Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Trainer aus Frankenthal und dem Umland zum Rücktritt von Joachim Löw

Der Höhepunkt: Joachim Löw (rechts) führt die deutsche Nationalmannschaft 2014 zum Sieg bei der Weltmeisterschaft in Brasilien.
Der Höhepunkt: Joachim Löw (rechts) führt die deutsche Nationalmannschaft 2014 zum Sieg bei der Weltmeisterschaft in Brasilien.

Nach der Europameisterschaft ist Schluss. Dann räumt Joachim „Jogi“ Löw den Posten des Bundestrainers. Doch wer wird Nachfolger? Wir haben die Trainer in Frankenthal und im Umland gefragt. Einer setzt dabei auf ein Modell, das schon auf Vereinsebene sehr erfolgreich war.

Tobias Hinkel, Trainer von A-Klassist DJK Eppstein, hat keine großen Ambitionen, Löws Nachfolger zu werden, sagt er und lacht. Wäre das geklärt. Aber wer wird es denn dann? „Jürgen Klopp und Hansi Flick wohl eher nicht, weil sie Jobs bei großen Vereinen haben.“ Und Flick sei als Co-Trainer ja auch mit Löw Weltmeister geworden. Hinkels Favorit ist Lothar Matthäus: „Als ich das zum ersten Mal gehört habe, musste ich schmunzeln. Aber in den vergangenen zehn Jahren war es ruhig um ihn geworden.“ Pal Dardai habe ihn als Coach der ungarischen Nationalmannschaft erlebt und sehr gelobt. „Er ist bislang der letzte deutsche Weltfußballer. Warum sollte man nicht mal das Risiko eingehen?“ Aber der Deutsche Fußballbund (DFB) habe dazu wohl nicht den Mumm. Und Ralf Rangnick, der auch als neuer Sportvorstand beim akut abstiegsbedrohten Bundesligisten FC Schalke 04 gehandelt wird, täte dem DFB gut, meint Hinkel. Nicht zuletzt mit Blick auf den Nachwuchs.

Auch Uwe Naßhan, Coach von B-Klassist Eintracht Lambsheim, hat Ralf Rangnick auf dem Zettel. Allerdings als Sportdirektor anstelle von Oliver Bierhoff und mit dem Trainer Hansi Flick. „Die Kombination hat auch schon bei der TSG Hoffenheim funktioniert“, argumentiert Naßhan. Und Flick habe mit dem FC Bayern in der vergangenen Saison alles erreicht, was man erreichen kann. Er liebe den Fußball, den Jürgen Klopp spielen lasse. „Aber nach fünf, sechs Jahren sind die Mannschaften platt.“ Marcus Sorg fehle die Ausstrahlung. Und Lothar Matthäus habe in der Vergangenheit viel Kredit verspielt, auch wenn er ein Fußballfachmann sei.

„Zeitpunkt überraschend“

Er selbst würde es übrigens auch machen, sagt Naßhan: „Den Luxus mit dem Trainerstab hätte ich gerne mal. Man kann aus einem Pool von Hunderten Spielern wählen, alles außenrum ist geregelt. Ein Traumjob. Aber ich habe in Lambsheim schon verlängert“, meint Uwe Naßhan und lacht. Er ist der Meinung, dass Löw nach dem WM-Titel 2014 hätte abtreten sollen. „Aber er geht auch so in die Geschichte ein.“

Als Fan des FC Bayern München hofft Sascha Löcher, Trainer des SC Bobenheim-Roxheim, dass der Münchner Erfolgscoach, Hansi Flick, nicht der Nachfolger von Joachim Löw wird. „Ich stehe nicht zur Verfügung“, sagt Löcher lachend. Klar, er hat bereits beim SC für die kommende Saison zugesagt. Den Zeitpunkt von Löws Rücktritt findet Löcher überraschend. Ob es der richtige Moment ist, werde man erst nach der Europameisterschaft im Sommer sagen können. „Wenn er diese gewinnt, hat er alles richtig gemacht.“ Vom Gefühl her, sei es eher etwas zu spät, meint Löcher. „Doch jetzt kann sich Löw komplett auf die Europameisterschaft konzentrieren, braucht keine Rücksichten mehr zu nehmen“, sagt der SC-Coach. Es sei aber generell die Zeit für etwas Neues. „Irgendwann nutzt sich alles ab.“ Ralf Rangnick sei sicher unbequem für den Deutschen Fußball-Bund, aber keine schlechte Wahl als Nachfolger.

„Schon 2016 Zenit überschritten“

Ralf Rangnick sei einer, der das Amt gut ausfüllen könne, ist sich auch Andreas Köhler, Trainer des A-Klassisten ASV Heßheim, sicher. Von Löw halte er jedoch viel. In seiner Zeit als Bundestrainer habe die Nationalmannschaft den schönsten Fußball gespielt. Allerdings sei seiner Ansicht nach der Zenit von Löw spätestens nach der Europameisterschaft 2016 überschritten gewesen. Der beste Abgang wäre seiner Ansicht nach sogar schon nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gewesen. Er verstehe jedoch, dass Löw die EM 2016 noch mitnehmen wollte. Jetzt bleibe der letzte Eindruck – und der sei negativ. „Die vergangenen zwei Jahre waren ja nicht so prickelnd“, sagt Köhler.

„In der Nationalmannschaft müssen die besten Spieler eines Landes stehen, da kann ich mit dem Gerede über einen Umbruch wenig anfangen“, sagt Tim Graf, Trainer des A-Klassisten Schwarz-Weiss Frankenthal. Deshalb habe er das Wirken von Löw in jüngster Zeit nicht nachvollziehen können. Er glaube, dass sich Löw durch seine Art und seine Sturheit in jüngster Zeit unbeliebt gemacht habe. Er hätte gestandene Spieler nicht ausbooten müssen. Da sei Löw aber wohl zu stolz, um das einzuräumen. In seinem Umfeld sei die Rücktrittsankündigung jedenfalls mit Freude aufgenommen worden, meint Graf.

„Vielleicht eine Frau“

Zwei außergewöhnliche Empfehlungen hat Graf für die Nachfolge parat: Peter Neururer oder Lothar Matthäus. Neururer könne er sich super vorstellen. „Der kann gut mit Spielern, hat immer eine klare Linie.“ Matthäus hätte nach Auffassung von Graf die Chance ebenfalls verdient. Der Weltfußballer sei unterschätzt, habe viel Fachwissen. „Ich mag es, wenn Leben drin ist. Und mit Matthäus wäre definitiv Leben in der Nationalmannschaft“, sagt Graf.

Andreas Persohn, Trainer des B-Klassisten TuS Dirmstein, hält einen Coup bei der Nachfolge von Löw nicht für ausgeschlossen. „Vielleicht wird es ja eine Frau. Dann hätte der DFB die Medien hinter sich“, spekuliert Persohn. Sollte ein Mann das Rennen machen, dann glaubt er, dass es Hansi Flick wird. Wobei er Julian Nagelsmann als Mann der Zukunft auf dieser Position sieht. „Der ist aber noch zu jung“, meint der Coach. Den Rücktritt von Löw hält Persohn für „überfällig“. Mit dem personellen Umbruch im Nationalteam habe sich der Bundestrainer selbst ins Knie geschossen: „Die aktuelle Mannschaft hat keinen Charakter und keine Identifikationsfigur.“ Der beste Umbruch wäre für Persohn gewesen, wenn Löw gleich mit gegangen wäre. Nach der EM 2016 wäre für Persohn ein guter Zeitpunkt zum Rücktritt gewesen. „Spätestens jedoch nach der Weltmeisterschaft 2018 in Russland“, betont Persohn.

„Rücktritt kommt zu spät“

„Wir hatten eine wunderbare Zeit mit Jogi Löw“, sagt Martin Wohlschlegel, Trainer des Fußball-Bezirksligisten VfR Frankenthal. Es habe Höhen und Tiefen gegeben. Für Wohlschlegel wäre es besser gewesen, wenn der Bundestrainer schon nach der Weltmeisterschaft 2018 in Russland Schluss gemacht hätte. Die Nachfolge sei eine schwierige Sache. „Am besten wäre ein Trainer, der sich beim DFB auskennt und ein gutes Auge hat für junge Spieler“, meint der VfR-Coach. Wenig überzeugen würde es Wohlschlegel, wenn ein Trainer aus dem Ausland ins Amt gehoben werden würde. „Wir haben in Deutschland genug fähige Trainer.“ So richtig auf einen Namen festlegen will sich Wohlschlegel nicht, aber: „So ein Typ wie Hansi Flick wäre nicht schlecht.“

Üzdal Duman, Übungsleiter beim A-Klassisten MTSV Beindersheim, meint ebenfalls, dass der Rücktritt von Löw zu spät kommt. Für ihn wäre der richtige Zeitpunkt nach dem WM-Titel in Brasilien gewesen. „Zuletzt hat er ohne Not seine erfahrenen Spieler verloren.“ Da habe Löw einfach zu schnell agiert. „Die Wertschätzung für Löw war nicht mehr da“, sagt Duman. Der Wunschtrainer von Duman, Jürgen Klopp, wird die Nachfolge wohl nicht antreten. Ähnlich sieht es bei den weiteren Favoriten Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann aus. Vielleicht bewege sich bei Klopp ja noch was, hofft Duman.

Potenzieller Nachfolger 1: Lothar Matthäus holte als Spieler 1990 den Weltpokal. Als Trainer hat er aber noch nicht viel gerisse
Potenzieller Nachfolger 1: Lothar Matthäus holte als Spieler 1990 den Weltpokal. Als Trainer hat er aber noch nicht viel gerissen.
Potenzieller Nachfolger 2: Ralf Rangnick. Uwe Naßhan kann ihn sich aber auch gut als Sportdirektor und Nachfolger von Oliver Bie
Potenzieller Nachfolger 2: Ralf Rangnick. Uwe Naßhan kann ihn sich aber auch gut als Sportdirektor und Nachfolger von Oliver Bierhoff vorstellen.
Potenzieller Nachfolger 3: Hansi Flick steht aktuell beim FC Bayern München unter Vertrag.
Potenzieller Nachfolger 3: Hansi Flick steht aktuell beim FC Bayern München unter Vertrag.
Potenzieller Nachfolger 4: Jürgen Klopp (FC Liverpool). Doch er hat schon abgewunken.
Potenzieller Nachfolger 4: Jürgen Klopp (FC Liverpool). Doch er hat schon abgewunken.
Potenzieller Nachfolger 5: Marcus Sorg. Er könnte vom Co-Trainer zum Chef aufsteigen und damit Löws Weg nachahmen.
Potenzieller Nachfolger 5: Marcus Sorg. Er könnte vom Co-Trainer zum Chef aufsteigen und damit Löws Weg nachahmen.
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