Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Unfallstatistik 2020: Die Bremsspuren der Pandemie

Rund 1800 Unfälle haben Beamte der Polizeiinspektion Frankenthal im vergangenen Jahr aufgenommen. Es gab mehr als 200 Verletzte,
Rund 1800 Unfälle haben Beamte der Polizeiinspektion Frankenthal im vergangenen Jahr aufgenommen. Es gab mehr als 200 Verletzte, glücklicherweise aber kein Todesopfer.

Arbeiten zu Hause, wenig Unterricht vor Ort in den Schulen und immer wieder geschlossene Geschäfte – die Corona-Pandemie mit ihren Begleiterscheinungen hat dafür gesorgt, dass auf Frankenthals Straßen weniger los ist und war. Der positive Effekt aus Sicht der Polizei: Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Unfälle im Vergleich zu 2019 um 16 Prozent gesunken.

Besonders deutlich war der Rückgang der Mobilität in den ersten drei Monaten der Pandemie im Frühjahr 2020, als die Betriebe massiv auf Home-Office setzten und sowohl Schulen als auch Kitas zu waren, erinnert sich Polizeihauptkommissarin Vanessa Reinhard. Aber schon der zweite Lockdown im Herbst habe die Leute in dieser Hinsicht weniger stark beeindruckt. Insofern hat es trotz des Einflusses, den das Coronavirus auf nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens entwickelt, zwar deutlich seltener, aber immer noch oft genug gekracht auf den Straßen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Frankenthal. Der umfasst neben der Stadt auch die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim und Bobenheim-Roxheim.

3,5 Millionen Euro Schaden

1784 Unfälle haben Reinhards Kollegen im vergangenen Jahr aufgenommen – 16 Prozent weniger im Vergleich zu 2019. Erfreulich: In Stadt und Land kam kein Mensch im Straßenverkehr ums Leben, die Anzahl der leicht oder schwer Verletzten sank der Polizeistatistik zufolge von 260 auf 215. Der materielle Schaden der Kollisionen ist, wie Verkehrsexpertin Reinhard verdeutlicht, allerdings immens: mehr als 3,5 Millionen Euro pro Jahr.

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Eine gute halbe Million dieser Gesamtsumme ist die Folge eines Delikts, das die Beamten weiterhin stark beschäftigt und für das inzwischen eine eigene Kampagne (siehe „Zur Sache“) ins Leben gerufen worden ist: die Unfallflucht. 490 Fälle waren es 2020, ungefähr 27,5 Prozent des Gesamtunfallaufkommens. Die nach wie vor häufigsten Ursachen für Zusammenstöße bilden nach wie vor Fehler beim Wenden und Rückwärtsfahren, also die klassischen Parkrempler, und mangelnder Sicherheitsabstand mit zusammen fast 50 Prozent.

Junge Fahrer und Senioren

Aufschlussreich für die Frage, bei wem und welchen Verkehrsteilnehmern die Polizei sozusagen pädagogisch tätig werden muss, ist für Vanessa Reinhard und ihre Kollegen der Blick auf die Risikogruppen. Zu diesen zählen unverändert die besonders jungen Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Sie sind an fast einem Fünftel aller Unfälle beteiligt. Und aus Reinhards Sicht bemerkenswert: Bei diesen rund 360 Unfällen wird ihnen die Hauptschuld zugesprochen.

Noch etwas auffälliger als die jungen sind die älteren Verkehrsteilnehmer. In einem Viertel der rund 1800 Unfälle im vergangenen Jahr waren Männer und Frauen aus der Altersgruppe 65 plus beteiligt. „Dieses Thema wollen wir uns noch einmal detaillierter anschauen“, kündigt Vanessa Reinhard an. Geplant seien hier auch spezielle Präventionsangebote – sofern das unter Pandemiebedingungen irgendwann wieder möglich ist.

Fast 100 Radler verletzt

Die Radler hatte die Frankenthaler Inspektion schon die ganze Zeit im Visier – vor allem, weil bei Unfällen mit ihrer Beteiligung fast immer Verletzte zu beklagen sind. Bei 120 Unfällen trugen 80 Radfahrer leichte und 18 schwere Blessuren davon. Nach und nach schlägt sich in der polizeilichen Unfallstatistik auch ein allgemeiner Trend nieder: der zum elektrisch unterstützten Radeln. An zwölf Kollisionen waren Besitzer von Pedelecs beteiligt. Vanessa Reinhard fügt hinzu: Bei allen gab es Verletzte. Und dann schleicht sich noch eine weitere Modeerscheinung in die Zahlen der Polizei, die offiziell als „Elektrokleinstfahrzeuge“ firmiert. Mit solchen E-Scootern gab es zwei Unfälle – vermutlich, weil in Frankenthal die aus anderen Städten bekannten Leihsysteme noch nicht Fuß gefasst haben.

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