Frankenthal
Verkaufstruck der Brotpuristen macht mittwochs in Frankenthal Station
Die Truck-Idee erinnert mich an die zuletzt so beliebten Streetfood-Konzepte. Richtig getippt?
Ja, das geht schon in diese Richtung. Wir wollen bewusst ganz vieles anders machen. Das bezieht sich vor allem auf die Produkte, bei denen wir nichts reinmachen, was unserer Überzeugung nach nicht reingehört. Wir wollen uns bewusst von den Bäckereien abheben, die man von früher noch so kennt: mit der Bildzeitung auf der Theke und dem Kühlschrank mit Kaba in der Ecke. Deshalb wollten wir auch ein besonderes Verkaufsfahrzeug und keinen umgebauten Fiat Ducato oder so. Ich war dann auf verschiedenen Streetfood-Festivals unterwegs, um zuschauen, was es so gibt. Fündig geworden bin ich dann im Münchener Raum in Form eines früheren UPS-Trucks. Der hat inzwischen 800.000 Kilometer auf der Uhr, läuft aber super-zuverlässig. Wegen der Höhe des Fahrzeugs haben wir die Klappe so groß wie möglich gemacht und eine zweigeteilte Theke eingebaut.
Inwiefern unterscheidet sich das Sortiment im Brottruck von dem an Ihrem Stammsitz in Speyer?
Wir haben keine speziellen Produkte mit dabei, sondern so etwas wie unser „Best of“: ein Roggenbrot, das zu Herzhaftem und Süßem schmeckt, ein Walnuss-Haselnuss-Brot, ein Ölsaaten-Brot, das ich als eher „kernig“ bezeichnen würde, und ein Dinkel-Emmer-Brot. Wir werden oft nach unserem Baguette gefragt, aber das bekommen wir zeitlich nicht hin. Das wird jeden Tag ab 13.30 Uhr als letzte Sorte gebacken. Und wenn es gegen 14 Uhr fertig ist, haben wir den Truck schon fertig beladen. Um das hinzukriegen, müssten wir sehr viel umstellen. So bleibt das Baguette eben ein exklusives Speyer-Produkt.
Wie kam es zu der Kooperation mit Sven Stiegler in Frankenthal?
Sven Stieglers Bruder Benjamin hat in Speyer schon unser Roggenbrot im Sortiment seiner Edeka-Märkte. Insofern sind wir da sicher auch schon seit über einem Jahr in Kontakt. Der Truck ist aktuell dienstags in Landau und donnerstags in Neustadt – jeweils bei einem großen Gartenmarkt. Der Slot am Mittwoch war also noch frei. Dafür hatten wir Frankenthal schon länger im Blick, weil es verkehrsmäßig gut zu erreichen ist und unser Gebiet Richtung Norden abrundet. Wer jetzt zuerst auf wen zugegangen ist, weiß ich gar nicht mehr genau. Das hat sich irgendwie ergeben.
Sehen Sie sich mit dem mobilen Verkaufsstand als Konkurrenz oder eher Ergänzung zu den lokalen Bäckern?
Natürlich stehen wir in einem gewissen Wettbewerb und sind insofern auch eine Konkurrenz zu den örtlichen Anbietern. Aber wir treten auf keinen Fall an und sagen: Wir wollen denen das Geschäft vermiesen. Ich vergleiche uns da ein bisschen mit der Sternegastronomie, die jeden Tag ein bisschen besser werden muss, oder mit Leistungssportlern, die sich auf eine Disziplin – bei uns das Brotbacken – konzentrieren. Bleibt man bei diesem Bild, dann könnte man normale Bäcker mit ihrem Angebot eher als Zehnkämpfer bezeichnen.
Was ist für Sie der höchste Brotgenuss?
Samstagmorgens zum Frühstück eine Scheibe von unserem Nussbrot vielleicht noch kurz in den Toaster mit Butter und Honig, dazu eine Tasse Kaffee – das ist für mich ein wunderbarer Genussmoment.
Termin