Frankenthal Vaterunser auf Kufen

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Großen Zuspruch bei allen Altersgruppen fand am Freitagabend die lange Nacht der Kirchen. Mit einem musikalisch-spirituellen Non-stop-Programm konnten die protestantischen und katholischen Gemeinden in Frankenthal nicht nur auf sich aufmerksam machen, sondern zugleich auch anspruchsvolle kulturelle Farbtupfer setzen.

Mit einem Gottesdienst in nicht alltäglichem Ambiente fing es an. Der beachtliche Geräuschpegel, gepaart mit Glühwein- und Bratwurstduft, erwies sich in der bunt illuminierten Erkenbert-Ruine keineswegs als Störfaktor, als Pfarrer Uwe Laux von der Zwölf-Apostel-Kirche auf Schlittschuhen zum „Praise on Ice“ einlud und die jugendlichen Eisläufer um sich scharte. Der Aufforderung, zur Ruhe zu kommen und zu lauschen, kamen zwar nicht alle nach. Einige zogen es vor, ununterbrochen um die Kerze und das Kreuz, die mitten auf der Eisfläche standen, ihre Runden zu drehen. Feierliche Klänge des Posaunenchors erfüllten die Ruine. Und Pfarrer Laux erzählte von dünnem Eis, festem Boden unter den Füßen und von der Schönheit der Bewegung. Gemeinsam sangen die Kufensportler „I’m On My Way“ und beteten das Vaterunser. Szenenwechsel in die voll besetzte Dreifaltigkeitskirche, wo die zwölf Sängerinnen und Sänger der Kinder- und Jugendkantorei Cantate (Pfarrei St. Ludwig) unter Leitung von Anne Kathrin Herzog mit ihren sakralen Gesängen, die in sehr eingängigen zeitgemäßen Arrangements daherkamen, beim Publikum wahre Begeisterungsstürme auslösten. Und schon ging’s weiter beim Kirchenhopping. Rund 300 Zuhörer wollten sich in der Zwölf-Apostel-Kirche ein ganz besonderes Konzert nicht entgehen lassen. Der Frankenthaler Rechtsanwalt Heinrich Weiler und der Heidelberger Toxikologe Rudolf Jaeckh brillierten auf dem Klavier mit Dvoráks slawischen Tänzen zu vier Händen. Als homogenes Gesangsduo empfahlen sich die Sopranistin Almut Fingerle (Dudenhofen) und Kaplan Dominik Geiger mit zu Herzen gehenden Musicalmelodien – von Lloyd Webbers „Pie Jesu“ bis zu „Tonight“ aus Leonard Bernsteins „West Side Story“. Das Publikum applaudierte im Stehen, für die Akteure gab’s als Dankeschön von Dekanin Sieglinde Ganz-Walther eine Rose. Unter dem Motto „Zeichen der Liebe – Lieder, die uns bewegen“ stand der ebenfalls viel umjubelte Auftritt der Eppsteiner Musik- und Singgruppe Cantai, die in der Dreifaltigkeitskirche mit Sakropop den Rhythmus angab. An gleicher Stelle machte die Bad Dürkheimer Band Massel – das steht für Glück – zur vorgerückten Stunde vor immerhin noch 40 Zuhörern mit den Schönheiten der Klezmermusik vertraut. Besinnlich-meditative Akzente in familiärer Runde wurden derweil im Andachtsraum des Hieronymus-Hofer-Hauses sowie im Dathenushaus gesetzt. Dort war Fantasie gefragt, als Pfarrer Stefan Mühl mit seinen Begleitern auf eine außergewöhnliche Reise ging. Ein echter Hingucker waren die zauberhaften Lichteffekte im großen Saal – für Sänger und Gitarrist Klaus Kummer das ideale Umfeld. Nachhaltige Eindrücke hinterließ das Singspiel „Mirjams Mose“ von Peter Janssens, das ein Projektchor zusammen mit Instrumentalisten – darunter Susanne Daniv (Klarinette) – unter Leitung von Bezirkskantor Eckhart Mayer einstudiert hatte. Im Wechsel von Text und Gesang wurde den Zuhörern aus dem Blickwinkel von Moses Schwester das traurige Schicksal der Juden im ägyptischen Exil nähergebracht. Bei warmem Kerzenlicht klang die lange Kirchennacht mit Taizé-Gesängen in meditativer Atmosphäre aus. Dekanin Ganz-Walther zeigte sich beeindruckt von der starken Resonanz und dem Durchhaltevermögen der Besucher. Mehr als 50 hatten bis nach Mitternacht ausgeharrt. Ganz toll sei das Engagement der vielen Ehrenamtlichen gewesen, lobte die Dekanin. Und auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Katholiken hob sie hervor. (loi)

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