Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Unfälle in der Region Frankenthal verursachen Millionenschaden

Kratzer an der Tür: Ärgerlicher als der Schaden ist auch in Frankenthal oft, dass sich der Verursacher aus dem Staub gemacht hat
Kratzer an der Tür: Ärgerlicher als der Schaden ist auch in Frankenthal oft, dass sich der Verursacher aus dem Staub gemacht hat.

Kleinvieh macht auch Mist – wer hätte gedacht, dass sich diese Binsenweisheit auch auf die Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Frankenthal anwenden lässt? Obwohl die meisten der mehr als 2000 Unfälle in ihrem Dienstgebiet mit Lackkratzern oder Blechschäden enden, addiert sich der dabei entstandene Gesamtschaden im vergangenen Jahr auf ein stolzes Sümmchen.

Fast 4,4 Millionen Euro Schaden, haben die Beamten anhand der Unfallaufnahmeprotokolle ausgerechnet, sind 2018 bei den 2139 Unfällen auf den Straßen Frankenthals, Bobenheim-Roxheims und der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim entstanden – im Schnitt 2000 Euro pro Ereignis. Der Zeitaufwand und Ärger mit Versicherung oder Werkstatt ist in diesen Zahlen ja noch nicht berücksichtigt.

Ärgerlich findet Polizeikommissarin Vanessa Reinhard, Sachbearbeiterin Verkehr der Inspektion, etwas anderes: die wachsende Anzahl von Fällen, in denen sich Unfallverursacher einfach aus dem Staub machen. Im vergangenen Jahr ist das 626 Mal passiert. Dieser Anteil wird seit 2014, damals waren es 541 Fälle, fast jedes Jahr ein bisschen größer. 2018 haben die Beamten 256 der Flüchtigen im Nachhinein überführt – knapp 41 Prozent. Das Problem: „Oft werden Anzeigen spät erstattet oder die Spurenlage ist ziemlich dürftig“, sagt Inspektionsleiter Thomas Lebkücher. Oft gehe es um kleine Parkrempler, die auch die Folge beengter Platzverhältnisse wie etwa in der Westlichen Ringstraße seien, ergänzt Reinhard.

Risikogruppen scharf im Blick

Weiterhin scharf im Blick hat die Frankenthaler Polizei ihre sogenannten Risikogruppen unter den Verkehrsteilnehmern. Die da wären: die Senioren und die Jungen. Bei fast einem Viertel aller Unfälle im Inspektionsgebiet sind Fahrer jenseits der 65 Jahre beteiligt; in deutlich mehr als der Hälfte dieser Fälle wurde ihnen anschließend die Hauptschuld zugesprochen. Nach Auffassung der Beamten typisch für diese Gruppe sind Unfälle beim Parken, bei denen das Abstandsgefühl, aber auch die Beweglichkeit beim so wichtigen Blick über die Schulter eine Rolle spielt. „Die geben sich nix“, vergleicht Vanessa Reinhard die älteren mit den jungen Fahrern bis 24 Jahren. Sie waren im vergangenen Jahr an einem guten Fünftel der Unfälle beteiligt und in glatt 56 Prozent auch Schuld, wenn’s gekracht hat.

Über mehrere Jahre hinweg hatte die Frankenthaler Polizei besonders die Radler im Fokus. Der Grund: Im Landesvergleich überdurchschnittlich oft waren sie in Unfälle verwickelt, bei denen es Verletzte gab. Beteiligt waren sie an solchen Ereignissen immer noch sehr häufig, nämlich in 38 Prozent der 240 Fälle 2018. „Das war bisher immer über der 40-Prozent-Marke. Insofern gibt es einen leicht positiven Trend“, betont Verkehrsexpertin Reinhard. Sie ist überzeugt, dass hier der Einsatz der Fahrradstreifen bemerkbar macht. „Trotzdem müssen wir am Ball bleiben“, sagt die Kommissarin.

Plädoyer für „Shared Space“

Zu der auch in den kommunalen Gremien am Beispiel der Kreuzung Frankenstraße/Benderstraße geführte Diskussion, was Frankenthal für Radler sicherer machen könnte, hat Reinhard eine klare Meinung: „Wir bevorzugen den Shared-Space-Ansatz.“ Das heißt: eine Lösung, bei der Radfahrer und Kraftfahrzeuge gemeinsam auf der Straße unterwegs sind. „Das erhöht die Erkennbarkeit im Vergleich zu Situationen, wo Fahrbahn und Radweg voneinander getrennt sind“, bestätigt Chef Lebkücher. „Shared Space“ sei dasjenige Konzept, das die gegenseitige Achtsamkeit am stärksten fördert, sagt er.

Größere Achtsamkeit würde zwar manchen Crash an den Unfallhäufungspunkten im Stadtgebiet Frankenthal verhindern, aber auch bauliche Veränderungen können helfen, wie Reinhard am Beispiel der Wormser Straße erklärt, wo die Konstellation aus parkenden Autos, abgetrenntem Radweg und Grünstreifen für anhaltende Problem sorgt. „Da hoffen wir auf die Zusammenarbeit mit der Stadt“, wirft Vanessa Reinhard ein. Zu den Sorgenkindern der Beamten gehören die Mahlastraße und die Kreuzungen auf dem Nord- und Westring genauso wie die Auf- und Abfahrten an der B-9-Anschlussstelle Studernheim.

Die Hauptursache für Unfälle bleibt mit 31 Prozent der zu geringe Sicherheitsabstand zur Seite und zum Vordermann. Die Folgen: der klassische „Spiegelklatscher“ im Gegenverkehr und Auffahrunfälle. In 26 Prozent der registrierten Fälle knallt es beim Wenden oder Rückwärtsstoßen. Und dann kommen mit 23 Prozent schon die „sonstigen Ursachen“ - polizeiintern nach ihrer Kennziffer als „49er“ bezeichnet. Darunter fällt die schwer nachweisbare Ablenkung durchs Herumspielen mit dem Handy. Nach Reinhards Kenntnis soll dieser wohl wachsende Anteil durch eine Änderung der Aufnahmerichtlinien in der Statistik extra ausgewiesen werden.

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