Ortstermin RHEINPFALZ Plus Artikel Trainingseinheit im Blindenfußball für den Nachwuchs des VfR Frankenthal

Gar nicht so einfach, den Weg ins Tor zu finden, wenn man nichts sieht: Jonas Weissheimer (links) und Moritz Braun beim Blindenf
Gar nicht so einfach, den Weg ins Tor zu finden, wenn man nichts sieht: Jonas Weissheimer (links) und Moritz Braun beim Blindenfußball-Training.

Eine Erfahrung der besonderen Art haben die A-, B- und C-Jugendfußballer des VfR Frankenthal am Samstag im Ostparkstadion gemacht. Im Vorgriff auf ein kleines Turnier von Blindenfußball-Nationalmannschaften am 1. und 2. Juni in Frankenthal nahmen die Jugendlichen an Trainingseinheiten im Blindenfußball teil. Auch wenn der angekündigte Blindenfußball-Nationalspieler Hasan Koparan vom FC Schalke 04 verletzungsbedingt absagen musste, zeigten sich die Nachwuchskicker beeindruckt.

Koparan habe sich bei einem Länderspiel gegen Russland verletzt und deshalb kurzfristig absagen müssen, sagte Birk Gebauer. Der Student an der Sporthochschule Köln leitete die Trainingseinheiten in Frankenthal in Vertretung für Koparan. Gesponsert wird die von Vereinen buchbare Aktion von der Deutschen Telekom. Kurzfristig nach Frankenthal kam sie auf Vermittlung des Südwestdeutschen Fußball-Verbands (SWFV) und der Bernd-Jung-Stiftung aufgrund der Länderspiele der Blindenfußballer in Frankenthal, erklärt VfR-Vorstandsmitglied Sabine Folz-Hommrich. Das Länderspiel-Turnier sei eine Vorbereitung auf die Europameisterschaft, die im September in Rom stattfindet.

Die A-Jugendlichen schleichen währenddessen in einer Art Polonaise – Gebauer nennt die Übung auch so – über das Kleinspielfeld. Alle haben eine Brille auf, sehen nichts, müssen sich auf ihren Vordermann verlassen. „Das ist eine vertrauensbildende Maßnahme zum Warmwerden“, sagt Birk Gebauer. Der Hintermann dirigiert den Vordermann über das Klopfen auf die Schulter. Auch später, beim Torschusstraining oder dem abschließenden Spiel, spielt die Kommunikation eine ganz wichtige Rolle. „Das machen die Jungs hier gut“, lobt Gebauer.

Bald kommt der Ball ins Spiel – kein normaler, einer, der rasselt. Trotzdem ist es für die Jugendlichen, die sich normalerweise auf ihr Augenlicht verlassen können, nicht leicht, das Sportgerät auf dem Spielfeld zu lokalisieren. Das zweite Hindernis ist der Weg zum Ball. Schließlich gibt es noch Mitspieler auf dem Feld. So bewegen sich die A-Jugendlichen in der abschließenden Trainingseinheit fast tänzerisch über den Platz. Die Arme und Beine wirbeln dabei oft etwas unkoordiniert durch die Luft, wenn sie nach Hindernissen suchen. Die Abwehrspieler müssen sich sogar mit einem ständig laut gerufenen „voy“ (spanisch für: Ich komme) verbal bemerkbar machen. Machen sie das nicht, ist das im Blindenfußball ein Foul, erklärt Gebauer.

„Welches System spielen wir? 4-3-3?“, fragt Bastian Hommrich keck zu Beginn des abschließenden Spiels. Die Jungs haben ihren Spaß. Blindenfußball wurde als Disziplin 2004 bei den Paralympischen Spielen aufgenommen. Eine Mannschaft besteht aus vier sehbehinderten Feldspielern und einem sehenden Torwart, der seine Vorderleute auf dem durch Banden abgegrenzten Kleinspielfeld dirigieren darf. Doch er darf seinen Torraum nicht verlassen. Bei richtigen Spielen gibt es zusätzlich zu dem rasselnden Ball als akustische Hilfen noch einen sogenannten Tor-Guide und einen Caller hinter dem gegnerischen Tor.

Für Ungeübte ist es schon ohne Guide und Caller eine Herausforderung, aus dem Stimmengewirr die Rufe der Mitspieler herauszufiltern. Lange Bälle, Flanken und weite Abwürfe führen oft nicht zum Ziel. Besser ist es, den Ball eng zwischen den Füßen zu führen. Leon Shabani macht das nach kurzer Zeit schon recht gut. So gesehen war es auch fußballerisch keine schlechte Übungseinheit für die sehenden Nachwuchskicker.

Die Telekom will nach eigenen Informationen mit dieser Aktion den Nachwuchsspielern zeigen, welche Leistung Blindenfußballer erbringen. Das Ziel wurde erreicht. Die Jugendlichen zeigten sich nach der Trainingseinheit beeindruckt. „Es war ganz ungewohnt, dass man dem Mitspieler so vertrauen muss. Die Orientierung auf dem Spielfeld geht leicht verloren, wenn man es nicht gewohnt ist. Aber es war für die Teambildung sicher eine gute Sache“, sagt Tobias Neumes. David Blarr meint: „Eine neue Erfahrung, ein gutes Erlebnis.“ Er könne jetzt in etwa nachvollziehen, wie sich die blinden Menschen fühlen. Nico Ksinzik nennt ebenso wie Jan Zieger die fehlende Orientierung als Hauptproblem. Doch nicht nur Zieger hat die Trainingseinheit mit einem ernsteren Hintergrund Spaß gemacht. Alle sagen sie, dass sie die Länderspiele im Ostparkstadion besuchen wollen.

x