonistin, weiß Schröders Bemühungen, sie in ihrem Angsterleben zu unterstützen, nicht so recht zu schätzen.“
Termin
Die szenische Lesung ist am Sonntag, 24. März, 11 Uhr, im TAW, Wormser Str. 109 in Frankenthal. Informationen im Netz: www.mona-life.de