Vorderpfalz
Warum bei Hochzeiten kein Reis geworfen werden darf
Glück, Wohlstand und viele Nachkommen: Das wünscht man den Frischvermählten traditionell mit Reis. Ein Brauch, den man in Frankenthal für nicht mehr zeitgemäß hält. Als Fair-Trade-Stadt könne man diese Art der Lebensmittelverschwendung nicht befürworten, heißt es auf RHEINPFALZ-Anfrage. Weitere Argumente gegen das Werfen der kleinen, hellen Körner: Umweltschutz und Sauberkeit. Beides gelte auch für Konfetti, Blütenblätter und Plastikglitzerherzen. All das darf im Frankenthaler Rathaus und auf den Treppen davor nicht gestreut werden. Die Reinigung, insbesondere der Haupttreppe, sei generell schwierig – gerade bei Regen – und zwischen den Trauungen nicht möglich. „Wir möchten jedem Brautpaar ein sauberes Ambiente bieten, auch im Hinblick auf die Hochzeitsfotos“, betont eine Stadtsprecherin.
Über die seit etlichen Jahren bestehenden Regelungen würden Brautpaare bei der Anmeldung informiert. Widerspruch dagegen habe es bisher nie gegeben. „Allerdings plant die Begrüßung des Brautpaares nach der Trauung oft nicht das Paar selbst, sondern die Trauzeugen oder andere Gäste – diese lassen sich nicht immer erreichen“, so die Erfahrung im Frankenthaler Standesamt. Grundsätzlich sei die Akzeptanz für die Regelung aber sehr groß. Gäste würden stattdessen auf Seifenblasen, Fähnchen oder Bänder ausweichen.
LU erhebt Reinigungskosten
In Ludwigshafen wird das Verbot, Reis, Blütenblätter und Konfetti zu werfen, laut Verwaltung ebenfalls problemlos akzeptiert. Die Information darüber erfolge mit der schriftlichen Terminbestätigung des Standesamtes. Auch in der Chemiestadt begründet man die Regelung in erster Linie mit der teils massiven Verschmutzung. Gerade bei Regenwetter könnten die Reiskörner aufquellen und durch das Schuhwerk verteilt werden. Wer sich nicht an das Verbot hält, muss anfallende Reinigungskosten tragen.
Erfahrungsgemäß seien es eher Gäste als das Brautpaar selbst, die gegen die Regeln für Trauungen verstoßen, so die Beobachtung in Speyer. Insbesondere mit Rosen- und anderen Blütenblättern hat man in der Domstadt in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht. Die Flecken durch die ätherischen Öle sowie die Farbpigmente seien von den offenporigen, hellen Sandsteinbodenfließen beim Rathaus nur schwer zu entfernen. Erlaubt sei das Streuen weniger Blütenblätter beim Auszug des Paares im Vorraum des Trausaals, da dieser mit glattem, versiegeltem Parkett ausgelegt ist. Allerdings nur unter der Bedingung, dass diese selbst wieder entfernt werden. Gelassen sieht die Speyerer Verwaltung den Einsatz von Blüten und Blättern bei Hochzeiten in der Traukapelle im Adenauerpark. Das „biologisch abbaubare Pflanzenmaterial“ sei in dieser natürlichen Umgebung unproblematisch.
Speyer: Unfallgefahr durch Reis
Reis ist in Speyer nicht nur wegen der Schwierigkeiten bei der Reinigung, sondern auch aus Sicherheitsgründen unerwünscht. In den vergangenen Jahren sei es bereits zu Unfällen gekommen, wenn Menschen auf den glatten Körner ausgerutscht seien. Konfetti oder Papierschnipsel würden durch den Wind nicht nur über den Vorplatz des Rathauses, sondern auch zu anliegenden Gastronomiebetrieben getragen. „Dies stellt eine Umweltbelastung dar, eine Reinigung dieser Materialien gestaltet sich als zeitaufwendig und schwierig“, betont die Pressestelle. Als Alternative empfehle das Standesamt Seifenblasen. Luftballons müssen in Speyer übrigens, je nach Anzahl und Art, angemeldet und genehmigt werden.
