Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wärmenetz für Bobenheim-Roxheim derzeit keine Option

Die Wärmepumpe scheint in Bobenheim-Roxheim bis auf Weiteres die beste Alternative zur Gasheizung zu sein.
Die Wärmepumpe scheint in Bobenheim-Roxheim bis auf Weiteres die beste Alternative zur Gasheizung zu sein.

Muss eine Wärmepumpe her, bevor bald der Gashahn zugedreht wird? Das fragen sich Hausbesitzer in Bobenheim-Roxheim anlässlich der kommunalen Wärmeplanung.

Der Ratssaal ist gut gefüllt, als die Gemeinde Bobenheim-Roxheim den zweiten Infoabend zum Thema kommunale Wärmeplanung veranstaltet. Nachdem die Mitarbeiter der EnergyEffizienz GmbH Daten erhoben und Potenziale erkundet haben, wollen sie den gespannten Bürgern nun sagen, wie eine klimaneutrale Wärmeversorgung in ihrem Wohnort aussehen könnte. Landesweit bis 2040, bundesweit bis 2045 muss das Realität sein.

An die Aufgabe, ein zukunftsfähiges Energiekonzept zu erstellen, sei man technologieoffen herangegangen, sagt Steffen Molitor vom Lampertheimer Fachbüro EnergyEffizienz und versichert den Zuhörern: „Es entstehen aus unserem Konzept keine Verpflichtungen, kein Anschlusszwang, kein Zwang zum Heizungsaustausch.“ Seine Kollegin Romina Hafner fasst das Wichtigste aus der Bestandsanalyse zusammen.

65 Prozent der Bobenheim-Roxheimer Gebäude seien vor der ersten Wärmeschutzverordnung gebaut worden. „Hier sind Erfolge durch Sanierungen möglich“, sagt sie. Mit 67 Prozent sei Erdgas der vorherrschende Energieträger. Insgesamt hat Bobenheim-Roxheim den Experten zufolge einen Wärmebedarf von 100 Gigawattstunden im Jahr, herausragend im Verbrauch seien die Quartiere Pfalzring und Frankenthaler Straße sowie das Gewerbegebiet in Roxheim. Photovoltaik und Solarthermie erscheinen in der Gemeinde als die am besten geeigneten Technologien, um klimafreundlich Energie zu erzeugen.

Kein Potenzial für Nahwärme

Und dann kommt Romina Hafner auf das zu sprechen, was die Bürger im Saal am meisten zu interessieren scheint: Gibt es in Bobenheim-Roxheim das Potenzial für die Einrichtung eines oder mehrerer Wärmenetze, mit denen sich ganze Wohnviertel versorgen ließen? Die Antwort ist ernüchternd: Kein Gebiet sei dafür geeignet. Und das seit 2014 bestehende Nahwärmenetz für Rathaus, Feuerwehr, Pflegeheim und Kindergarten könne nicht effizient erweitert werden. Das mögen einige Zuhörer nicht glauben und wollen die Gründe wissen.

Ein Nahwärmenetz soll viel Wärme über möglichst kurze Strecken verteilen. Das heißt, es benötigt einen zusammenhängenden größeren Bereich mit hohem Wärmebedarf. In Bobenheim-Roxheim aber besteht die vorherrschende Gebäudestruktur aus Einfamilienhäusern, und in den großen Mehrfamilienhäusern hat man es häufig mit verschiedenen Eigentümern zu tun, die sich bei einer Heizungsumstellung einig werden müssen. Größere Abnehmer von Wärme gibt es zwar, aber ein Schulzentrum in einem Umfeld von Eigenheimen reicht nicht, und das Industrie- und Gewerbegebiet im Süden Roxheims zieht sich sehr in die Länge.

Selbst wenn ein Nahwärmenetz technisch machbar wäre: Dass es effizient und rentabel betrieben werden könnte, schließen die Akteure der Wärmeplanung, darunter die Gemeindewerke, derzeit aus. Das Fazit der Lampertheimer Fachleute: In Bobenheim-Roxheim sollte die dezentrale Wärmeversorgung angestrebt werden. Jeder Hauseigentümer muss für sich nach Lösungen suchen, um die gesetzlichen Rahmenbedingungen mit dem Ziel Klimaneutralität zu erfüllen. Zum Beispiel mit Wärmepumpe, Erdwärmekollektoren oder Solarthermie.

Werke-Chefin schließt zentrale Lösung nicht aus

„Wir verstehen sehr gut, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich eine zentrale Lösung wünschen und hoffen, dass die Gemeindewerke gemeinsam mit dem Betriebsführer und Netzbetreiber, den Stadtwerken Frankenthal, hierfür Perspektiven entwickeln“, sagt die Geschäftsführerin der Gemeindewerke, Birgit Adrian. Man schließe zentrale Optionen für die Zukunft nicht aus, aber es müsse sorgfältig geprüft werden, ob und wie sich diese wirtschaftlich und technisch darstellen lassen. Adrian nennt als mögliche künftige Einflussfaktoren die Erschließung von Neubaugebieten oder dass sich Rahmenbedingungen, Förderkulissen oder technische Möglichkeiten verändern.

Manche Hauseigentümer, die noch etwas länger an ihrer Erdgasheizung festhalten wollen, treibt die Sorge um, dass in Bobenheim-Roxheim das Gasnetz abgeschaltet werden könnte, wenn die Zahl der Abnehmer stetig sinkt. Dazu gebe es derzeit keine Planungen, versichert Birgit Adrian. Gleichwohl seien die Werke an Gesetze und Vorgaben der Bundesnetzagentur gebunden. „Wir beobachten die bundesweiten Entwicklungen sehr genau und werden mögliche Veränderungen frühzeitig kommunizieren“, betont die Geschäftsführerin auf Anfrage der RHEINPFALZ. Kunden hätten Planungssicherheit, denn der Rückbau eines Gasnetzes müsse zehn Jahre im Voraus angekündigt werden. Das mit Gas betriebene Nahwärmenetz am Rathaus werde man stufenweise – zum Beispiel durch Wasserstoffbeimischung oder Biogas – in einen klimaneutralen Betrieb umwandeln.

Grüne wollen interne Dokumente einsehen

Auf die Risiken und Kosten einer abnehmenden Auslastung des Gasnetzes hebt auch ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen in Bobenheim-Roxheim ab. Die Gemeinderatsfraktion verlangt von den Gemeinde- beziehungsweise Stadtwerken den Zugang zu Informationen gemäß dem Landestransparenzgesetz. Sie will Gutachten, Berechnungen und Analysen einsehen, die sich unter anderem mit den langfristigen Kosten für Gasnetznutzer und dem Stromnetzausbau befassen.

Die Berater von EnergyEffizienz schlagen der Gemeinde vor, ihre Bürger über Optionen dezentraler Wärmeversorgung zu informieren und zu beraten, eine Offensive für Gebäudesanierungen zu starten und integrierte energetische Quartierskonzepte zu entwickeln. Laut Birgit Adrian wird die kommunale Wärmeplanung alle fünf Jahre aktualisiert. Das jetzt erstellte Konzept kann bis zum 5. März im Rathaus eingesehen werden und ist auf www.bobenheim-roxheim.de veröffentlicht. Schriftliche Stellungnahmen nimmt die Verwaltung in Papierform oder per E-Mail an bauen@bobenheim-roxheim.de entgegen.

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