Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Viel positive Energie: Konzert der Henry Girls

 Drei von sechs Schwestern der nordirischen Familie McLaughlin bilden das Folk-Trio The Henry Girls.
Drei von sechs Schwestern der nordirischen Familie McLaughlin bilden das Folk-Trio The Henry Girls.

Irische Folkmusik bei tropischen Temperaturen: Das erlebten rund 200 Besucher in der protestantischen Kirche Bobenheim-Roxheim. Das Konzert des Folk-Trios The Henry Girls gab den Startschuss zu einer Fundraising-Aktion zur Finanzierung der Kirchturm-Sanierung.

Kultur und volle Kirchenbänke – diese Kombination freute Hausherr Ralf Hettmannsperger ganz besonders. Und so dankte der Pfarrer neben anderen Beteiligten und Sponsoren vor allem den Gemeinde-Aktiven Joachim Dietz und Michael Demessiers für die Vermittlung der Künstler und Organisation des Konzerts.Der Altarraum wurde zur Bühne und hunderte rot-grüne LED-Glühwürmchen umflirrten das monumentale Christusbild, als Karen, Lorna und Joleen McLaughlin den Chor betraten und einen glockenreinem A-Capella-Gesang anstimmten. Und sofort fühlte man sich versetzt auf die Grüne Insel. Abgesehen von den Treibhaustemperaturen natürlich. Die Kirche war voll, das Konzert ausverkauft, die Besucher saßen dicht an dicht, und zur Kühlung waren durch die Bank Fächer und Flyer im Dauereinsatz.

Drei von sechs Schwestern in einer Band

Das Publikum nahm es gelassen. Denn die Henry Girls waren ein Erlebnis: Auf Anhieb gelang es den drei studierten Multiinstrumentalistinnen, den Zauber der irischen Folkmusik mit ihren positiven Vibes, antreibenden Rhythmen und sehnsuchtsvollen Melodien im Kirchenraum zu verbreiten. Das Trio punktete mit hoher Musikalität und toller Bühnenpräsenz. Die drei von insgesamt sechs Schwestern aus Malin in Inishowen (Grafschaft Donegal, Nordirland) firmieren als The Henry Girls – der Bandname ehrt ihren Großvater – und sind in der Folk- und Roots-Szene längst ein Begriff. Derzeit auf Deutschlandtour und geradewegs vom Bardentreffen Nürnberg kommend, spielten sie in der Altrheingemeinde mit ansteckender Energie und brachten ihr Publikum mehrmals zum Mitsingen.

Die Henry Girls schreiben ihre Songs selbst und stehen dabei auf dem Boden ihrer keltischen Tradition. Irische und schottische Rhythmen verbinden sie mit feinziseliertem dreistimmigem Harmoniegesang. Zwischendurch blitzte Bluegrass auf, es ging in Richtung Pop und Country, und das alles wirkte frisch, ehrlich, unverfälscht. Die Texte erzählen Geschichten aus dem Leben der einfachen Leute, da geht es mal um Freundschaft („A Friend Like You“) oder um einen Bauern, den die Fährnisse des Lebens weise gemacht haben („How Do You Know“), um den Traum vom Schwimmen im Meer („Falling In Love Again“) und um das Ruhefinden im Alltag („Slow Down“).

Große Virtuosität

Karen, Lorna und Joleen McLaughlin leben ihre Musik von klein auf und verstehen sich instinktiv. Daraus entsteht ein nahtlos organischer Spielfluss, der sowohl in leisen romantischen Stücken als auch bei temperamentvollen Tanzweisen einen positiven Sog entfaltet. Rasant tanzte Karen McLaughlin mit dem Bogen über ihre Fiedel, wenn sie nicht Ukulele und Banjo zupfte. Lorna wanderte souverän zwischen Akkordeon, Flöte und Piano, und Joleen, die „kleine Schwester“, ließ ihre Harfe mal filigran klirren oder satt grooven wie einen Kontrabass.

In instrumentalen Zwischenstücken und Solo-Einlagen zeigten die Künstlerinnen ihre Virtuosität. Neben eigenen Stücken aus mittlerweile sechs Alben hatten The Henry Girls auch einige Klassiker des Early Jazz im Gepäck. So erklang der „St. Louis Blues“ herrlich retro. Ein anderes Stück ihres Jazz-Projekts interpretierten sie launig und im Stil der Boswell-Sisters.

Schieferplatten zu verkaufen

In der Pause zog es die Besucher zum Luftholen nach draußen vors Gemeindehaus. Kalte Getränke waren heiß begehrt. Und nicht nur das: Man konnte auch die herabgefallenen Schieferplatten vom Kirchturm kaufen: das Stück für 20 Euro, wahlweise mit eingraviertem Segensspruch. Eine pfiffige Geschäftsidee von Pfarrer Ralf Hettmannsperger zur Refinanzierung der Turmsanierung.

Den zweiten Konzertteil beschlossen The Henry Girls mit einem romantischen Wiegenlied und dem irischen Reisesegen. Das Publikum spendete stehend Applaus.

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