Frankenthal
Warum das Rathaus für unangemeldeten Besuch geschlossen bleibt
Die Sieben-Tage-Inzidenz in Frankenthal ist so niedrig wie lange nicht mehr. Will die Stadt nicht öffnen oder kann sie (noch) nicht?
„Wir wollen die Verwaltung wieder für die Bürger öffnen, das will auch der ganze Stadtvorstand“, betont Pressesprecherin Xenia Schandin. Aber eine rasche Rückkehr zu offenen Türen und Behördengängen ohne vorherige Terminvereinbarung in der jeweiligen Dienststelle sei trotz des guten Willens nicht sehr realistisch. Auch wenn die Lockerungen und das aufblühende Stadtleben da anders wirkten, die Corona-Pandemie sei deswegen ja noch nicht vorbei und damit auch nicht das Risiko einer Ansteckung, sagt Schandin. „Das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen.“
Was sind die größten Hindernisse auf dem Rückweg zu behördlicher Normalität aus Sicht der Verantwortlichen im Rathaus?
Ganz grundsätzlich hält die Stadt in ihrer Reaktion auf die RHEINPFALZ-Anfrage zur Öffnungsdebatte fest, dass in ihren Gebäuden weiterhin die aus bisher 15 Monaten Pandemie vertrauten Hygieneregeln gälten. Das heißt: Situationen mit langen Warteschlangen auf den Gängen, die bei einem unkontrollierten Besucherstrom entstehen könnten, die gelte es zu verhindern, sagt Xenia Schandin. Unter anderem deshalb sei vor einem knappen Jahr das System zur Online-Terminvergabe eingeführt worden. Aus demselben Grund sitzen zumindest in der Pförtnerloge am Seiteneingang des Rathauses und am Empfang im Verwaltungsgebäude im Neuermayerring immer noch Sicherheitsleute, die Kontaktformulare ausgeben und Temperatur messen.
Die unterschiedlichen Bereiche innerhalb der Verwaltung haben auch unterschiedlich viele Besucher. Macht es das noch ein bisschen komplizierter?
Ja, das ist ein weiterer Punkt, den auch die Pressesprecherin anführt. Während bei einem Bauantrag der Kontakt zu dem jeweiligen Sachbearbeiter per E-Mail gehalten werden könne, sehe es beim Bürgerservice, wo viele Dinge nur direkt zu klären sind, schon anders aus, erläutert Schandin. Häufig sei es zudem die räumliche Situation, die mehr Besucherverkehr kaum erlaube – etwa in Großraumbüros, die noch nicht wieder voll besetzt werden können. Genau aus diesen Gründen seien etliche Verwaltungsleute auch nach wie vor im Homeoffice tätig.
Hat das System der Terminvergabe online, per E-Mail oder Telefon nicht vielleicht doch zu einem Stau unerledigter Vorgänge geführt?
Jedenfalls hat die Pandemie die Arbeit der Verwaltung nicht unbedingt beschleunigt. Im Schnitt gibt es nach Auskunft der Stadt derzeit vier Wochen Vorlauf für einen Termin, weil deren Organisation ja auch Zeit frisst. „Trotzdem hat sich dieses System aus Sicht der Mitarbeiter bewährt“, sagt Xenia Schandin. Der Wunsch, wieder mehr Kunden bedienen zu können, sei auf alle Fälle da. Derzeit liefen dazu Gespräche mit allen Fachbereichsleitern.
Ab und zu fällt der Vorwurf, die Verwaltung habe sich im Rathaus „verschanzt“. Trifft das zu?
Nein, sagt die Stadt. „Dass das Rathaus zu war, bedeutete nicht, dass dort nicht gearbeitet wurde“, stellt Sprecherin Schandin klar. Die Verwaltungsarbeit sei weitergegangen und in Härtefällen hätten sich immer Lösungen gefunden. Die zuständigen Leute telefonisch zu erreichen, sei „manchmal schwierig, aber nicht unmöglich“. Schandin nennt noch einen Punkt: Auch die Stadt als Arbeitgeber trage Verantwortung, ihre Leute vor Infektionen mit dem Corona-Virus zu schützen. Dass es gelungen sei, das auf eine überschaubare Anzahl von Fällen zu begrenzen, sei organisatorischen Vorkehrungen wie Telearbeit und Schichtsystemen zu verdanken.
Hinkt der Vergleich beispielsweise mit dem Einzelhandel?
Ja, findet Pressesprecherin Xenia Schandin. Im Gegensatz zu den meisten Läden sei die Aufenthaltsdauer für eine Erledigung im Rathaus länger. „Und es findet immer ein Eins-zu-eins-Kontakt statt“, betont sie. In einem Geschäft sei das ja nicht immer der Fall.
Gibt es einen heißen Tipp für die Frankenthaler Bürger?
Naja, zumindest einen gutgemeinten Rat. Schwierig sei halt schon, wenn Einzelnen zehn Tage vor dem Antritt einer Auslandsreise einfalle, dass der Reisepass abgelaufen sei und dringend erneuert werden müsse. Jörg Schmihing