Frankenthal
Vom Friseur zur Lagerlogistik: Eine Auszubildende berichtet
Während ihrer Ausbildung zur Friseurin merkte die 20-Jährige aus Bobenheim-Roxheim schnell, dass das nicht ihr Traumberuf ist. „Am Friseurstuhl macht man nicht nur die Haare schön. Man ist auch Psychologe und erfährt viel über die Probleme der Kunden. Das war nicht so mein Ding“, erzählt Hahn. Als sie ihren Abschluss in der Tasche hatte, streckte Hahn sofort ihre Fühler aus. Bei Howden arbeitet ihr Freund als Industriemechaniker, und sie hat dort zahlreiche Bekannte. Unter den fünf Ausbildungsberufen gefiel Hahn das Berufsbild Facharbeiter für Lagerlogistik am besten.
Zum Ende ihres ersten Lehrjahrs stellt Hahn nun fest, dass sie eine gute Wahl getroffen hat. „Daheim bin ich zwar nicht die Ordentlichste. Aber in der Firma liegt es mir, dass Lagerlogistik viel mit Ordnung und Systematik zu tun haben.“ Wegen der Arbeitsschutzbestimmungen bindet sie sich die langen blonden Haare zu einem Zopf und verzichtet auf Schmuck. Nur die lackierten aufgeklebten Fingernägel hat die junge Frau beibehalten. „Manchmal bricht ein Nagel ab. Wir haben schließlich nicht nur mit Technik zu tun, sondern auch mit Handarbeit“, meint sie lächelnd. Das Stemmen schwerer Gewichte nehmen die 17 männlichen Kollegen den insgesamt vier Lagerlogistikerinnen gern ab. „Das ist bei uns selbstverständlich“, erklärt Ausbildungsleiter Jonas Hessel, der die Erfahrung gemacht hat, dass eine Mischung der Geschlechter gut ist für das Betriebsklima.
Dank Stapler-Führerschein sicherer im Verkehr
Am liebsten nimmt Hahn am Wareneingang die vielen Päckchen mit Werkzeug und Bauteilen entgegen. Sie schätzt die Gespräche mit den Lieferanten und das Auspacken. „Das ist wie jeden Tag Weihnachten.“ Über ein Rollband gelangen die Sendungen aus aller Welt zur elektronischen Warenaufnahme. Hat Hahn sie ins System aufgenommen, wandern die Neuzugänge auf Paletten per Handstapler oder Gabelstapler in das Großteile- oder Kleinteilelager. Den Führerschein für Gabelstapler hat Hahn bereits in der Tasche und kommt seitdem auch mit ihrem privaten Kleinwagen im Straßenverkehr besser klar, erzählt sie. Demnächst wird sie an einer Schulung für das Bedienen der Hochregal-Stapler teilnehmen. Diese befördern die Ware bis auf Regale in Höhe von zehn Metern. „Teil der Schulung ist ein Abseil-Training, da man am Hochregal hängenbleiben kann und aus eigener Kraft wieder hinunterkommen muss.“
„Weiblichem Nachwuchs Mut machen“
Um weiblichen Nachwuchs in klassischen Männerberufen zu gewinnen, hat sich Howden am Girls Day, einer Initiative von Unternehmen, beteiligt. Neben Informationen über das Ausbildungsangebot gab es auch praktische Einblicke, berichtet Organisatorin Silvia Friedrich von der Howden-Personalabteilung. Drei Schülerinnen im Alter von 13 bis 17 Jahren durften Armbänder hämmern und an der CNC-Fräsmaschine ihre eigenen Namensschilder herstellen. Alle Besucherinnen möchten später bei Howden ein Praktikum absolvieren. Eine Teilnehmerin hat außerdem eine Ausbildung zur Mechatronikerin ins Auge gefasst. „Hätte es in meiner Schulzeit einen solchen Infotag gegeben, ich hätte gerne mitgemacht“, meint Hahn im Rückblick. Ihr persönliches Fazit der Veranstaltung, bei der sie den Teilnehmerinnen von ihren Erfahrungen berichtete: „Berührungsängste mit herkömmlichen Männerberufen lassen sich am besten abbauen, wenn Frauen von ihrem Arbeitsleben erzählen. Das macht dem weiblichen Nachwuchs Mut.“